Synagoge Meppen

Die Synagoge in Meppen bestand von 1847 bis 1938 in der Straße Nagelshof 14 in der Stadt Meppen.

Geschichte

Die jüdische Gemeinde in Meppen lässt sich seit dem 18. Jahrhundert nachweisen. Bereits früh bestand ein eigener Betraum, der schließlich mit dem Bau einer Synagoge aufgegeben werden konnte. Die Synagoge wurde in der Straße Nagelshof 14 errichtet, drei Jahre nachdem die Synagogengemeinde Meppen 1844 eingerichtet wurde.[1]

Die Gemeinde erreichte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert ihre größte Ausdehnung. Neben der Synagoge bestanden weitere Einrichtungen wie eine Mikwe, eine jüdische Schule sowie der jüdische Friedhof, der bis in die Zeit des Nationalsozialismus genutzt wurde. Die jüdische Bevölkerung war bis 1933 aktiv in das gesellschaftliche Leben Meppens eingebunden.[2]

Baubeschreibung

Die Synagoge war ein massiver, klar gegliederter Baukörper. Das Vorderhaus, in dem der Betsaal untergebracht war, verfügte über einen quadratischen Grundriss. Ein hohes Satteldach überspannte den Betsaal. Die Fassaden waren durch hohe, regelmäßig angeordnete Rundbogenfenster gegliedert, die den Innenraum mit Tageslicht versorgten und den religiösen Charakter des Gebäudes nach außen sichtbar machten. Auf Ornamente wurde weitgehend verzichtet, die Gestaltung folgte einer schlichten, würdigen Architektursprache, wie sie für viele Synagogen kleiner und mittlerer Gemeinden typisch war. Im rechteckigen Hinterhaus waren die Schulräume untergebracht.[3]

Zerstörung

Im Verlauf der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge am Morgen des 10. November 1938 von der örtlichen SA unter Mitwirkung des NSDAP-Kreisleiters Josef Egert und der Anwesenheit des Bürgermeisters Hans Kraneburg verwüstet und anschließend in Brand gesetzt. Die Inneneinrichtung sowie Kultgegenstände wurden dabei zerstört. Die jüdischen Männer der Gemeinde wurden verhaftet, misshandelt und zum Teil in Konzentrationslager deportiert. Auch Häuser und Geschäfte der jüdischen Bevölkerung wurden demoliert.[4][5]

Die Ruine der Synagoge wurde nach den Pogromen abgerissen. Die verbliebenen jüdischen Mitbürger wurden gezwungen, bei den Abbrucharbeiten mitzuwirken. Das Grundstück ging in das Eigentum der Stadt Meppen über.[6]

Im Herbst 1946 wurden im sogenannten Synagogenprozess 28 Beschuldigte vor dem Landgericht Osnabrück angeklagt. Mehr als die Hälfte wurden mangels Beweisen freigesprochen. Die Verurteilten zeigten keine Schuldeinsicht und kamen mit milden Strafen davon, da es ihren Anwälten gelang, die Angaben der wenigen überlebenden Juden als unglaubwürdig und von Rachegedanken getrieben darzustellen. Josef Egert wurde wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung, der Zerstörung von Bauwerken, schweren Landfriedensbruchs sowie Freiheitsberaubung mit gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren Haft verurteilt.[5]

Erinnerung und Gedenken

Heute erinnert im Bereich des ehemaligen Standorts im Nagelshof ein Mahnmal an die zerstörte Synagoge und an die jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die Stadt Meppen verweigerte bis in das 21. Jahrhundert das Anbringen einer Tafel an der Nachfolgebebauung, mittlerweile ist vor dem Haus eine Stele errichtet.[7][8]

Der jüdische Friedhof in Meppen ist erhalten geblieben und stellt eines der wenigen noch sichtbaren Zeugnisse jüdischen Lebens in der Stadt dar.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Herbert Obenaus, David Bankier, Daniel Fraenkel: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89244-753-5, S. 1044–1045.
  2. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1044–1047.
  3. Vergleiche dazu eine erhaltene Skizze des Gebäudes und die Erläuterungen dazu auf juedische-gemeinden.de
  4. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1047–1048.
  5. a b Heinz Kleene: Der Umgang mit dem Nationalsozialismus in einer Kleinstadt: Das Beispiel des ehemaligen Bürgermeisters und späteren Stadtdirektors Dr. Hans Kraneburg aus Meppen. In: Veronika Jüttemann (Hrsg.): Helden und Außenseiter. Zur Geschichte des Nationalsozialismus in Westfalen nach 1956. Universitäts- und Landesbibliothek Münster, 2018, S. 674 f. (d-nb.info).
  6. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1048.
  7. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1049.
  8. Für das Mahnmal und die neuere Stele siehe juedische-gemeinden.de

Koordinaten: 52° 41′ 25,5″ N, 7° 17′ 23″ O