Synagoge Gehrden
Die Synagoge in Gehrden befand sich am Steinweg 23 in Gehrden. Das Gebäude entstand 1850, wurde seit 1920 nicht mehr als Synagoge verwendet, während der Novemberpogrome 1938 verwüstet und gegen Ende der 1970er Jahre abgerissen.
Geschichte
Zunächst nutzte die jüdische Gemeinde Gehrdens einen Raum in einem älteren Hallenhaus als Betstätte.[1.1] Ein einfaches Bethaus in Gehrden wird erstmals 1837 erwähnt.[2] Mitte des 19. Jahrhunderts lebten in Gehrden neun jüdische Familien. Seit 1844 gehörten zum Synagogenbezirk Gehrden auch die Gemeinden Ronnenberg, Leveste, Wennigsen, Holtensen, Großgoltern, Landringhausen, Hohenbostel und Winninghausen.[2] Ab 1871 zudem Empelde und Holtensen.[3]
Im Herbst 1849 beschloss man auf Vorschlag des Kaufmanns Isaak Dammann den Bau einer Synagoge kombiniert mit einem Wohnhaus für den Lehrer und Vorbeter. Der Standort lag in der Nähe der Margarethenkirche auf einem Grundstück der Gehrdener Kämmerei. Die Hälfte der Kosten von 3000 Reichstalern sollte aus Beiträgen der Gemeindemitglieder aufgebracht werden.[2]
Synagoge
Am 3. Dezember 1850[2] wurde die neue Synagoge mit Mikwe im rückwärtigen Gebäudeteil geweiht.[1.1] Zum Inventar gehörten drei Exemplare der Thora, ein silbernes Gehänge, zehn Bänke, ein Pult und ein silberner Pokal.[2]
Die Synagoge war ein schlichter Backsteinbau mit einem rechteckigen Grundriss von etwa 10 × 11,5 Metern. Sie bildete den hinteren Gebäudeteil, abgeschirmt vom Straßenraum.[4] Die durch einen kleinen Sims in zwei Etagen gegliederte Fassade schloss bündig an das Vorderhaus an. An der Seite war eine rechteckige Tür, darüber und dahinter gab es drei Fensterachsen mit hohen Bogenöffnungen.[5]
Das nordwestliche Nachbarhaus war ein regionaltypischer Fachwerkbau mit einem großen Tor zur Straße. Diese sogenannte Poppenburg war eine ehemalige Seidenspinnerei, die später zu einem Wohnhaus umgebaut wurde. Das Gebäude verdeckte den Blick von der Straße auf die Synagoge.[6]
Jüdische Schule
Die Schule im vorderen Gebäudeteil war ein zweigeschossiges, sechsachsiges Backsteingebäude mit giebelständigem Halbwalmdach.[7]
Sie diente bis 1852 lediglich als Ergänzung zum Besuch der öffentlichen Volksschule. Von 1852 bis zu ihrer Auflösung 1882 war sie eine jüdische Volksschule. Die Schülerzahl sank, da viele Eltern im Zuge der Assimilierung den Besuch der öffentlichen Schule vorzogen.[2] Der Gebäudeteil diente später als Wohn- und Textilkaufhaus Dammann.[2] Wohl in den frühen 1910er Jahren wurde das Erdgeschoss mit Schaufenstern und angedeuteten Kolonnaden umgebaut sowie im Obergeschoss einige Fenster zugemauert.[8]
Die Straßenfront wurde mit hellen Steinquadern verblendet. Die Fassade im Obergeschoss ging mit Eckquaderung zu den Ziegelwänden der Seiten über. An der Gebäudeseite führte ein schmaler Durchgang zum Hinterhaus.[7]
Zerstörung
Mit dem Rückgang der jüdischen Bevölkerung ab dem späten 19. Jahrhundert verlor die Synagoge zunehmend ihre Funktion. Nach dem Ersten Weltkrieg verblieb in der Gemeinde kein Minjan mehr zur Abhaltung regelmäßiger Gottesdienste. 1920 stellte die Gemeinde die Nutzung ein, das Gebäude wurde anschließend als Wohn- und Lagerraum verwendet.[1.2]
Während der Novemberpogrome 1938 wurden das ehemalige Synagogengebäude und das daran angeschlossene Wohn- und Geschäftshaus verwüstet. SA-Männer und NSDAP-Parteimitglieder verwüsteten weitere jüdische Wohnungen und Geschäfte. Eine Reihe von Verhaftungen erfolgte, die Inhaftierten wurden schließlich ins KZ Buchenwald deportiert. Vermutlich aufgrund der dichten Bebauung im Umfeld und der Nähe zur Margarethenkirche wurde kein Brand gelegt. 1979 wurde das ehemalige Synagogengrundstück überbaut.[1.3]
Gedenken
1980 brachte die Stadt Gehrden an der Neubebauung eine Gedenktafel an, die an die zerstörte Synagoge und die jüdischen Einwohner erinnert.[1.4]
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Herbert Obenaus, David Bankier, Daniel Fraenkel: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89244-753-5.
- ↑ a b c d e f g Werner Fütterer: Die jüdische Gemeinde in Gehrden. In: Gehrden – Vom Flecken zur Großgemeinde, 2. erweiterte Auflage, Wiedenbeck-Fütterer, Gehrden 1991, S. 203–206.
- ↑ Gehrden auf juedische-gemeinden.de. Abgerufen am 30. November 2025.
- ↑ Werner Fütterer: Die jüdische Gemeinde in Gehrden. In: Gehrden: vom Flecken zur Großgemeinde. 1. Auflage, Gehrden 1976
- ↑ Beschreibung nach Foto in: Werner Fütterer: Die jüdische Gemeinde in Gehrden. In: Gehrden – Vom Flecken zur Großgemeinde, 2. erweiterte Auflage, Wiedenbeck-Fütterer, Gehrden 1991, S. 203.
- ↑ Auf einer erhaltenen Fotografie weitestgehend verdeckt durch das Nachbargebäude, die sogenannte Poppenburg, eine ehemalige Seidenspinnerei. Vgl. https://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/e-g/693-gehrden-niedersachsen
- ↑ a b Beschreibung nach Foto in: Werner Fütterer: Die jüdische Gemeinde in Gehrden. In: Gehrden – Vom Flecken zur Großgemeinde, 2. erweiterte Auflage, Wiedenbeck-Fütterer, Gehrden 1991, S. 205.
- ↑ vgl. Foto in Helmuth Temps: Gehrden bis 1980. www.gehrdener-ansichten.de, abgerufen am 29. November 2025.
Koordinaten: 52° 18′ 48,6″ N, 9° 36′ 2″ O