Sunfire SE

Sunfire SE
Rechtsform Europäische Gesellschaft
Gründung 2010
Sitz Dresden, Deutschland
Leitung Nils Aldag (CEO und Mitbegründer)
Mitarbeiterzahl 643[1]
Umsatz 27,9 Mio. EUR[1]
Branche Cleantech
Website www.sunfire.de
Stand: 31. Dezember 2024

Sunfire SE ist ein in Dresden ansässiges Unternehmen, das industrielle Elektrolyseanlagen für die Erzeugung von grünem Wasserstoff entwickelt und herstellt. Heute gilt das 2010 gegründete Unternehmen als einer der führenden Anbieter von Großelektrolyseuren in Europa.[2]

Geschichte

Sunfire wurde 2010 in Dresden von den Ingenieuren Nils Aldag, Christian von Olshausen und Carl Berninghausen, die zuvor an der Entwicklung alternativer Kraftstoffe geforscht hatten, als Start-up gegründet.[3] Bereits 2011 erfolgte der Erwerb der Dresdner Staxera GmbH, um Festoxid-Brennstoffzellentechnologie in die Hochtemperaturelektrolyse weiterzuentwickeln.[4] 2014 nahm Sunfire in Dresden die weltweit erste industrielle Power-to-Liquids-(PtL-)Anlage zur Synthese von E-Kraftstoffen (Kapazität etwa 1 Barrel pro Tag) in Betrieb. Ein Jahr später validierte das Unternehmen erfolgreich den ersten industriellen Prototypen eines SOEC-Elektrolyseurs und errichtete ein eigenes SOEC-Kompetenzzentrum für Elektroden und Stack-Keramik in Dresden.[3]

Mit dem Trend zu grünem Wasserstoff verlagerte Sunfire 2020 seinen Fokus noch stärker auf die industrielle Wasserstoff-Elektrolyse. An der Führungsspitze kam es gleichzeitig zu einem Wechsel, da Carl Berninghausen die Rolle als Geschäftsführer an Nils Aldag übergab und in den Aufsichtsrat wechselte. 2021 erwarb das Unternehmen das Schweizer Alkalielektrolyse-Unternehmen IHT SA (Monthey) und integrierte damit alkalische Druckelektrolysetechnologie in sein Portfolio.[3][4] Im selben Jahr kam die MTV NT GmbH in Solingen zum Konzern, einem der globalen Marktführer in funktionalen Oberflächenbeschichtungen für große Bauteile, um die Fertigung großer Elektrolysekomponenten intern auszubauen.[3]

Im Jahr 2022 erzielte Sunfire mit einem SOEC-Elektrolyseur im EU-Forschungsprojekt GrInHy2.0 einen Wirkungsgrad-Weltrekord von 84 % (LHV AC). Außerdem wurde das zu diesem Zeitpunkt größte alkalische Elektrolysegerät Europas (Einzel-Stack, 201 kW) beim Handelsunternehmen MPREIS in Betrieb genommen, und erste Großaufträge im zweistelligen Megawattbereich folgten (z. B. von RWE).[3] Im März 2023 begann in Solingen die Serienfertigung von Elektrolysemodulen; geplant ist eine Ausweitung der Produktionskapazität auf das Gigawatt-Jahresniveau.[5] Im August 2023 erhielt Sunfire 162 Millionen Euro an staatlichen Fördergeldern, woran sich das Land Sachsen mit 30 Prozent beteiligte. Der Förderbescheid wurde von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig übergeben.[2]

Im Jahr 2024 sicherte sich Sunfire über eine Finanzierungsrunde (Series E) 215 Millionen Euro zusätzliches Kapital und gewann ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) über bis zu 100 Millionen Euro und hatte zudem Anspruch auf weitere 200 Millionen Euro an Fördergeldern.[6] Zugleich wurde der Geschäftsbereich Brennstoffzellen unter der Marke Sunfire Fuel Cells ausgegliedert, um sich voll auf das Kerngeschäft Elektrolyse zu konzentrieren.[3] Im April 2025 wurde das Unternehmen zudem mit Unterstützung der Kanzlei Kirkland & Ellis von einer GmbH in eine Societas Europaea (SE) umgewandelt.[7][8]

Produkte und Technologie

Sunfire bietet modulare Industrieelektrolyseure zur Herstellung von Wasserstoff aus erneuerbarem Strom. Das Portfolio umfasst insbesondere alkalische Druck-Elektrolyseure und Hochtemperatur-Festoxid-Elektrolyseure (SOEC).[9][7] SOEC-Anlagen arbeiten bei hohen Temperaturen (≈800 °C) mit Wasserdampf – oft Abwärme aus Industrieprozessen – und erzielen so sehr hohe Wirkungsgrade. Die alkalischen Elektrolyseure von Sunfire sind druckfest (bis mehrere Dutzend Bar) und gelten als ausgereifte Technologie für großindustrielle Anwendungen.

