Stundenbuch Stefan Lochners 1451

Das Stundenbuch Stefan Lochners entstand um 1451 und wurde im kölnischen Dialekt geschrieben. Die hohe Qualität der Buchmalerei und die Art der Ausführung der Bilder legen, wie bei dem Berliner Stundenbuch, die Zuschreibung zu Lochner nahe.[1] Es stammt aus der Sammlung des Adolf von Hüpsch, genannt: Baron von Hüpsch.[2] Die Schrift ist eine gut durchgeformte Textualis (von lat. Gewebe) und für die Zeit typisch. Sie hat eine blockhafte Reihung der Wörter, die Buchstaben nahe aneinandergerückt. Das Werk enthält wenig Abkürzungen.[3] Die Initialen sind in Blattgold, manche im Wechsel mit blau ausgeführt. Blattgold wurde auch in den Bildern, zum Beispiel den Nimben und den Umrandungen der Bilder eingesetzt.[4] Zu Beginn des Werkes stehen Kalender und Kalendertabellen, gefolgt vom Marien-Offizinum, sieben Bußpsalmen und eine Allerheiligen-Litanei mit Abschlussgebet. Den heiligen Drei Königen ist Vorrang vor den Aposteln eingeräumt. Die Heilige Ursula wird besonders betont, jedoch fehlen die Lokalheiligen Gereon und Severin. Nach einigen Leerseiten folgt das Toten-Offizinum und der Rosenkranz. Eine lange Folge von Gebeten zu den Heiligen schließt sich an. Nach wieder einem leeren Blatt endet das Stundenbuch mit Gebeten zur Eucharistie und zu allen Heiligen.[5][6] Die Datierung basiert auf der Jahreszahl 1451 auf den Tafeln der Seiten 17 und 19. An Köln als Entstehungsort besteht kein Zweifel. Das Gebetbuch befindet sich heute in der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt. Es ist als „Lochner-Gebetsbuch“ unter der Nummer Hs70 inventarisiert.[1] Das Buch aus Pergament hat 235 Blätter und misst ca. 10,7 × 8 cm, die Schrift 5,4 × 3,8 cm. Die dünne Bleistiftseitenzahlen (1–235) an den rechten oberen Ecken stammen aus jüngerer Zeit.[7] Das Stundenbuch zeichnet sich durch die Ausschmückung mit Blättern, Akantusstauden, Knospen und Mohnkapseln aus. In dem Bordürenschmuck unter der Verkündigung ist eine weibliche Figur dargestellt, die zwei Fabeltiere hält, denen jeweils ein Wappenschild um den Hals gelegt ist. Das linke Wappen zeigt eine grüne Rebe über rot-blau-weiß geteiltem Grund. Das rechte Allianzwappen trägt drei rote Hüte auf weißem Grund mit einer gelben Muschel in der Mitte. Dies deuten auf die Kölner Patrizierfamilien Jüdden und Hardenberg hin.[6] Auf Seite 73 ist ein Beter, möglicherweise der Stifter des Werkes, in einem sakralen Raum abgebildet. Das Buch enthält eine ganzseitige Miniatur und 57 Initialminiaturen mit Bordürenschmuck und zahlreiche Schmuckinitialen. Zum Zeitpunkt der Entstehung war es ungebunden. Der Einband aus Schweinsleder über Holz mit Stempeln und zwei Schließen ist um 1530 entstanden.[1][6]

Literatur

  • Frank Günter Zehnder: Stefan Lochner Meister zu Köln. Herkunft – Werke – Wirkung. Lochner, Köln 1993, ISBN 3-9801801-1-5
  • E. König: Stefan Lochner Gebetbuch 1451. Coron-Verlag Lachen am Zürichsee und Verlag Müller und Schindler Stuttgart, 1989
  • Kurt Hans Staub (Hrsg.): Stefan-Lochner-Gebetbuch. 1451. Sämtliche Miniaturen der Handschrift 70 der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt. Reichert, Wiesbaden 1996, ISBN 3-88226-880-8

Einzelnachweise

  1. a b c Zehnder, Dickmann, S. 388
  2. K. H. Staub in E. König S. 9
  3. K.H. Staub in E. König S. 17
  4. E. König, S. 63
  5. E. König, S. 29
  6. a b c E. König, S. 167ff
  7. K.H. Staub in E. König S. 14