Synagoge Diepholz
Die Synagoge in Diepholz befand sich in der Mühlenstraße 5 in Diepholz. 1938 verwüstet, diente das Gebäude nach 1945 zeitweise jüdischen Displaced Persons als Betraum, bevor es in den 1950er Jahren abgerissen wurde.
Geschichte
Nachdem die jüdische Gemeinde zunächst einen Betraum zur Miete genutzt hatte, erwarb sie 1835 ein älteres Wohnhaus in der Mühlenstraße und richtete es als Synagoge ein. Neben dem Betsaal war im Gebäude auch eine kleine Gemeindeschule und eine Wohnung untergebracht. Die Thorarollen der Gemeinde waren im 19. Jahrhundert bereits 300 Jahre alt, außerdem 1 m hoch, sie hoben die Synagoge in der Ausstattung damit von vergleichbaren Orten in Niedersachsen ab. Die Synagoge wurde Anfang des 20. Jahrhunderts renoviert und erhielt u. a. neue Fenster.[1]
Baubeschreibung
Das zweigeschossige Fachwerkhaus verfügte über ein steiles, ziegelgedecktes Satteldach mit straßenseitigem Giebel. Im Fachwerk waren im Erdgeschoss vier gleichmäßig angeordnete Fenster sowie zwei größere Fenster im Obergeschoss vorhanden. Das Haus ähnelte äußerlich den benachbarten Fachwerk- und Wohnbauten, war also nicht als Sakralbau zu erkennen und fügte sich in die geschlossene Straßenbebauung ein.[2][3]
Zerstörung
Beim Pogrom im November 1938 wurde das gesamte Inventar zerstört und der Bau schwer beschädigt. SA Männer marschierten am Morgen des 10. November zur Synagoge, zerstörten die Fenster sowie die Inneneinrichtung und plünderten die Synagoge. Eine Schulklasse soll sich ebenfalls beteiligt haben. Einige Wohnungen und Geschäfte im Besitz von Juden wurden ebenfalls zerstört und alle Gemeindemitglieder wurden vorübergehend inhaftiert.[4] Auch der Jüdische Friedhof Diepholz wurde völlig zerstört und die Grabsteine als Material für den Straßenbau verwendet. Am 25. Juli 1942 meldete die „Diepholzer Kreiszeitung“ in ihrer Ausgabe: „Diepholz judenfrei!“
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nutzten jüdische Displaced Persons aus dem DP-Camp Belsen das Gebäude vorübergehend wieder als Betraum, wegen der unzureichenden Lebensbedingungen in Diepholz kehrten sie wieder ins Camp zurück.[5] Anfang der 1950er Jahre ging das Gebäude in Privatbesitz über, wurde wegen Baufälligkeit aufgegeben und schließlich abgerissen.[6]
Gedenken
Am ehemaligen Standort in der Mühlenstraße erinnert seit 1980 eine Gedenktafel an die jüdische Gemeinde und die zerstörte Synagoge.[7][8] Am 9. November 1997 wurde auf dem jüdischen Friedhof ein neues Mahnmal aus Fragmenten zerschlagener Grabsteine enthüllt. Seit 1979/1980 erinnern im Diepholzer Neubaugebiet die Fontheimstraße und die Robergstraße an die ehemaligen jüdischen Bewohner.[9]
Siehe auch
Weblinks
- Diepholz auf jewish-places.de
- Diepholz auf juedische-gemeinden.de
- Jüdische Geschichte Diepholz
- Diepholz auf Pogrome1938-niedersachsen.de
Einzelnachweise
- ↑ Herbert Obenaus, David Bankier, Daniel Fraenkel: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89244-753-5, S. 470–471.
- ↑ Synagoge Diepholz – Jewish Places. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Vgl. auch die erhaltene Fotografie auf https://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/c-d/132-diepholz-niedersachsen
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 475.
- ↑ Diepholz – Jewish DP Camp. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 476.
- ↑ Jüdische Geschichte Diepholz – Synagoge. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 476-477.
- ↑ Klaus-Dieter Alicke: Jüdische Gemeinde - Diepholz (Niedersachsen). Abgerufen am 30. November 2025 (deutsch).
Koordinaten: 52° 36′ 23″ N, 8° 22′ 9,6″ O