Synagoge Pattensen

Die Synagoge Pattensen bestand von 1858 bis 1938 an der Hofstraße 4 in Pattensen.

Geschichte der Gemeinde

Juden sind in Pattensen seit dem Mittelalter nachweisbar. 1553 wurden die Juden im Fürstentum Calenberg von Erich II. des Landes verwiesen. Von einer jüdischen Gemeinde ist ab dem frühen 19. Jahrhundert auszugehen. Damals entstand eine kleine, aber stabile Landgemeinde, die 1864 mit rund 60 Personen ihre größte Stärke erreichte. 1843 wurde die Synagogengemeinde eingerichtet, die auch Hüpede einschloss. Die Gemeindemitglieder waren überwiegend im Handel, in Kleingewerben und im Viehhandel tätig. Eine erste Synagoge gab es bereits 1816, für 1840 ist ein Betraum belegt. 1850 beschloss die Gemeinde den Neubau einer Synagoge mit Schule und Mikwe. 1858 konnte die Gemeinde die neue Synagoge weihen.[1] Das Gebäude wurde 1908 renoviert und erweitert.[2]

Nachdem die Gemeinde bis zum Ende des Ersten Weltkriegs florierte und die jüdischen Mitbürger wichtige gesellschaftliche Rollen einnahmen, setzte ab etwa 1920 ein deutlicher Niedergang ein. Dies war durch Abwanderung in größere Städte, wirtschaftliche Veränderungen und die zunehmende gesellschaftliche Ausgrenzung bedingt. 1933 lebten nur noch wenige jüdische Familien in Pattensen. Der Trend setzte sich bis 1938 fort.[3]

Novemberpogrom 1938

Bei den Novemberpogromen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es zu massiven Ausschreitungen gegen die wenigen verbliebenen Juden am Ort. Die Fenster der Synagoge wurden eingeworfen, die Inneneinrichtung zerstört, auf die Straße geworfen und angezündet. Daneben wurden die Torarollen ausgebreitet. Jüdische Mitbürger wurden gezwungen, über die Torarollen zu laufen, einzelne Stücke herauszureißen und in die Flammen zu geben. Auch die jüdischen Friedhöfe wurden verwüstet, außerdem wurden acht Gemeindemitglieder in sogenannte Schutzhaft genommen und ins KZ Buchenwald überstellt.[4]

Gedenken

Seit den späten 1980er-Jahren erinnert eine Gedenktafel in der Hofstraße an die jüdische Gemeinde und die zerstörte Synagoge.[5] Die Inschrift lautet:

An dieser Stelle befand sich die Synagoge der jüdischen Gemeinde, die am 10.November 1938 gewaltsam zerstört wurde. Stadt Pattensen im Jahre 1986[6]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Herbert Obenaus (Hrsg.): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Göttingen 2005, S. 1260–1261.
  2. Synagoge Pattensen auf jewish-places.de. Abgerufen am 13. Dezember 2025.
  3. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1263–1265.
  4. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1265–1266.
  5. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1267.
  6. juedische-gemeinden.de. Abgerufen am 8. Dezember 2025.

Koordinaten: 52° 15′ 51,6″ N, 9° 45′ 35,9″ O