Stratos Dionysiou

Stratos Dionysiou (griechisch Στράτος Διονυσίου; * 8. November 1935 in Nigrita; † 11. Mai 1990 in Athen)[1] war ein griechischer Laïkó-Sänger.[2][3]

Seine Söhne sind die Sänger Angelos Dionysiou, Stelios Dionysiou und Diamantis Dionysiou.

Jugend

Stratos Dionysiou wurde in Nigrita geboren, als Sohn von Angelos und Stasa Dionysiou, Flüchtlingen aus Aϊvalık in Kleinasien.[4] Im Jahr 1947 zog er nach Eptalofos in den Ambelokipi.[5] Ein Jahr später verstarb sein Vater.

Zunächst sang Dionysiou unentgeltlich in Nachtlokalen. Nachdem er unter anderem als Straßenhändler und Schneider gearbeitet hatte, gab er sein professionelles Debüt als Sänger im Lokal „Farinta“ in Thessaloniki. Bereits bei seinen ersten Auftritten im Jahr 1959 erregte er die Aufmerksamkeit anderer Künstler, die ihn ermutigten, nach Athen zu gehen, um bedeutendere Kooperationen einzugehen.

Karriere

Trotz erheblicher finanzieller Schwierigkeiten zog Dionysiou 1959 nach Athen, wenige Monate nach seinem ersten Auftritt in Thessaloniki. Durch Auftritte in der Satovriandou-Straße lernte er zahlreiche Sänger kennen, darunter Kaiti Grey. Grey schlug ihm eine Zusammenarbeit vor, und gemeinsam traten sie im „Asteras“ in Kokkinia auf. Im selben Jahr veröffentlichte Dionysiou eine 45-rpm-Schallplatte mit dem Lied „Den eimai enochos“, mit Text von Christos Kolokotronis und Musik von Stavros Chatzidakis.

Er nahm zudem das Lied „Paranges kai palatia“ von Nikos Mavros für das Label Odeon auf. Drei Jahre später unterzeichnete er einen Vertrag bei Columbia.

Dionysiou sang mehrere Coverversionen, darunter „Den me ponese kaneis“ von Babis Bakalis, inspiriert vom indischen Lied „Duniya mein hum aaye hain“ der Schauspielerin Nargis. Weitere von ihm interpretierte Bearbeitungen waren unter anderem „Tis agapis mou to disko“, „Ilektrofono“ und „Fige-Fige“ (Musik: Attalidis, Text: Kostas Virvos). Außerdem nahm er Neuinterpretationen bekannter Lieder auf, darunter „Acharisti“ von Vasilis Tsitsanis, „To Paliogefyro“ und „Prin to charama“ von Giannis Papaioannou, „I Bambesa“ von Giorgos Mitsakis sowie „To Ftochobouzouko“ von Manolis Chiotis.

1967 begann er eine Zusammenarbeit mit dem Komponisten Akis Panou. Panou schrieb für ihn zahlreiche Lieder, die große Erfolge wurden, darunter „Kai ti den kano“, „Giati kale geitonissa“, „Tou kosmou to perigelo“, „Asti na fygei“, „Ego kala sou ta ’lega“, „Sto stathmo tou Monachou“, „Tha rixo rodozachari“, „Itan pseftika“, „Mia gynaika“, „Ferte to paidi tou Charou“ und „Na eicha to kouragio“.

Im Nachtlokal „Sou-Mou“, in dem er auftrat, war Dionysiou zweitgenannter Künstler und Partner von Anthoula Alifragki. Dort hörte ihn 1969 Mimis Plessas, der zwei Monate später das legendäre Zeibekiko „Vrechei fotia sti strata mou“ mit Text von Lefteris Papadopoulos schrieb. Das Lied entstand für den Film Oratotis miden (1970).

In der Folge veröffentlichte Dionysiou weitere Titel wie „O paliaitzis“, „Baglamades kai bouzoukia“, „Enas aetos gkremistike“, „Agapi mou epikindyni“ und „Afilotimi“.

Anfang der 1970er-Jahre arbeitete er mit jungen Sängerinnen zusammen, die sich noch am Beginn ihrer Karriere befanden, darunter Haroula Alexiou, Lizeta Nikolaou und Sophi Pappa, die als zweite Stimmen fungierten.

1973 sang er das Lied „Ainte pou to pas kai pou to fernis“, komponiert von Mimis Plessas, im Film O fantasmenos der Finos Film.

Ebenfalls 1973 wurde Dionysiou wegen illegalen Waffenbesitzes und Haschisch, das in seinem Auto gefunden worden war, verhaftet. Er selbst sprach von einer Verschwörung durch Konkurrenten. 1974 wurde er vom Vorwurf des Waffenbesitzes freigesprochen. Am 9. April 1975 begann jedoch vor dem Schwurgericht in Thessaloniki der Prozess im vielbeachteten Fall des Drogenhandels. Das Urteil vom 30. Mai verurteilte ihn zu drei Jahren Haft, einem Jahr Verlust der bürgerlichen Rechte sowie zu einer dreijährigen Verbannung nach Ioannina.[6][7] Im Frühjahr 1976 wurde er aufgrund einer Amnestie aus der Haft entlassen. In dieser Zeit unterstützte ihn besonders sein Kollege und Freund Tolis Voskopoulos, der ihm 1977 das Lied „Apokoimithika“ schrieb und überließ.[8] Während seiner Haftzeit nahm Dionysiou das Album „Pali mazi mas“ auf, das veröffentlicht wurde.

