Synagoge Twistringen

Die Synagoge in Twistringen befand sich an der Bachstraße 2 in Twistringen.

Geschichte

Ein Synagogenbezirk für Twistringen wurde 1843 gebildet. Ihm gehörten neben Twistringen auch die Ortschaften Ehrenburg, Heiligenloh, Schmalförden, Wesenstedt und Köbbinghausen an. Im Jahr 1845 erwarb die jüdische Gemeinde das Haus Bachstraße 2 und richtete es als Synagoge ein. Das Gebäude wies eine Grundfläche von 130 m² aus und beherbergte neben der Synagoge auch eine jüdische Schule. Eine Mikwe war in Twistringen ebenfalls vorhanden. Die Zahl der jüdischen Einwohner in Twistringen sank im Laufe der Jahrzehnte, 1905 lebten rund 28 jüdische Mitbürger am Ort, 1933 noch etwa 27.[1]

Zerstörung

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge im Rahmen der nationalsozialistischen Novemberpogrome in Twistringen niedergebrannt. Die örtliche Feuerwehr schritt nicht zur vollständigen Brandbekämpfung ein, sondern verhinderte lediglich ein Übergreifen des Feuers auf benachbarte Häuser. Das Inventar der Synagoge wurde vor dem Gebäude zerschlagen. Die jüdischen Familien des Ortes wurden zuvor drangsaliert und ihre Wohnungen und Geschäfte demoliert. Das Abbrennen der Synagoge verzögerte sich aufgrund widersprechender Befehle bis in den Morgen des 10. Novembers. Schulklassen erhielten schulfrei, um die brennende Synagoge zu besichtigen.[2]

Baubeschreibung

Das Gebäude an der Bachstraße 2 war ein einfaches, straßenseitig eingebundenes jüdisches Gotteshaus. Es bestand aus Backsteinmauerwerk und wies eine vergleichsweise schlichte Fassaden- und Dachgestaltung auf. Architektonische Schmuckelemente oder sakrale Besonderheiten waren nicht erkennbar.[3]

Gedenken

Am früheren Standort der Synagoge steht heute ein Gedenkstein, der im Jahr 1985 errichtet wurde. Er erinnert an das jüdische Gotteshaus sowie an die Verfolgung der jüdischen Gemeinde in Twistringen.[4]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Herbert Obenaus, David Bankier, Daniel Fraenkel: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-753-5, S. 1476–1478.
  2. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1479–1480.
  3. Die Baubeschreibung beruht auf einer erhaltenen Fotografie, vgl. https://www.jewish-places.de/DE-MUS-975919Z/facility/f5314fef-76a6-4e66-a980-4ac46a10348d/Synagoge%20Twistringen%20%281845-1938%29%20mit%20Gedenkstein%20%281985%29
  4. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1482

Koordinaten: 52° 48′ 6″ N, 8° 38′ 25,9″ O