Sueo Serisawa

Sueo Serisawa (japanisch 芹沢 末雄; * 10. April 1910 in Yokohama, Japan; † 16. Januar 2004 in San Diego, Kalifornien) war ein japanisch-amerikanischer Maler, Grafiker, Dokumentarfilmer und Kunstpädagoge. Er gehörte zur ersten japanischen Einwanderergeneration in den USA (Issei) und war seit den 1930er-Jahren ein aktiver Teilnehmer der südkalifornischen Kunstszene.[1]

Leben

Sueo Serisawa wurde 1910 in Yokohama geboren. Sein Vater, Yoichi Serisawa, war Maler und Schüler des Kanō-Schulmeisters Hashimoto Gahō an der Japanischen Akademie der Künste (Tokioter Kunstakademie). Auf Veranlassung des Vaters begann die frühe künstlerische Ausbildung des Sohnes. 1918 emigrierte die Familie zunächst nach Seattle (Washington) und 1921 weiter nach Long Beach (Kalifornien). Dort besuchte Sueo Serisawa die Long Beach Polytechnical High School und erhielt künstlerische Förderung durch den Kunstlehrer George Barker. Der Vater unterhielt die Familie als Kalligraf und Gebrauchsgrafiker, starb jedoch 1927 an Lungenkrebs. Daraufhin kehrte die Mutter nach Japan zurück und ließ die Söhne Sueo und Ikuo in Kalifornien zurück. Nach dem Highschool-Abschluss im Jahr 1932 studierte Sueo Serisawa am Otis Art Institute in Los Angeles bei dem realistischen Maler Alexander Brook. Sein Bruder Ikuo wandte sich der Fotografie und dem Film zu.[1]

1934 produzierten die Brüder gemeinsam den dokumentarisch angelegten Stummfilm Nisei Parade.[2] Der Film zeigte Alltagsszenen aus der japanisch-amerikanischen Gesellschaft Südkaliforniens, darunter Gemüsefelder, Märkte, das Leben in Hotels und Hafenanlagen. Der Film hatte englische und japanische Zwischentitel. In den Hauptrollen waren junge japanisch-amerikanische Darstellerinnen und Darsteller zu sehen, darunter später auch die Ehefrauen beider Brüder. Eine Preview fand im Dezember 1934 im Miyako Hotel statt, die Premiere folgte 1935. Im selben Jahr wurde der Film auf einer Vorführreise in Nordkalifornien gezeigt und von Filmfachleuten aus Hollywood, darunter Fritz Lang, für seine fotografische Qualität gelobt. 1935 erhielt er eine ehrenvolle Erwähnung bei den ASCE Amateur Movie Awards. Die einzige Kopie des Films gilt als verschollen. Am 18. Oktober 1937 heiratete Serisawa Mary Tanaka, eine der Darstellerinnen des Films. Ihre Tochter Susan Eiko wurde am 25. Februar 1941 geboren. Ab 1937 errang Sueo Serisawa größere Aufmerksamkeit in der südkalifornischen Malerszene. Seine erste Einzelausstellung fand in Long Beach statt. Sein Gemälde Backstreet, das eine Szene aus Little Tokyo zeigt, gewann den ersten Preis beim Laguna Beach Art Salon und erhielt eine ehrenvolle Erwähnung auf der Pomona County Fair.[1]

In den Jahren 1939 und 1940 wurde Sueo Serisawa mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Award of Honor der Foundation of Western Art. Besonders hervorgehoben wurde das Gemälde Nine O’Clock News, das am Tag des deutschen Überfalls auf Polen entstand. Im Jahr 1940 erhielt Sueo Serisawa die Medaille der Western Foundation of Arts als vielversprechendster junger Künstler Südkaliforniens. Zu dieser Zeit erhielt Serisawa auch Porträtaufträge von Arthur Freed (MGM), darunter Gemälde von Judy Garland und Ann Sothern.[1]

Am 7. Dezember 1941, dem Tag des Angriffs auf Pearl Harbor, wurde seine Ausstellung im Los Angeles Museum eröffnet. Nach dem Erlass der Executive Order 9066 mussten Serisawa, seine Frau und ihr neugeborenes Kind Kalifornien verlassen, um der Internierung zu entgehen.[2] Die Familie zog zunächst nach Colorado, wo 1942/43 die zweite Tochter Margaret geboren wurde, und später nach Chicago. Serisawa studierte kurz am Art Institute of Chicago. Sein Bruder Ikuo gründete in Chicago ein Fotostudio, bevor er nach New York zog. Auch Sueo Serisawa ging später nach New York, wo er Kontakte zu Künstlern wie Yasuo Kuniyoshi pflegte. Im Jahr 1945 nahm er an einer Ausstellung japanisch-amerikanischer Künstler in der Boston Public Library teil. Dabei wurden sowohl Arbeiten aus Internierungslagern als auch Werke von Künstlern der Ostküste präsentiert. 1947 kehrte Serisawa nach Los Angeles zurück und arbeitete mit der Dalzell Hatfield Gallery zusammen. Lehrtätigkeiten übernahm er u. a. an folgenden Institutionen: Canaday Institute of Art (1948–1950), Claremont College (1948), Scripps College (1950–1951).[1] Sueo Serisawa erhielt 1953 die US-Staatsbürgerschaft. 1955 reiste er mit dem Aquarellisten Millard Sheets erstmals seit seiner Kindheit wieder nach Japan. Die Eindrücke dieser Reise führten zur Entwicklung seiner sogenannten Zen-Malerei, einer Verbindung abstrakter Malerei mit traditionellen japanischen Formen. 1958 restaurierte er das Teehaus im japanischen Garten der Huntington Library. In den 1960er- und 1970er-Jahren wandte er sich zunehmend traditionellen japanischen Medien zu: Sumi-e-Malerei, Kalligrafie, Farbholzschnitt, Arbeiten mit Gold- und Silbergrund. Mitte der 1970er-Jahre zog Serisawa nach Idyllwild in Kalifornien und schuf dort Werke mit naturbezogenen Motiven, in die er Aquarell- und Sumi-e-Techniken integrierte.[1]

Literatur

  • Gordon H. Chang, Mark Dean Johnson, Paul J. Karlstrom (Hrsg.): Asian American Art: A History, 1850–1970.Stanford University Press, Stanford 2008.
  • Judson Davis: Sueo Serisawa Retrospective Exhibition Catalogue. Japanese American Cultural and Community Center, Los Angeles 2000.
  • Arthur Millier: Sueo Serisawa: An Account of the Inner Development of a Young American Painter. In: American Artist, Juni 1950.
  • Greg Robinson: Sueo and Ikuo Serisawa’s Lifelong Dedication to the Arts. In: Nichibei Weekly, 1. Februar 2018.
  • Jeffrey Wechsler (Hrsg.): Asian Traditions / Modern Expressions: Asian American Artists and Abstraction 1945–1970. Abrams / Jane Voorhees Zimmerli Art Museum, Rutgers University, 1997.
  • Wind in the Pines: Serisawa’s Poetry in Painting. Dokumentarfilm, Japanese American Cultural and Community Center / Naljoropa Productions, 2000.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Sueo Serisawa | Densho Encyclopedia. Archiviert vom Original am 12. August 2025; abgerufen am 17. November 2025 (englisch).
  2. a b Nichi Bei News: THE GREAT UNKNOWN AND THE UNKNOWN GREAT: Sueo and Ikuo Serisawa’s lifelong dedication to the arts | Nichi Bei News. In: Nichi Bei News. 2. Februar 2018 (nichibei.org [abgerufen am 17. November 2025]).