Synagoge Stadtoldendorf

Die Synagoge in Stadtoldendorf befand sich an der Kuhstraße (Ecke Küselbrink) in Stadtoldendorf und bestand von 1855 bis 1938.

Geschichte

Ein Synagogenbezirk für Stadtoldendorf wurde im 19. Jahrhundert gebildet. Die jüdische Gemeinde erwarb 1855 ein Grundstück in der Kuhstraße und errichtete eine Synagoge. Die Entwürfe gingen auf Kreisbaumeister Haarmann zurück. Die florierende jüdische Gemeinde wuchs bis 1931 auf etwa 70 Mitglieder an. Die Gemeinde nahm aktiv am gesellschaftlichen Leben in Stadtoldendorf teil. Einzelne Mitglieder traten als Wohltäter auf. Mehrere Söhne der Gemeinde fielen im Ersten Weltkrieg.[1]

Zerstörung

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge im Rahmen der Reichspogromnacht von der SA und der NS-Frauenschaft geplündert und niedergebrannt. Die Gebäudereste wurden an die Stadt verkauft. Die Torarollen wurden auf dem Dachboden der Schule gelagert.[2]

Baubeschreibung

Das Gebäude an der Kuhstraße bestand aus Fachwerk mit Ziegelausfachung und wies eine einfache Fassaden- und Dachgestaltung auf. Ein Baumerkmal waren die Spitzbogenfenster, außerdem wurde das Dach von einem kleinen Glockentürmchen gekrönt.[3]

Gedenken

Am Standort der ehemaligen Synagoge wurde 1981[4] ein Gedenkstein errichtet. Die Inschrift des Steins lautet:

Wäre doch mein Kopf ein Gewässer und meine Augen ein Tränenquell,
daß ich beweinen könnte Tag und Nacht die Erschlagenen meines Volkes. Jer. 8,23
Gewidmet von der Stadt Stadtoldendorf im Jahre 1980.

Außerdem informiert eine kleine Tafel:

Synagogengedenkstein
Zum Gedenken an das Schicksal der jüdischen Mitbürger;
seit 1855 stand hier eine Synagoge, die am 9. November 1938 geplündert und später abgerissen wurde.

Der Platz wurde 2015 nach Ephraim Rothschild benannt, einer prägenden Figur der ehemaligen jüdischen Gemeinde.[5]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Herbert Obenaus, David Bankier, Daniel Fraenkel: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89244-753-5, S. 1427–1429.
  2. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, 1430.
  3. Die Baubeschreibung beruht auf erhaltenen Fotografien, vgl. https://mein-stadtoldendorf.de/12-synagoge/ und Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, 1427.
  4. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, 1431
  5. Stadtoldendorf auf juedische-gemeinden.de. Abgerufen am 20. November 2025.

Koordinaten: 51° 53′ 3,4″ N, 9° 37′ 24,3″ O