Synagoge Hoya
Die Synagoge Hoya befand sich von 1833 bis 1938 in der Deichstraße 31 in Hoya/Weser.
Geschichte
Juden sind in Hoya ab dem 18. Jahrhundert belegbar. Eine jüdische Gemeinde entstand im 19. Jahrhundert, 1833 wurde der Bau einer Synagoge in der Deichstraße 31 begonnen. Räume für den Schulunterricht waren angeschlossen. 1908 wurde die Synagoge renoviert.[1]
1921 umfasste die jüdische Gemeinde noch 36 Personen, hatte aber unter dem zunehmend antisemitischen Klima zu leiden. Bis 1933 und insbesondere in den Folgejahren war ein geregeltes Gemeindeleben kaum noch möglich.[2]
Baubeschreibung
Die Synagoge war ein freistehender, rechteckiger Backsteinbau in symmetrischer Anlage mit einer Breite von 12 Metern und einer Länge von 25 bis 30 Metern. Sie besaß ein hohes Satteldach mit traufständiger Ausrichtung.
Die Fassaden waren durch regelmäßig angeordnete, hohe Rundbogenfenster gegliedert, die den Sakralcharakter des Gebäudes deutlich erkennen ließen. An der Schauseite befand sich ein mittig angeordneter Haupteingang, der durch eine einfache Portalrahmung betont war. Der Giebel war klar proportioniert und zeichnete sich durch ein großes, halbkreisförmiges Fenster aus. Die Gestaltung folgte einer sachlichen, klassizistisch geprägten Architektursprache.
Der Innenraum war als hoher, einschiffiger Saal ausgeführt und wurde durch die großen Rundbogenfenster reichlich belichtet. Entlang der Längswände befanden sich Emporen für die Frauen, die von schlanken Säulen getragen wurden. Der Hauptraum war mit Holzbänken für die männlichen Gemeindemitglieder ausgestattet. An der Ostwand stand der Toraschrein, architektonisch hervorgehoben und axial auf den Raum bezogen. Davor befand sich ein Pult, die eigentliche Bima lag annähernd in der Raummitte.[3]
Zerstörung
Im Rahmen des Novemberpogroms 1938 zogen mehrere SA-Trupps durch Hoya. Am Morgen des 10. Novembers wurde die Synagoge in Brand gesetzt. Wohnungen und Geschäfte der jüdischen Mitbürger wurden demoliert. Die männlichen Juden Hoyas wurden verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht. Sie kamen erst nach mehreren Wochen wieder frei. Der Bürgermeister Hoyas, der sich gegen die Ausschreitungen verwahrte, wurde im Rathaus festgesetzt.[4]
Im März 1939 wurde das Synagogengrundstück an einen Privatmann verkauft.[5] Später entstanden darauf Garagen und eine Tankstelle.
Erinnerung und Gedenken
Am Standort der ehemaligen Synagoge wurde 1996 eine Informationstafel angebracht, die an das frühere jüdische Gotteshaus und die Gemeindemitglieder erinnert.[6] Im Sommer 2021 erfolgte eine Ausgrabung der Grundmauern zur Rekonstruktion der Synagoge. Die Grabung wurde vom Kommunalarchäologen Daniel Lau von der Schaumburger Landschaft mit Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern vorgenommen.[7]
Die Interessengemeinschaft Synagoge des Heimatmuseums Hoya bemüht sich um das Andenken an die jüdische Gemeinde. Sie betreibt zudem einen Treffpunkt im ehemaligen Geschäftshaus Trefurt, Deichstr. 3, in dem die Erinnerung an die jüdische Gemeinde und ihre Synagoge in regelmäßigen Veranstaltungen und durch eine Dauerausstellung lebendig gehalten wird.[8]
Siehe auch
Weblinks
- Interessengemeinschaft Synagoge des Heimatmuseums der Grafschaft Hoya
- Synagoge Hoya in der Mittelweser Region
- Hoya auf Pogrome 1938
- Hoya auf juedische-gemeinden.de
- Youtube-Kanal der IG Synagoge mit Rekonstruktionen und weiteren Inhalten
Einzelnachweise
- ↑ Herbert Obenaus, David Bankier, Daniel Fraenkel: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89244-753-5, S. 893–895.
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 896–897
- ↑ Die Baubeschreibung fußt auf den Rekonstruktionen auf den Seiten der IG Synagoge Hoya
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 897
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 898.
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 898
- ↑ Horst Friedrichs: Ausgrabungen auf dem Synagogengrundstück in Hoya: Kaiserlicher Knopf wieder aufgetaucht in Kreiszeitung vom 24. Juni 2021
- ↑ Website der IG Synagoge. Abgerufen am 16. Dezember 2025.
Koordinaten: 52° 48′ 30,8″ N, 9° 8′ 39,3″ O