Stricker Fahrradfabrik

E. & P. Stricker war ein deutscher Hersteller von Fahrrädern, Mopeds sowie Zubehör- und Fitnessgeräten mit Sitz im Bielefelder Stadtteil Brackwede. Das Unternehmen produzierte von der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre bis Ende der 1960er-Jahre. Stricker bot neben Fahrrädern auch Zubehör an und nahm Anfang der 1950er-Jahre Mopeds in das Sortiment auf. Das Unternehmen gehörte zu den etablierten Herstellern der ostwestfälischen Fahrradindustrie.

Geschichte

Die E. & P. Stricker Fahrradfabrik wurde in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre in Brackwede, heute ein Stadtbezirk von Bielefeld, von Ernst und Paul Stricker gegründet. Ab 1926 fertigte das Unternehmen Fahrräder überwiegend in Handarbeit.[1] Stricker vertrieb seine Produkte im Direktverkauf ohne Zwischenhändler und setzte dabei auf ein modernes Marketing und eine umfangreiche Werbestrategie, die für die damalige Zeit als ungewöhnlich offensiv galt. Das Unternehmen nutzte ein systematisches Verfahren zur Sammlung von Kundinnen- und Kundenadressen. Erfasst wurden dabei sowohl Käuferinnen und Käufer von Stricker-Fahrrädern als auch Interessenten, die Kataloge angefordert hatten. Um den Adressbestand zu erweitern, legte Stricker jedem Fahrrad frankierte Antwortkarten bei, auf denen die Kundschaft gebeten wurde, die Namen und Anschriften von bis zu sechs weiteren Personen einzutragen. Die erfassten Daten wurden mit Prägemaschinen verarbeitet, um im Versand von Werbeprospekten und Katalogen Adressiermaschinen nutzen zu können.[2]

Die Herrn-Sporträder von Stricker waren mit ausnehmend leichten Doppelrohr-Sportrahmen ausgestattet. Verschiedene Farben standen zur Auswahl. 1953 kostete das Fahrrad 222,50 DM, eine Zwei- oder Dreigangschaltung gab es gegen Aufpreis.[3]

Im Jahr 1953 brachte Stricker sein erstes Moped auf den Markt. Das Fahrzeug war mit einem 48-cm³-Zündapp-Combimot-Motor ausgestattet und wurde zum Preis von 478 DM angeboten. Es verfügte über einen Stahlrohrrahmen mit verstärkten Verbindungen, Gabelfederung und einen 3-Liter-Tank. Als Bereifung kamen 26-Zoll-Ballonreifen zum Einsatz.[4]

Das Unternehmen stellte seine Tätigkeit Ende der 1960er Jahre ein. Das ehemalige Werksgebäude wird seit dem 1. Mai 1975 als Jugendzentrum Stricker (JZ Stricker) genutzt, wodurch der Name des Unternehmens im Stadtteil bis heute präsent ist.[5]

Im Heimat- und Fahrradmuseum im Heimathaus Brackwede sind seit 2017 mehrere historische Fahrräder der Firma Stricker ausgestellt. Sie veranschaulichen die einstige Bedeutung der Fahrradproduktion im Stadtteil Brackwede.[6]

Commons: E. & P. Stricker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Geschichte: Mifa 1907 gegründet Diamant gibt es bereits seit 1885. In: Mitteldeutsche Zeitung. Mitteldeutsche Verlags- und Druckhaus GmbH, 9. August 2016, abgerufen am 25. Oktober 2025.
  2. Der Knochenschüttler. E. & P. Stricker – die Werbekönige Teil 2. Mitgliederjournal Historische Fahrräder e.V., 2019, S. 37–41, abgerufen am 25. Oktober 2025.
  3. Herrenfahrrad Stricker. Deutsches Museum, abgerufen am 25. Oktober 2025.
  4. Brigitte Podszun: Die Mopeds der Wirtschaftswunderzeit. Verlag Podszun-Motorbücher GmbH, Brillon 2010, ISBN 978-3-86133-276-3, S. 115.
  5. 50 Jahre JZ Stricker. Die Falken Bielefeld, 2025, abgerufen am 25. Oktober 2025.
  6. Der Heimatverein Brackwede gegründet 1947. Museumsinitiative OWL e.V. Lippisches Landesmuseum Detmold, abgerufen am 25. Oktober 2025.