Susanne Bock

Susanne Bock (geb. Hakl, auch Hackl, * 13. Mai 1920 in Wien; † 30. Juli 2022 ebd.) war eine österreichische Sprachwissenschaftlerin und Zeitzeugin.

Leben

Susanne Bock stammte aus einem jüdisch-akkulturierten Elternhaus und wuchs bei ihrer Mutter Rosa Hakl auf. Bereits in der Volksschule war sie Mitglied der Kinderfreunde, 1932 schloss sie der sozialistischen Jugendorganisation „Rote Falken“ an. Nach dem Verbot der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs (SDAP) 1934, engagierte sie sich im Widerstand gegen das austrofaschistische Regime. Ende April 1936 (wenige Tage vor ihrem 16. Geburtstag) wurde sie im Gefangenenhaus auf der Elisabethpromenade einige Tage inhaftiert.[1]

Im April 1938, einen Monat nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland, musste sie die Schule verlassen. In einer provisorischen Schule für jüdische Schüler im 20. Wiener Gemeindebezirk konnte sie im Juni 1938 maturieren. Weil die Beziehung zu ihrem Freund Wolfgang Bock, der als „Arier“ definiert wurde, verboten war, musste sich das Paar heimlich treffen.

Als polizeibekannte Aktivistin ergriff Bock die Flucht und erreichte England über Italien und Frankreich im Februar 1939. Nach dem Novemberpogrom 1938 gelang auch ihrer Mutter die Flucht nach England. Im britischen Exil absolvierte sie eine Ausbildung als „Nurse trainee“ in Surrey und anschließend in Bristol. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Bock aus Bristol ausgewiesen und nach Llangollen gebracht. Dort lernte sie den Tschechoslowaken Ivan Lipscher kennen, den sie 1940 heiratete. Nachdem ihr Mann eingerückt war, übersiedelte sie zu ihrer Mutter nach Oxford. Dort arbeitete sie als Fabriksarbeiterin und besuchte einen Kurs für Physik und Chemie, der ihr zu einer Stelle als chemische Laborantin verhalf. Sie nahm regelmäßig an Treffen des „Austrian Centre“ teil, der kommunistisch geführten Dachorganisation der Exilösterreicher.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 übersiedelte sie gemeinsam mit Lipscher in die Tschechoslowakei, verließ ihren Mann aber wenig später und kehrte Anfang 1946 nach Wien zurück, wo sie schließlich ihren Jugendfreund Bock heiratete. 1954 wurde der gemeinsame Sohn Peter geboren. Von dem Tod ihres Vaters, der im Todeslager Maly Trostinec ermordet wurde, erfuhr sie erst nach Kriegsende.

Ihre Fremdsprachenkenntnisse verhalfen ihr zu einer Anstellung als Lektorin bei der britischen Nachrichtenagentur. 1978 nahm sie das Studium der Angewandten Linguistik und Anglistik an der Universität Wien auf, das sie 1993 mit der Promotion abschloss.

Bock forderte, die Exilerfahrungen auch jener Menschen zu erforschen, die nicht berühmt geworden waren, aber prägende Rollen im Exil spielten. 2011 wurde sie Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung. Bock verfasste mehrere autobiografische Bücher und trat häufig als Zeitzeugin auf.[3]

Schriften

  • Mit dem Koffer in der Hand. Leben in den Wirren der Zeit 1920–1946. Wien: Passagen 1999.
  • Heimgekehrt und fremdgeblieben. Eine alltägliche Geschichte aus Wien 1946 bis 1954. Strasshof: Vier-Viertel-Verlag 2003.
  • Peter sprang und Pjotr überlebt. Geschichte einer Integration. Wien: Morawa 2017.
  • Was nicht vergessen werden soll. Mit einem Nachwort von Julia Brandstätter und Peter Bock. Wien: Österreichische Kinderfreunde Bundesorganisation 2023.

Literatur

  • Sonja Frank (Hg.): Young Austria. Österreicher im britischen Exil 1938–1947. Theodor Kramer Gesellschaft: Wien 2014, S. 76–80.

Einzelnachweise

  1. Alexia Weiss: "Das ist nicht vorbei. Das geht nicht." In: wina Magazin. Juni 2020, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  2. Marietta Bearman: Wien - London, hin und retour: das Austrian Centre in London 1939 bis 1947. Czernin, Wien 2004, ISBN 3-7076-0165-X.
  3. Theresa Dirtl: Erzählungen aus der Vergangenheit, Vorbilder für die Zukunft. In: Rudolphina. 9. November 2020, abgerufen am 5. Dezember 2025.