Swetlana Anatoljewna Anochina
Swetlana Anatoljewna Anochina (russisch Светлана Анатольевна Анохина) ist eine dagestanische Journalistin und Menschenrechtlerin, die als Chefredakteurin des nordkaukasischen Online-Mediums Daptar bekannt wurde.[1] Sie ist Mitgründerin der 2020 entstandenen Unterstützungsinitiative Marem für von Gewalt bedrohte Frauen im Nordkaukasus.
Leben
Anochina stammt aus dem russischen Nordkaukasus (Republik Dagestan) und arbeitet seit vielen Jahren journalistisch, zuletzt als Chefredakteurin von Daptar.[2] Im Juli 2020 erhielt sie telefonisch Morddrohungen, woraufhin internationale Organisationen einen wirksamen Schutz forderten.[1] Nach der am 10. Juni 2021 erfolgten Zerschlagung einer von Marem genutzten Schutzwohnung durch Sicherheitskräfte verließ sie im selben Jahr Russland und lebt seither im Exil.[3] Am 18. April 2023 wurde gegen sie ein Strafverfahren wegen angeblicher „Diskreditierung“ der russischen Streitkräfte im Zusammenhang mit Beiträgen in den sozialen Medien eingeleitet.[4] Im August 2023 durchsuchte die Polizei ihre Wohnung in Machatschkala, während Angehörige anwesend waren; die Maßnahme stand im Zusammenhang mit den Ermittlungen.[5]
Wirken
Als Chefredakteurin baute Anochina Daptar zu einer seit 2014 bestehenden Plattform aus, auf der Frauen aus dem Kaukasus ihre Erfahrungen schildern und sich mit Fragen des kaukasischen Feminismus befassen.[2] Ihre Berichterstattung zu Frauenrechten und die offene Kritik an patriarchalen Gewaltstrukturen trugen zur öffentlichen Debatte in Dagestan bei und machten sie zugleich zur Zielscheibe von Anfeindungen.[6] Sie war Mitgründerin der freiwilligen Hilfsgruppe Marem, die Frauen aus Dagestan und anderen Republiken des Nordkaukasus bei Evakuierung, Unterbringung sowie rechtlicher und psychologischer Unterstützung hilft. Sie veröffentlichte die Fotoband- und Essayreihe Byl takoi gorod: Machatschkala und Byl takoi gorod: Derbent (‚Es gab einmal eine Stadt: …‘), die sich mit Geschichte und Alltagskultur dagestanischer Städte befasst.[7] Sie erläutert die Besonderheiten von Feminismus und Frauenrechten im Nordkaukasus.[8] Ihre Arbeit und die Tätigkeit von Daptar fanden internationalen Widerhall in Hintergrundberichten über Frauenrechte im Nordkaukasus.[9]
Einzelnachweise
- ↑ a b Journalist from Dagestan, Russia threatened with death in a phone call. In: Committee to Protect Journalists. 27. Juli 2020, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
- ↑ a b Daptar: A Dagestani website to discuss women’s issues. In: Institute for European, Russian, and Eurasian Studies (GWU) – The Russia Program. Abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
- ↑ N°114/2023 – Journalist Svetlana Anokhina Charged with Discrediting Russian Armed Forces. In: Council of Europe – Platform to promote the protection of journalism and safety of journalists. 18. April 2023, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
- ↑ Daghestani Activist Accused Of Discrediting Russia's Military. In: Radio Free Europe/Radio Liberty. 18. April 2023, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
- ↑ Police In Daghestan Search Apartment Of Self-Exiled Rights Defender Accused Of Discrediting Russia's Armed Forces. In: Radio Free Europe/Radio Liberty. 15. August 2023, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
- ↑ Svetlana Anokhina — ‘The shame of Daghestan’. In: OC Media. 18. März 2021, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
- ↑ Svetlana Anokhina. In: Caucasian Knot. 1. März 2017, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
- ↑ Do Women Want to “Keep Their Place?” In: Posle Media. 5. März 2023, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
- ↑ The shame of Dagestan. In: New Eastern Europe. 3. Februar 2021, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).