Tüfingen

Tüfingen
Gemeinde Salem
Koordinaten: 47° 46′ N, 9° 14′ O
Höhe: 490 m
Fläche: 9,11 km²
Einwohner: 288 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 32 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 88682
Vorwahl: 07553
Tüfingen (1984)

Tüfingen ist ein Ortsteil der Gemeinde Salem im Bodenseekreis in Baden-Württemberg.

Geographie

Lage

Tüfingen liegt im Linzgau in der Bodenseeregion, rund drei Kilometer westlich des Ortszentrums von Salem. Das Dorf liegt zwischen dem Salemertal und Überlingen in einer Mulde des Moränenhügellandes.[2]

Gliederung

Zur Gemarkung gehören das Dorf Tüfingen, der Weiler Baufnang, das Hofgut Mendlishausen, der Ralzhof und der Berghof.[3]

Schutzgebiet

Die Salemer Klosterweiher sind Europäisches Vogelschutzgebiet. Einige dieser Weiher liegen auf der Gemarkung Tüfingen: Engelsweiher, Nellenfurter Weiher und Kaltbrunner Weiher. Sie stehen darüber hinaus in der Gesamtheit unter Denkmalschutz.[4]

Geschichte

Ur- und Frühgeschichte

Tüfingen gehört zu den frühen Orten der alemannischen Landnahme im Linzgau. Die Dörfer mit der Endung -ingen sind in der Regel Siedlungen des 5./6. Jahrhunderts.[5]

Mittelalter und frühe Neuzeit

Der Ort Tüfingen wird im Jahre 1161 erstmals erwähnt. Das Kloster Salem erwarb dann ab dem 13. Jahrhundert verschiedene Rechte im Ort:

Im Dreißigjährigen Krieg im Jahr 1634 wurden 22 Häuser in Tüfingen von schwedischen Truppen niedergebrannt, vermutlich aus Versehen, weil das Dorf als Überlinger Besitz angesehen wurde.[7]

Mendlishausen wird im Jahr 1128 erstmals urkundlich erwähnt. 1183 als Schenkung der Grafen von Heiligenberg an Kloster Salem. Seit etwa 1200 Grangie, später Lehnshof des Klosters. Mendlishausen blieb als Kameralhof im Besitz der Standesherrschaft Salem bzw. Markgräflichen Verwaltung. Heute befindet sich dort der Affenberg Salem.

Der Name Baufnang wird 1116 erstmals in einer Urkunde des Klosters Allerheiligen genannt. Vor 1200 gelangte es in den Besitz des Klosters Weißenau, 1267 an das Kloster Salem, welches dort wohl eine Grangie betrieb. Ab dem Jahr 1678 befand sich bis 1802 im Vorgängerbauten des Gasthauses „Zum Schwert“ die Wohnung des Salemer Scharfrichters.[8]

Der Berghof ist seit 1387 als Lehnshof von Kloster Salem bezeugt.

Moderne

Nach der Enteignung des Klosters Salem im Rahmen der Säkularisation 1803 gehört der Ort zunächst zum markgräflichen Oberamt, ab 1813 zum großherzoglichen Bezirksamt Salem im Seekreis und ab 1857 zum Bezirksamt Überlingen im Großherzogtum Baden, das 1939 in Landkreis Überlingen umbenannt wurde. Bis 1972 war Tüfingen selbständige Gemeinde.[9]

Im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg schloss sich Tüfingen 1972 mit sieben weiteren Orten zur Gemeinde Salem zusammen.[10]

Gesellschaft

Bevölkerung

Die Zahl der Einwohner von Tüfingen hat sich in den letzten 150 Jahren kaum verändert.[11]

Religion

Die Bevölkerung war bis zur Aufhebung der Klosterherrschaft 1803 ausschließlich katholisch. Dies ändert sich im 19. Jahrhundert nur geringfügig. In den 1950er Jahren ist ein deutlicher Anstieg der evangelischen Bevölkerung auf etwas über 16 % zu verzeichnen.[12] Bis zum Jahr 1630 gehörte Tüfingen zur katholischen Pfarrei [[Seefelden]], ab dann zur neugeschaffenen Pfarrei Mimmenhausen.[13]

Die 1763 eingeweihte Sankt Sebastianskapelle wurde 1973 abgebrochen. Sie musste dem Straßenbau weichen. Gottesdienste finden heute im Dorfgemeinschaftshaus statt.

Politik

Der Gemeinderat von Salem wurde von 1972 bis 2008 durch eine unechte Teilortswahl gewählt. Dieses Wahlsystem garantierte jedem Ortsteil eine bestimmte Anzahl von Sitze. In der Gemeinde Salem gibt es für jeden Ortsteil einen Ortsreferenden. Der letzte Bürgermeister der selbständigen Gemeinde Tüfingen war Georg Raible.

Wappen

Blasonierung: „Gevierte, das Ganze überlegt von schräglinks liegendem, ausgebogenem goldenem Krummstab; 1 und 4 in drei Reihen geschacht von Silber und Blau; 2 und 3 Rot (Silber).“

Das Wappen spiegelt die Besitzverhältnisse wider. Der gevierte Schild mit silbern-blauem Schach im ersten und vierten Feld sowie rotem zweiten und dritten Feld entspricht dem Wappen der Herren von Vatz. Der in das Wappen eingebundene Krummstab bekundet die lange Herrschaft des Klosters Salem über Tüfingen.[14]

Infrastruktur

Öffentliche Einrichtungen

Die Gemeinde erhielt 1923 den Anschluss an das Stromnetz, 1952 eine öffentliche Wasserversorgung. Das neue Rathauses wurde 1970 gebaut und 1997 die Kanalisation. Das Tüfinger Dorfgemeinschaftshaus wurde 2000 in der Dorfmitte errichtet, um für die Bürger einen Treffpunkt für Feste und Gottesdienste zu schaffen.

