Synagoge Rehburg

Die Synagoge in Rehburg befand sich in der Mühlentorstraße 7 in Rehburg-Loccum.

Geschichte

Eine jüdische Gemeinde ist in Rehburg spätestens seit dem frühen 19. Jahrhundert belegt. 1835 erwarb die Gemeinde ein Haus im Zentrum des Ortes und richtete eine Synagoge ein. In der Synagoge war auch eine Mikwe vorhanden.[1] Vor kurzem wurde das Kassenbuch (Zedakabuch) wiederentdeckt, das die Einkünfte/Ausgaben der Gemeinde aus der Zeit von 1803 bis 1828 dokumentiert.[2]

Brand, Zerstörung, Verkauf

Am 22. Mai 1934 brannte die Synagoge mutmaßlich infolge eines Schornsteinbrandes und konnte noch im selben Jahr mit finanzieller Unterstützung der jüdischen Gemeinde Hannover wieder in Stand gesetzt werden.

Während der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge geschändet. Die SA stürmte das Gebäude, das Inventar wurde auf den Marktplatz gebracht und dort verbrannt. Wohnhäuser jüdischer Bewohner wurden durchsucht. Jüdische Männer wurden in „Schutzhaft“ genommen und später unter anderem in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Im April 1939 wurde das Gebäude von der jüdischen Gemeinde an den Schuhmachermeister Meyer zum Preis von 5.000,- Reichsmark verkauft.[3][2]

Baubeschreibung

Das Gebäude der ehemaligen Synagoge steht heute noch (Stand 2025) als Wohnhaus. Dies ist ein zweigeschossiges Haus in geschlossener Straßenrandbebauung. Die straßenseitige Fassade besteht aus rotbraunem Backsteinmauerwerk, wie es im 19. Jahrhundert in Rehburg häufig verwendet wurde. Die Fassade ist durch mehrere horizontale Zierlagen aus unterschiedlich gemauerten Ziegelbändern gegliedert. Über und unter den Fensterachsen verlaufen schmale Zierfriese, die die Wandfläche optisch fassen. Die Fenster des Obergeschosses liegen somit in einer architektonisch angedeuteten, dreieckigen Laibung, wodurch sich eine plastische Staffelung der Fassade ergibt. Über den Fenstern steht ein schlichter Sturzfries aus einer zurückspringenden Ziegellage. Unter den Fenstern im Erdgeschoss befinden sich dekorativ gemauerte Brüstungsfelder. Insgesamt zeigt das Gebäude eine sachlich gegliederte Backsteinarchitektur mit zurückhaltenden ornamentalen Akzenten, wie sie für ländliche Synagogen des 19. Jahrhunderts nicht selten war. Das Gebäude trägt ein steiles Satteldach.

Der Betsaal der ehemaligen Synagoge lag im hinteren Gebäudeteil. Er besaß eine Grundfläche von etwa 9 × 5,6 m und war mit einer schmalen Frauenempore an der Westseite ausgestattet. In der Ostwand befand sich ein kleiner vorgezogener Erker, der den Thoraschrein aufnahm. Zeitzeugen berichteten zudem von einem farbigen Fenster mit ornamentaler Gestaltung im Bereich des Erkers.[4]

Gedenken

Vor dem ehemaligen Synagogengebäude wurde 2018 eine Stolperschwelle angebracht, um an die jüdische Gemeinde und die Opfer der Verfolgung zu erinnern.[4]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Herbert Obenaus, David Bankier, Daniel Fraenkel: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-753-5, S. 1299–1300.
  2. a b Klaus-Dieter Alicke: Jüdische Gemeinde - Rehburg (Niedersachsen). In: Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
  3. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1301–1302
  4. a b Die Synagoge in Rehburg. Abgerufen am 3. Dezember 2025.

Koordinaten: 52° 28′ 24,4″ N, 9° 13′ 40,6″ O