Sturmanit
| Sturmanit | |
|---|---|
| Gelber Sturmanitkristall (Größe: 2 cm) auf kleinen, weißgelben Ettringiten aus der N'Chwaning Mine, Kuruman, Kalahari, Südafrika | |
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1981-011[1] |
| IMA-Symbol |
Strm[2] |
| Chemische Formel | Ca6Fe3+2[(OH)12|B(OH)4|(SO4)2]·25H2O[3] |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfate (und Verwandte, siehe Klassifikation) |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VI/D.13-050 7.DG.15 32.04.04.02 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | trigonal |
| Kristallklasse; Symbol | ditrigonal-pyramidal; 3m[4] |
| Raumgruppe (Nr.) | P31c[5] (Nr. 159) |
| Gitterparameter | a = 11,188 Å; c = 21,91 Å[5][4] |
| Formeleinheiten | Z = 2[5][4] |
| Häufige Kristallflächen | {1010}, {1014}, {1124}[6] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2,5 |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 1,847; berechnet: 1,855[6] |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {1010}[6] |
| Bruch; Tenazität | spröde |
| Farbe | gelb, gelblichgrün, orangebraun bis grünlichbraun |
| Strichfarbe | hellgelb |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Glanz | Glasglanz, schwacher Fettglanz auf Bruchflächen |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nω = 1,499 bis 1,500 nε = 1,497 bis 1,505[7] |
| Doppelbrechung | δ = 0,002[7] |
| Optischer Charakter | einachsig wechselnd |
Sturmanit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“. Er kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca6Fe3+2[(OH)12|B(OH)4|(SO4)2]·25H2O[3].
Sturmanit ist durchsichtig bis durchscheinend und entwickelt meist hexagonale, dipyramidale Kristalle mit tafeligem bis prismatischem Habitus. Unverletzte Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, Bruchflächen dagegen eher einen schwachen Fettglanz.
Etymologie und Geschichte
Erstmals entdeckt wurde Sturmanit in der „Black Rock Mine“ auf den Manganfeldern der Kalahari in Südafrika und beschrieben 1983 durch Donald R. Peacor, Pete J. Dunn und Marjorie Duggan. Sie benannten das Mineral nach dem slowenisch-kanadischen Mineralogen Bozidar Darko Sturman (* 1937), um seine Beiträge zur systematischen Mineralogie, insbesondere seine Studien über die Phosphatminerale aus dem Yukon und seine Verfeinerung der Methoden in der optischen Mineralogie zu ehren.
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Sturmanit noch nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/D.13-050. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate, mit fremden Anionen“, wo Sturmanit zusammen mit Bentorit, Buryatit, Carrarait, Charlesit, Ettringit, Hielscherit, Jouravskit, Kottenheimit, Tatarinovit und Thaumasit die „Ettringitgruppe“ mit der Systemnummer VI/D.13 bildet.[8]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[9] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Sturmanit in die Klasse der „Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ und dort in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit großen bis mittelgroßen Kationen; mit NO3, CO3, B(OH)4, SiO4 oder IO3“ zu finden, wo es zusammen mit Bentorit, Birunit, Buryatit, Carrarait, Charlesit, Ettringit, Jouravskit und Thaumasit die „Ettringitgruppe“ mit der Systemnummer 7.DG.15 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Sturmanit die System- und Mineralnummer 32.04.04.02. Das entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Zusammengesetzte Sulfate“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Zusammengesetzte Sulfate (wasserhaltig) mit polyanionischer Formel“ in der „Charlesitgruppe“, in der auch Charlesit, Jouravskit, Thaumasit und Carrarait eingeordnet sind.
Bildung und Fundorte
Sturmanit bildet sich sekundär in Hohlräumen von metamorphisierter, sedimentärer Mangan-Lagerstätten. Als Begleitminerale treten unter anderem Baryt, Ettringit, Hausmannit, Hämatit und Manganit auf.
Neben seiner Typlokalität, der „Black Rock Mine“, konnte das Mineral noch in der „Wessels Mine“ bei Hotazel und in den „N'Chwaning Minen“ bei Kuruman in den Kalahari-Manganfeldern von Südafrika gefunden werden. Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Sturmanitfunde wurden vor allem die „N'Chwaning Minen“, wo bis zu 14 Zentimeter lange Kristalle zutage traten,[10] allerdings sollen auch schon bis zu 40 Zentimeter große Kristalle beobachtet worden sein[6].
Der einzige weitere, bisher bekannte Fundort ist der Berg Lakargi in der russischen Republik Kabardino-Balkarien.[7]
Kristallstruktur
Sturmanit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe P31c (Raumgruppen-Nr. 159) mit den Gitterparametern a = 11,188 Å und c = 21,91 Å[5] sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle[4].
Verwendung
Auch wenn Sturmanit durchaus große, durchsichtige, schön gefärbte und damit schleifwürdige Kristalle bildet, ist er aufgrund seiner geringen Härte und vollkommenen Spaltbarkeit als Schmuckstein für den kommerziellen Handel ungeeignet. Für Sammler wird das Mineral aber dennoch gelegentlich in verschiedene Facettenformen geschliffen.[11]
Siehe auch
Literatur
- D. R. Peacor, P. J. Dunn, M. Duggan: Sturmanite, a ferric iron, boron analogue of ettringite, In: The Canadian Mineralogist, Band 21 (1983), S. 705–709
Weblinks
- Mineralienatlas:Sturmanit (Wiki)
Einzelnachweise
- ↑ Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (englisch).
- ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
- ↑ a b Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 411.
- ↑ a b c Webmineral - Sturmanite
- ↑ a b c American Mineralogist Crystal Structure Database - Sturmanite (2004)
- ↑ a b c d Sturmanite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 64,5 kB)
- ↑ a b c Mindat - Sturmanite
- ↑ Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
- ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
- ↑ Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 150 (Dörfler Natur).
- ↑ Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten der Welt. 1600 Einzelstücke. 13. überarbeitete und erweiterte Auflage. BLV Verlags-GmbH., München u. a. 2002, ISBN 3-405-16332-3, S. 242.