Synagoge (Herne)

Die Synagoge in Herne, einer Großstadt in Nordrhein-Westfalen, wurde 1910/11 errichtet. Die Synagoge stand an der Kreuzung Schaeferstraße und Hermann-Löns-Straße, früher Hohenzollernstraße.

Mit dem Wachsen der jüdischen Bevölkerung in Herne im allgemeinen Bevölkerungswachstum im Ruhrgebiet während der Industrialisierung wurde die Gemeinde in Herne 1889 selbstständig, und aus dem Bochumer Synagogenbezirk herausgelöst. Im selben Jahr wurde als Vorläufer der Synagoge in der Schulstraße eine jüdische Schule errichtet. Der Betsaal im Schulgebäude konnte am Samstag und an Feiertagen zu kultischen Zwecken genutzt werden. Nach einigen Jahren war der Bedarf nach einer Synagoge gewachsen.[1]

Die Synagoge wurde am 16. Juni 1911 durch den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Moritz Gans, eingeweiht. Sie ähnelte anderen westfälischen Synagogenbauten, wie z. B. in Münster oder Detmold.

Die jüdische Gemeinde in Herne konnte sich einen repräsentativen Bau leisten, wie die Einzelheiten des Neubaus in der Schäferstraße 32 zeigen: Der Zugang zur Synagoge erfolgte über eine Vorhalle mit einem Marmorbrunnen; die Portaltüren aus Eichenholz waren bronzebeschichtet und die Fenster waren bleiverglast. Hier wurde ein Rahmen geschaffen, der weit über das Maß der meisten westfälischen Synagogen hinausging. Zudem verfügte die Synagoge über eine ausgezeichnete Akustik, die häufig für weltliche Konzerte genutzt wurde. Im Erdgeschoss bot die Synagoge 196 Sitzplätze und auf der Empore weitere 138. In den Baukörper war ein etwa 40 m² großer Sitzungssaal integriert, der auch als Wochentagssynagoge genutzt werden konnte.[1]

Bereits im November 1936 kam es zu einer Zerstörungsaktion an der Synagoge. Um die 300 Butzenscheiben der Synagoge wurden durch Steine zerworfen. Der Schaden wurde im Januar 1937 behoben.[1]

Beim Novemberpogrom 1938 setzten Nationalsozialisten die Synagoge in Brand. Der Dachstuhl und die Innenräume brannten völlig aus. Die Herner Zeitung vermeldete, dass sich Tausende von Bürgern die Brandschatzung ansahen. Auch wenn die Zahlen übertrieben erscheinen, belegen Fotos im Stadtarchiv Herne eine beträchtliche Menschenmenge.[1]

Am 12. November 1938 verlangte der Oberbürgermeister von der Synagogengemeinde, „umgehend, spätestens am Montag, dem 14. November 1938, mit den Aufräumungsarbeiten zu beginnen und das Grundstück einzuebnen.“ Moritz Gans, der Vorsitzende des Vorstands der Synagogengemeinde, zeigte besonderen Mut, indem er am selben Tag antwortete: „Ich kann Ihrer Aufforderung vom 12.11.38 leider nicht sofort Folge leisten, da ich mit meinen bald 74 Jahren und meinem heruntergekommenen Gesundheitszustand der Ruhe bedarf. Bitte setzen Sie sich jetzt dieserhalb mit Herrn Dr. Wertheim, z. Zt. in Schutzhaft, hier, in Verbindung.“ Die städtischen Baubehörden hielt am 29. April 1940 fest: „Die Synagoge ist abgebrochen, das Grundstück verkauft.“[1]

Heute erinnern ein Gedenkstein der Stadt Herne von 1963, und eine Gedenktafel, gestiftet von dem CVJM Herne, an den ehemaligen Standort der Synagoge.

Nach der Schoa kehrten einige wenige Überlebende nach Herne zurück. Gottesdienste fanden in einer Wohnung in der Schäferstraße statt.[1] Wegen der geringen Mitgliederzahl schlossen sich 1953 die Gemeinden Herne, Bochum und Recklinghausen zu einer Kultusgemeinde zusammen, deren Gemeindeleben überwiegend in Recklinghausen stattfand, wo 1955 eine Synagoge eingeweiht wurde. Seit 1999 gehört Herne zu der Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen, welche 2007 eine neue Synagoge eröffnete.

Siehe auch

Literatur

  • Klaus-Dieter Alicke: Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum. Band 2: Großbock – Ochtendung. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2008, ISBN 978-3-579-08078-9 (Online-Ausgabe).
  • Elfi Pracht-Jörns: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil V: Regierungsbezirk Arnsberg. (=Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen, Band 1.3) J.P. Bachem Verlag, Köln 2005, ISBN 3-7616-1449-7, S. 178–187 und Abbildungen S. 116–123. (nicht ausgewertet)
  • Manfred Hildebrandt: Ortsartikel Herne. In: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Arnsberg. Herausgegeben von Frank Göttmann, Münster 2016, S. 443–451 Online-Fassung der Historischen Kommission für Westfalen.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Günter Birkmann, Hartmut Stratmann, Thomas Kohlpoth: Bedenke vor wem Du stehst. 300 Synagogen und ihre Geschichte in Westfalen und Lippe. 1. Auflage. Klartext-Verlag, Essen 1998, ISBN 3-88474-661-8, S. 71.

Koordinaten: 51° 32′ 29″ N, 7° 13′ 36,1″ O