Synagoge Scharmbeck
Die Synagoge in Scharmbeck befand sich in der Bahnhofstraße 105 in Osterholz-Scharmbeck.
Geschichte
Die jüdische Gemeinde Osterholz und Scharmbeck bestand schon im späten 18. Jahrhundert und wuchs bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich. Eine erste Synagoge entstand 1830 in der Deichstraße, brannte jedoch 1863 vollständig ab.[1]
Nach einem Brand der alten Synagoge beschloss die Gemeinde den Bau eines neuen Synagogen- und Schulgebäudes. Das neue Gebäude wurde 1865 in der Bahnhofstraße (am Weißen Sand) eingeweiht und beherbergte den Betsaal, eine Galerie für Frauen sowie Räume für Schule und Lehrerwohnung. 1897 wurde die Synagoge renoviert.[2]
1928 musste das Dach der Synagoge erneuert werden. Die Gemeinde umfasste zu dieser Zeit nur noch 15 Mitglieder, die Abgaben leisten konnten und befand sich in finanziellen Schwierigkeiten. Diese Situation verschärfte sich in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft, schließlich war die Gemeinde 1938 gezwungen, die Synagoge zu vermieten. Nach den Pogromen 1938 kaufte die Stadt dann 1939 Synagoge und Grundstück.[3]
Baubeschreibung
Die ehemalige Synagoge in Scharmbeck war ein zweigeschossiger, verputzter Massivbau mit einem langgestreckten Satteldach. Der Bau vereinte Wohn- und Schultrakt im Vorderhaus mit einem anschließenden Betsaal, der sich deutlich durch seine Gestaltung abhob. Die Straßenfassade zeigte im Erd- und Obergeschoss regelmäßig angeordnete Rechteckfenster, die dem Gebäude ein schlichtes, symmetrisches Erscheinungsbild gaben.
Der Eingang lag mittig in einem leicht hervorgehobenen Portalrahmen. Der Betsaal befand sich im rückwärtigen Gebäudeteil und war architektonisch klar erkennbar. Auf der Längsseite öffnete er sich durch hohe, schmale Spitzbogenfenster, die in einer Dreiergruppe angeordnet waren. Diese Fenster verliehen dem Raum einen sakralen Charakter und sorgten für eine ausgeprägte vertikale Gliederung. Auch der rückwärtige Giebel war durch zwei Spitzbogenfenster und einen schlichten oberen Abschluss gestaltet.
Das Satteldach war gleichmäßig geneigt und besaß mehrere kleine Dachöffnungen, die der Belichtung oder Belüftung dienten. Insgesamt wirkte das Gebäude funktional, war aber zugleich klar als Gotteshaus erkennbar, wobei die Spitzbogenfenster die wichtigsten gestalterischen Akzente setzten.[4]
Zerstörung und Folgen
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge bei den Novemberpogromen von Bremer SA-Männern angegriffen. Das Gebäude wurde zwar beschädigt, ein vollständiges Niederbrennen konnte jedoch durch Eingreifen der Feuerwehr verhindert werden. Die Inneneinrichtung wurde zerschlagen und verbrannt, eine hebräische Inschrift über der Tür zerstört.
Erinnerung und Gedenken
2006 errichtete die Stadt an der ehemaligen Stelle der Synagoge eine Gedenkstätte.[5] Der Platz der jüdischen Synagoge erinnert mit mehreren Stelen und einer zentralen Granitplatte, auf der die Namen der 23 Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung aus Osterholz-Scharmbeck eingraviert sind, an die jüdische Gemeinden von Scharmbeck und Osterholz sowie an ihre Synagoge. Im Mai 1995 wurde eine Ausstellung aller Schulen am Ort zum Schicksal der jüdischen Mitbürger gezeigt.[6] Regelmäßige Gedenkveranstaltungen, z. B. eine Lichterkette am 9. November, erinnern an das einstige jüdische Leben im Ort.[7]
Siehe auch
- Liste der im Deutschen Reich von 1933 bis 1945 zerstörten Synagogen
- Osterholz-Scharmbeck im Nationalsozialismus
Weblinks
- Osterholz-Scharmbeck auf Pogrome 1938
- Osterholz-Scharmbeck auf juedische-gemeinden.de
- Geschichte der Juden in Osterholz-Scharmbeck
- Osterholz-Scharmbeck: Platz der Synagoge
- Pogromnacht 1938 in Osterholz-Scharmbeck
Einzelnachweise
- ↑ Herbert Obenaus (Hrsg.): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Göttingen 2005, S. 619–620.
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1354
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1357-1359.
- ↑ Siehe hierzu die erhaltene Fotografie der Synagoge und das Modell auf juedische-gemeinden.de
- ↑ Platz der jüdischen Synagoge Osterholz-Scharmbeck. Abgerufen am 6. Dezember 2025.
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1359
- ↑ Lichterkette am Platz der jüdischen Synagoge 2024. Abgerufen am 6. Dezember 2025.
Koordinaten: 53° 13′ 38″ N, 8° 47′ 17,9″ O