Sunfire betrieb früher auch eine PtL-Anlage zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe und entwickelte Festoxid-Brennstoffzellen, hat diese Geschäftsbereiche aber ausgegliedert. Seit 2024 fokussiert sich das Unternehmen vollständig auf die industrielle Elektrolysetechnologie.[3]

Unternehmensprofil

Sunfire SE (vormals Sunfire GmbH) hat ihren Hauptsitz in Dresden. Produktions- und Entwicklungsstandorte befinden sich in Dresden sowie in Solingen (Nordrhein-Westfalen). Der frühere Produktionsstandort Monthey in der Schweiz (aus der IHT-Übernahme) wurde bis 2024 geschlossen und nach Deutschland verlegt.[10] Sunfire liefert Anlagen europaweit; 2024 stellte das Unternehmen etwa den ersten großen Elektrolyseur in Finnland auf und wurde als Ausrüster für ein Großprojekt in Tampere ausgewählt.[6]

Mit über 650 Mitarbeitenden (2025) gehört Sunfire zu den größeren Anbietern im Wasserstoffbereich.[11] Zu den Investoren gehören u. a. der Schweizer Konzern Nestlé (der auch Partner ist[12]), TotalEnergies[9], die Liechtensteiner LGT Group[2] und der Klimafonds von Amazon.[13] Der Auftragsbestand lag Ende 2025 bei rund 800 MW und bis 2030 ist die Installation mehrerer Gigawatt an Elektrolyseuren geplant.[3]

Einzelnachweise

  1. a b Konzernabschluss der Sunfire SE zum Geschäftsjahr vom 01.01.2024 bis zum 31.12.2024, eingesehen auf unternehmensregister.de
  2. a b c dpa: Energie: Wasserstoff-Start-up Sunfire sichert sich 315 Millionen Euro. In: Die Zeit. 5. März 2024, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 20. Dezember 2025]).
  3. a b c d e f g h Über Sunfire ▶ Anbieter für Wasserstoff-Technologie. Abgerufen am 20. Dezember 2025.
  4. a b Sunfire entwickelt Elektrolyseure zur Wasserstoff-Erzeugung für die Industriewende – mit Ansys und INNEO - INNEO Solutions. Abgerufen am 20. Dezember 2025.
  5. Electrolyser pioneer Sunfire launches serial production | Renewable Hydrogen Coalition. Abgerufen am 20. Dezember 2025.
  6. a b Sunfire Jahresrückblick 2024 | Sunfire. Abgerufen am 20. Dezember 2025.
  7. a b Kirkland Advises Sunfire on Conversion into European Stock Corporation (SE) | News | Kirkland & Ellis LLP. Abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
  8. Wasserstoff-Markt:Sunfire vollzieht Umwandlung in Europäische Aktiengesellschaft (SE). Abgerufen am 20. Dezember 2025 (deutsch).
  9. a b Germany's Sunfire receives fresh investment for electrolyser production Reuters
  10. Contact Sunfire ▶ Green Hydrogen Production Experts. Abgerufen am 20. Dezember 2025.
  11. Sophia Jenke: „Selbst wenn wir nur 30 Prozent des prognostizierten H2-Marktes realisieren, bleibt ein gigantisches Potenzial”. In: H2-news.de. 25. April 2025, abgerufen am 20. Dezember 2025.
  12. Sunfire gewinnt Neste als Investor und industriellen Partner für Power-to-X-Lösungen | Sunfire. Abgerufen am 20. Dezember 2025.
  13. Steffen Bosse: Amazons Klimafonds investiert in Dresdener Wasserstoff-Startup. In: Business Insider. 15. Juli 2022, abgerufen am 20. Dezember 2025.