Synagoge Gleidingen
Die Synagoge in Gleidingen befand sich in der Thorstraße im Laatzener Stadtteil Gleidingen. Sie wurde 1837 errichtet und 1938 im Zuge der nationalsozialistischen Novemberpogrome zerstört.
Geschichte
Eine jüdische Gemeinde ist in Gleidingen seit dem späten 18. Jahrhundert nachweisbar. Nachdem der Vermieter des bis dahin genutzten Betraums der Gemeinde kündigte, wurde 1837 in der Thorstraße eine Synagoge mit einem angegliederten Schulraum errichtet. Eine Mikwe wurde dem Gelände 1847 hinzugefügt.[1] Mitte des 19. Jahrhunderts lebten rund 70 jüdische Einwohner im Ort, in den 1930er Jahren waren es noch etwa 30 Personen.[2]
Baubeschreibung
Das Gebäude war ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit dunkel abgesetztem Holzständerwerk und hellen Gefachen. Die Konstruktion wies eine regelmäßige, dicht gegliederte Fachwerkstruktur auf. Das steile Satteldach war mit kleinen Dachziegeln gedeckt. Der Sockelbereich bestand teilweise aus Backsteinmauerwerk. Ornamentale Elemente waren nicht vorhanden, der Bau zeigte eine schlichte, funktionale Gestaltung. Große Fenster an den Langseiten belichteten wahrscheinlich den Betraum.[3]
Zerstörung
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge von Mitgliedern der lokalen SA verwüstet, jedoch nicht in Brand gesteckt. Über den Verbleib der Ritualgegenstände und der Torarollen ist nichts bekannt. Fenster und Einrichtungen jüdischer Wohnhäuser im Ort wurden ebenfalls zerstört und einige jüdische Mitbürger verhaftet. Das Synagogengebäude wurde 1940 verkauft.[4] 1949 wurde es schließlich abgetragen.[5]
Gedenken
Am ehemaligen Standort befindet sich heute ein Gedenkstein mit Inschrift, der an die zerstörte Synagoge und die jüdische Gemeinde Gleidingens erinnert[6]:
Zur Erinnerung
an die jüdische Gemeinde Gleidingens und an die Synagoge,
die in der Thorstraße ihren Standort hatte.
Siehe auch
Weblinks
- https://pogrome1938-niedersachsen.de/gleidingen/
- https://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/e-g/733-gleidingen-niedersachsen
- https://www.laatzen.de/de/stadtgeschichte-gleidingen.html
- https://www.jewish-places.de/DE-MUS-975919Z/facility/bc81b43f-72c6-44eb-9fc8-1747f8e33f19/Synagoge%20%20Gleidingen%20Thorstra%C3%9Fe
- Johannes Dorndorf: Kulturring zeigt Ausstellung über jüdische Gemeinde in Gleidingen in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 23. November 2023
Einzelnachweise
- ↑ Herbert Obenaus, David Bankier, Daniel Fraenkel (Hrsg.): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, S. 612–613.
- ↑ Gleidingen – Pogrome 1938 in Niedersachsen. Abgerufen am 23. November 2025.
- ↑ Die Baubeschreibung beruht auf einer historischen Fotografie, vgl. https://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/e-g/733-gleidingen-niedersachsen
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 615.
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 616.
- ↑ Gleidingen aiuf juedische-gemeinden.de. Abgerufen am 25. November 2025.