Synagoge Papenburg

Die Synagoge in Papenburg befand sich am Hauptkanal links 51 in Papenburg. Sie wurde 1887 eingeweiht und während der Novemberpogrome 1938 vollständig zerstört.

Geschichte

Die jüdische Gemeinde Papenburg entstand im Laufe des 19. Jahrhunderts und gründete 1863 eine eigene Synagogengemeinde. Da die Gemeinde nur über wenige wohlhabende Mitglieder verfügte, verzögerte sich der Bau einer Synagoge über viele Jahre. Erst 1887 konnte durch Spenden eines lokalen jüdischen Holzhändlers und eine Anleihe ein Neubau am Hauptkanal links 51 eingeweiht werden.[1]

Vor dem Neubau hatte die Gemeinde in einem älteren Gebäude auf demselben Grundstück Gottesdienste abgehalten. Das bisherige Haus wurde nach Fertigstellung der Synagoge weiter als jüdische Volksschule und als Lehrerwohnung genutzt. Dort existierte auch eine Mikwe.[2]

Die jüdische Gemeinde Aschendorf, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine eigene kleine Synagoge unterhielt, schloss sich der Papenburger Gemeinde endgültig an, nachdem ihr eigenes Gebäude 1909 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste. Von da an nahmen die Aschendorfer Juden ihre Gottesdienste ebenfalls in Papenburg wahr.[3]

Baubeschreibung

Die 1887 eingeweihte Synagoge war ein Backsteinbau. Das Gebäude war ein klar gegliederter, als Sakralbau erkennbarer Rechtecksaal mit hohem Satteldach, der sich durch seine Proportionen deutlich von den Nachbargebäuden abhob. Die langgestreckten Traufseiten wurden von einer Reihe regelmäßig gesetzter Rundbogenfenster geprägt, deren schlanke Form den sakralen Charakter des Innenraums unterstrich.[4]

Zerstörung im November 1938

Am Morgen des 10. November 1938 drangen SA-Männer in die Papenburger Synagoge ein, errichteten aus Fässern mit Pech und den Einrichtungsgegenständen im Innenraum einen Scheiterhaufen und legten Feuer. Es wurden zusätzlich noch mehrere Kanister Benzin benötigt, um das Gebäude zu zerstören. Auf dem obersten Teil des Brennstoßes wurden die sechs Thorarollen verbrannt. Die Feuerwehr griff nicht ein und suchte nur ein Übergreifen der Flammen auf andere Gebäude zu verhindern.[5]

Die Synagoge und das benachbarte Schulhaus wurden vollständig zerstört. Gleichzeitig wurden mehrere jüdische Wohn- und Geschäftshäuser verwüstet oder in Brand gesetzt. Die jüdischen Männer waren bereits zuvor in „Schutzhaft“ genomment worden. Sie wurden in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Die verbliebenen jüdischen Bewohner Papenburgs wurden bis 1942 deportiert. Mindestens 22 jüdische Mitbürger aus Papenburg wurden im Holocaust ermordet.[5]

Gedenken

Heute erinnert ein Gedenkstein am Hauptkanal links 60 an die jüdische Gemeinde und die Zerstörung der Synagoge. 1979 wurde am Standort des zerstörten Synagogengebäudes eine Gedenktafel angebracht.[6]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Herbert Obenaus, David Bankier, Daniel Fraenkel: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-753-5, S. 1251–1252.
  2. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1252
  3. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 118
  4. Siehe das erhaltene Luftbild von 1935, https://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/p-r/1553-papenburg-aschendorf-emsland-niedersachsen
  5. a b Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1258.
  6. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1259

Koordinaten: 53° 4′ 50,9″ N, 7° 23′ 31,6″ O