Synagoge Goslar
Die Synagoge in Goslar befand sich in der Bäckerstraße 31 in Goslar.
Geschichte
Die jüdische Gemeinde Goslars nutzte zunächst kleinere Betstuben, ehe sie 1784 ein Wohn- und Geschäftshaus in der Bäckerstraße erwarb und darin eine Synagoge einrichtete. Der Betsaal befand sich im rechten Teil (Ansicht von der Bäckerstraße aus) des Gebäudes, in der linken Hälfte waren Lehrerwohnung und Schule untergebracht.[1]
Baubeschreibung
Das Gebäude der Synagoge in der Bäckerstraße war ein Teil eines langgezogenen Wohn- und Geschäftshauses und fügte sich vollständig in die dicht geschlossene Altstadtbebauung ein.
Es handelte sich um einen zweigeschossigen Bau in traditioneller Goslarer Fachwerkbauweise, wobei große Teile der Fassade mit Schieferplatten verkleidet waren. Der Bau stand traufständig zur Straße und besaß ein durchgehend eingedecktes Satteldach, das im Lauf der Gebäudelänge mehrere leichte Knicke und Höhenversätze aufwies, typisch für historisch gewachsene Altstadthäuser.
Der Bereich der Synagoge im rechten Gebäude verfügte über eine Reihe hoher, rundbogig geschlossener Sprossenfenster. Diese eng gereihten Fenster bildeten den markantesten architektonischen Hinweis auf den Betsaal, da sie sich deutlich von den kleineren rechteckigen Wohnhausfenstern der übrigen Gebäudeteile abhoben.
Im linken Gebäudeteil befanden sich dagegen deutlich kleinere, rechteckige Fenster sowie einfache Türöffnungen. Der Sockelbereich bestand aus grob behauenen Natursteinquadern, wie sie in Goslarer Altstadtbauten häufig zu finden sind.
Der Betsaal der Synagoge verfügte über ein Männer- und ein Frauenlokal, an der Decke hing ein zwölfarmiger Bronzeleuchter. An den Wänden befanden sich sechs hölzerne Wandleuchter. Das Mobiliar bestand aus einfachen Holzbänken. Der Toraschrein war ebenfalls aus Holz gefertigt und wurde mit einem Damastvorhang verschlossen. Auf dem Toraschrein befand sich eine Tafel mit den zehn Geboten und eine goldene Vase. Die Bima stand auf einer kleinen, beleuchteten Estrade. Zur liturgischen Ausstattung gehörten ein silbernes Toraschild, ein silberner Kelch sowie mehrere Leuchter. Dazu zählte ein Messingleuchter für das Ewige Licht und zwei weitere Messingleuchter, die an Chanukka verwendet wurden. Ein Schofar wurde in einem kleinen Holzkasten aufbewahrt.[2]
Zerstörung
In der Pogromnacht am 10. November 1938 drangen Angehörige der SA in die Synagoge ein und verwüsteten den Betsaal vollständig. Kultgegenstände wurden zerstört oder entwendet. Ein Brand wurde aufgrund der engen innerstädtischen Bebauung nicht gelegt, sodass das Gebäude selbst erhalten blieb. Auch Wohnungen und Geschäfte in jüdischem Besitz wurden verwüstet, es fanden zahlreiche Verhaftungen und tätliche Übergriffe, teils mit Todesfolge, statt.[3]
Nachkriegszeit und Gedenken
Nach 1948 bestand in Goslar keine eigenständige jüdische Gemeinde mehr. Zuvor hatte der Zuzug einiger jüdischer Flüchtlinge für eine kurze Wiederbelebung der Synagoge geführt. 1959 wurde das Gebäude abgerissen, da es baufällig war. Am Neubau in der Bäckerstraße erinnert eine Gedenktafel and die Synagoge und ihre Gemeinde. Außerdem sind eine weitere Gedenktafel am Trollmönch und ein Gedenkstein in der Stadt der jüdischen Gemeinde gewidmet.[4][5]
Siehe auch
Weblinks
- Goslar auf juedische-gemeinden.de
- Goslar auf jewish-places.de
- Goslar auf pogrome1938.de
- Audiowalk Goslar
- Goslar auf juedisches-niedersachsen.de
Einzelnachweise
- ↑ Herbert Obenaus (Hrsg.): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Göttingen 2005, S. 619–620.
- ↑ Für den gesamten Abschnitt Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 620; Vgl. außerdem die historischen Fotografien, bspw. auf https://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/e-g/754-goslar-niedersachsen
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 623.
- ↑ Station 6 – Synagoge Goslar. Abgerufen am 27. November 2025.
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 624–625.
Koordinaten: 51° 54′ 29,5″ N, 10° 25′ 44,9″ O