Synagoge Stolp
Die Synagoge in Stolp in Pommern (seit 1945 Słupsk, Polen) stand im Stadtzentrum an der Arnoldstraße (seit 1945 ul. Niedziałkowskiego 6). Sie wurde 1901–1902 nach Entwurf von Eduard Koch errichtet. Sie wurde von den Nationalsozialisten während der Novemberpogrome 1938 zerstört.
Geschichte
Vor dem Neubau gab es eine Synagoge an der Paradiesstraße (seit 1945 ul. Generala Józefa Bema), die eigentlich erweitert werden sollte. Die jüdische Gemeinde entschied sich schließlich aber für einen Neubau an einer anderen Stelle, da die alte Synagoge an ein Rotlichtviertel mit zahlreichen Bordellen angrenzte. Das neue Gotteshaus, das gleichzeitig auch ein Kulturzentrum war, wurde für 400 Männer und 300 Frauen geplant.
Während der Novemberpogrome 1938 setzten Nationalsozialisten die Synagoge in Brand. Augenzeugen berichteten, dass SA-Einheiten und Polizei die Gegend abgeriegelten hatten, so dass die Feuerwehr nicht in der Lage war, den Brand zu löschen. Der für seine Toleranz bekannte damalige Bürgermeister der Stadt, Walter Sperling, dem auch die Polizei unterstand, ordnete die Anwendung der Schusswaffe gegen die Brandstifter an. Die Anordnung blieb unter dem Druck von SA und Gestapo unbeachtet.
Im Jahr 2006 wurde die ursprüngliche Einfriedung der Synagoge rekonstruiert, an den wiedererrichteten Pfeilern erinnern zwei Gedenktafeln in Polnisch, hebräisch, Englisch und Deutsch an die Synagoge und die Gemeinde:
„Zum Gedenken an die Jüdische Gemeinde in Słupsk (Stolp) 1705–1942 und alle Holocaustopfer sowie an unseren Großvater Dr. Max Joseph, den Rabbiner von Słupsk (Stolp) in den Jahren 1902–1936 und an seine Tochter Susanne 1906–1942.“
Siehe auch
Literatur
- Joachim Schwarz: Im Osten geht die Sonne auf. Erinnerungen an Hinterpommern. Selbstverlag, Faberg 1997, ISBN 3-9805900-0-3, S. #.
Weblinks
- Beschreibung auf Virtuelles Schtetl (abgerufen am 22. Februar 2022)
- 2006-06-23 Słupsk - ceremonia odsłonięcia pomnika Bilder der Zeremonie zur Anbringung der Tafeln
Koordinaten: 54° 28′ 5″ N, 17° 1′ 32,7″ O