Synagoge Holzminden
Die Synagoge in Holzminden befand sich in der Oberbachstraße in Holzminden unweit vom Torhaus. Sie wurde 1836–1838 errichtet und während der Novemberpogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört.
Geschichte
Eine jüdische Gemeinde ist in Holzminden ab dem 16. Jahrhundert nachweisbar. Ein erster Betraum war spätestens 1736 im Haus eines Gemeindemitglieds vorhanden. In den Jahren 1836 bis 1838 errichtete die Gemeinde eine Synagoge, eine Schule und eine Lehrerwohnung in der Oberbachstraße 53.[1]
Baubeschreibung
Die Synagoge war ein etwa 12,5 × 12,5 m großer Backsteinbau in einem schlichten, gotisierenden Stil. Die straßenseitige Giebelfront besaß einen markanten Treppengiebel. In der oberen Giebelzone befand sich ein rundes Fenster (Okulus) mit Maßwerk. Darunter zeigte sich ein hohes rundbogiges Portal. Die Fassade bestand aus unverputztem Ziegelmauerwerk und war zurückhaltend gestaltet.[2]
Der Innenraum war als Betsaal mit einer Frauenempore gestaltet. Zur Ausstattung gehörten Kronleuchter, silberne Schildornamente und eine silberne Krone als Schmuck für die Torarollen. Die Bima wurde aus den früheren Beträumen übernommenen.[3]
Die Synagoge war durch das Gemeindehaus mit Lehrerwohnung teilweise verdeckt.[3]
Zerstörung
Während der reichsweiten Novemberpogrome wurde die Synagoge in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 von der SA geplündert und verwüstet. Die Innenausstattung wurde auf dem Marktplatz verbrannt. Anwohner verhinderten ein Abbrennen der Synagoge, da sie Angst vor einem Übergreifen der Flammen hatten. Es wurde auch die Wohnung und das Geschäft einer jüdischen Mitbürgerin demoliert, wobei in den Morgenstunden des 10. Novembers eine Schulklasse zum Zuschauen bestellt wurde. Die verfallene Synagoge wurde 1968 abgetragen.[4]
Gedenken
Nahe dem ehemaligen Standort der Synagoge erinnern heute eine Gedenktafel und ein erhaltener Halbpfeiler an das zerstörte Gebäude und an die jüdische Gemeinde in Holzminden. Die Gedenktafel ist beschriftet mit:
„Pfeiler-Kapitellreste der 1837 erbauten und 1938 zerstörten, im Jahre 1968 abgebrochenen Synagoge — Denn mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völker – Jes. 56/7“[5][6]
Siehe auch
Weblinks
- https://pogrome1938-niedersachsen.de/holzminden/
- https://www.jewish-places.de/DE-MUS-975919Z/facility/42951423-f302-4895-b17c-d332fbf22fd9/Synagoge%20%20Holzminden%20Oberbachstra%C3%9Fe
- https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/h-j/940-holzminden-niedersachsen
- http://erinnernsuedniedersachsen.de/orte-h-m-holzminden-1.html
Einzelnachweise
- ↑ Herbert Obenaus, David Bankier, Daniel Fraenkel (Hrsg.): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, S. 873–880.
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, 876–877; vgl. auch die erhaltene Fotografie auf https://pogrome1938-niedersachsen.de/holzminden/
- ↑ a b Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, 877
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, 882–883.
- ↑ Holzminden – Erinnerungsorte Südniedersachsen. Abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, 883.
Koordinaten: 51° 49′ 42,3″ N, 9° 26′ 57,7″ O