Verkehr

Tüfingen liegt an der historischen Landstraße (heute L 200a) von Überlingen nach Salem. Die Baufnager Straße verbindet Tüfingen über den Berghof mit Baufnang. Über Mendlishausen führt eine Straße nach Oberuhldingen. Zudem liegt es am sogenannten Prälatenweg, der Kloster Salem mit dem Bodenseehafen Maurach bzw. der Wallfahrtskirche Birnau verband. Die Buslinie 7381 führt von Salem über Tüfingen nach Überlingen.

Wirtschaft

|

Die relativ große Gemarkungsfläche von 912 ha wird je zur Hälfte land- und forstwirtschaftlich genutzt. In den 1920er Jahren gab es mit „Manufaktur- und Kolonialwaren Franz Rettig“ ein Einzelhandelsgeschäft in Tüfingen. In den 1930er Jahren war es dann die „Handlung L. Siebenrock“, die Artikel für den täglichen Bedarf anbot. Das „Gasthaus von Josef Möhrle“ (1920) wurde umbenannt in „Wirtschaft z. Rose“ (1930) und existiert noch heute. Aus dem ehemaligen Scharfrichterhaus in Baufnang wurde das „Wirtshaus zum Schwert“.[15]

Kultur

Sehenswürdigkeiten

Ein besonderer Touristenmagnet ist der Affenberg Salem. Er ist auf dem ehemaligen Lehnshof Mendlishausen des Klosters Salem und den umgebenden Wäldern angesiedelt. Unter Denkmalschutz stehen neben der Hofanlage Mendlishausen der Gasthof Schwert in Baufnang und das ehemalige Salemer Jagdhaus.[16]

Bildung

Schulisch gehörte der Ort Tüfingen und der Hof Mendlishausen – wohl seit 1787 – zur Schulgemeinde von Salem. Der Weiler Baufnang und der Berghof gehörten zur Schulgemeinde von Lippertsreute, der Ralzhof zur Schulgemeinde von Deisendorf.[17]

Literatur

  • Kuratorium Heimat und Arbeit (Hrsg.): Die Gemeinden im oberen und unteren Linzgau, Tüfingen, S. 341, in: Der Kreis Überlingen / Überlingen und der Linzgau am Bodensee. 1972.
  • Gemeinde Salem (Hrsg.): Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Tüfingen, 2009.
  • F. X. Conrad Staiger: Tüfingen, S. 313-318, in: Salem oder Salmansweiler … Constanz 1863 (ND 2008).
  • Rudolf Koch: Meine Begegnung mit dem Scharfrichter, in: FGO-Circular, 2021.
  • Dorfgemeinschaft Baufnang 900 (Hrsg.): Baufnang 900 / 1116–2016.
  • Benvenut Stengele: Beiträge zur Geschichte des Ortes und der Pfarrei Lippertsreute im Linzgau, in: FDA 22/1892.
  • Hugo Gommeringer: Tüfingen S. 73-74, in: Salemer Wappen. 2000
  • Regierungspräsidium Tübingen Referat 26 Denkmalpflege_ Verzeichnis der unbeweglichen Bau- und Kunstdenkmale in Baden-Württemberg

Bodenseekreis – Salem - Tüfingen

  • Hugo Gommerimger: Kirchen und Kapellen in der Seelsorgeeinheit Salem. Schnell Kunstführer 2548, 2004, ISBN 3-7954-6483-8
Commons: Tüfingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Einwohnerzahl und Fläche Gemeinde Salem. Abgerufen am 22. Oktober 2025.
  2. Tüfingen auf Landeskunde entdecken online – leobw
  3. Gemeinde Salem: Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Tüfingen 2009
  4. Regierungspräsidium Tübingen Referat26: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Salem-Tüfingen (Bodenseekreis) 2012.
  5. Kuratorium Heimat und Arbeit (Hrsg.) (1972): Alemannische Besiedlung, S. 121, in: Der Kreis Überlingen / Überlingen und der Linzgau am Bodensee.
  6. Gemeinde Salem: Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Tüfingen, 2009.
  7. Staiger, F. X. Conrad: Tüfingen, S. 313, in: Salem oder Salmansweiler … Constanz 1863 (ND 2008).
  8. Koch, Rudolf: Meine Begegnung mit dem Scharfrichter, in: FGO-Circular 7-2021
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 503 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
  10. Statistisches Landesamt BW: Gemeindeliste III - Herkunft und Verbleib der Gemeinden nach Abschluss der Kreis- und Gemeindereform, Stuttgart 1999
  11. Tüfingen auf Landeskunde entdecken online – leoBW
  12. [1]
  13. Staiger, F. X. Conrad: Tüfingen, S. 313, in: Salem oder Salmansweiler … Constanz 1863 (ND 2008).
  14. Hugo Gommeringer: Tüfingen, S. 73-74, in: Salemer Wappen, 2000.
  15. Hugo Gommeringer: Tüfingen, S. 73-74, in: Salemer Wappen. 2000
  16. Regierungspräsidium Tübingen Referat26: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Salem-Tüfingen (Bodenseekreis) 2012.
  17. Gemeinde Salem: Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Tüfingen 2009