Er arbeitete elf Jahre lang mit Giannis Parios zusammen, dessen stimmliche Fähigkeiten er früh erkannte. Das erste Lied von Parios, das Dionysiou interpretierte, war „Minore Parapono“, komponiert von Thanassis Polykandriotis, das 1976 erschien.

Von 1980 bis zum Frühjahr 1989 bestand eine Zusammenarbeit mit Marina Vlachaki, während ihn in seiner letzten Schaffensphase Kiki Louka begleitete. Dionysiou hatte erneut Auftritte mit Vlachaki in Thessaloniki und der Türkei geplant.

In den 1980er-Jahren feierte er Erfolge mit Liedern wie „Ypokrinese“, „Ta pires ola“, „Kai lege-lege“, „Akou vre file“, „Mono oi erotevmenoi“, „O laos tragoudi thelei“, „O Salonikios“, „Me skotose giati tin agapousa“, „Ego o xenos“, „Ena lepto periptera“, „Kalytera mazi sou kai trelos“, „Thymisou“, „Tis gynaikas i kardia“, „Nomizeis“, „O taxitzis“, „Kai tote monos“ und weiteren. Parallel dazu arbeitete er mit zahlreichen Komponisten und Textern zusammen, darunter Takis Mousafiris, Thanassis Polykandriotis, Giannis Parios, Alekos Chrysovérgis, Spyros Giatrás, Takis Soukas, Spyros Papavasileiou, Christos Nikolopoulos und Lefteris Papadopoulos.

Zu Weihnachten 1987 eröffnete er das Nachtlokal „Stratos“ in der Filellinon-Straße.

Rezeption

Stratos Dionysiou galt als eine der kraftvollsten und markantesten Stimmen seiner Zeit. Musikalisch beeinflusst von seinem Vater, der Kantor war, entwickelte er eine byzantinisch geprägte, strenge Ausdrucksweise. Takis Mousafiris bezeichnete ihn als göttlichen Sänger, da er ein ganzes Album in wenigen Stunden aufnehmen konnte und damit Kollegen wie Publikum gleichermaßen beeindruckte. Takis Soukas erklärte über Dionysiou, er sei „der einzige Sänger, der in all den Jahren niemals auch nur ein einziges Mal den Ton verfehlte“. Giannis Parios äußerte, Dionysiou könne mit seiner Stimme ein Sinfonieorchester stimmen. Auch Lefteris Papadopoulos hob die stimmliche Kraft Dionysious mehrfach hervor.

Tod

Dionysiou verstarb am 11. Mai 1990 im Alter von 54 Jahren an einem Riss der Bauchaorta. Seine Beisetzung fand auf dem Ersten Athener Friedhof statt. Wenige Stunden vor seinem Tod trat er noch im Lokal „Stratos“ auf; zuvor hatte er am selben Nachmittag neun Lieder für das Album „Poios allos“ aufgenommen, das einen Monat nach seinem Tod erschien und Verkaufsrekorde erzielte. Nach Angaben des Texters Takis Mousafiris war das letzte an diesem Tag aufgenommene Lied „Mi m’ afineis mono mou“.

Von seinen vier Kindern sind Angelos und Stelios Dionysiou ebenfalls als professionelle Sänger tätig. Seine Tochter Tasoula Dionysiou verstarb im April 2012 im Alter von 53 Jahren. Sein jüngster Sohn, Diamantis Dionysiou, begann seine musikalische Laufbahn im Winter 2007 in Athener Musiklokalen.

Persönliches Leben

1955 heiratete Dionysiou seine Jugendliebe Georgia Lavenis, mit der er vier Kinder hatte: Angelos, Tasoula, Stelios und Diamantis. Er war Anhänger des Fußballvereins PAOK.[9][10]

Anerkennung

Heute tragen Straßen in Trikala, in Larisa sowie in den Ampelokipoi von Thessaloniki seinen Namen.

Diskografie

Jahr Veröffentlichung Weitere Informationen
1969 Stratos Dionysiou
1970 Mazi me to Strato
1971 Stratos Dionysiou (3)
1972 4.5.3 Mitwirkung an 5 Liedern
1972 Stratos Dionysiou 4
1973 Baglamades kai bouzoukia
1974 Neotera ki anotera Mitwirkung an 6 Liedern
1974 Ta 12 tou Stratou
1974 Chrysos Diskos Mitwirkung an 2 Liedern
1975 Tragouda Aki Panou
1976 Pali mazi mas
1976 Pikra ki anthropina
1977 14 Chryses Epitichies
1977 An xanazousa
1977 Axechasta tragoudia
1978 14 Chryses Epitichies No 2
1978 Ta Orthodoxa 50.000 Verkäufe (Goldene Schallplatte)
1979 Gynaikes gynaikes
1980 Ypokrinese 100.000 Verkäufe (Platin-Schallplatte)
1981 Ola einai daneika 100.000 Verkäufe (Platin-Schallplatte)
1981 Ta oraia tou Dionysiou
1982 Axechastes epitichies
1982 Thymisou 50.000 Verkäufe (Goldene Schallplatte)
1983 Axechastes epitichies 2
1983 Tis gynaikas i kardia 50.000 Verkäufe (Goldene Schallplatte)
1984 Laika kai pasis Ellados Mitwirkung an 5 Liedern (50.000 Verkäufe) (Goldene Schallplatte)
1984 Mono oi erotevmenoi 50.000 Verkäufe (Goldene Schallplatte)
1985 Afta pou tragoudisame
1985 O Salonikios 100.000 Verkäufe (Platin-Schallplatte)
1986 Gia panda
1986 O taxitzis Mitwirkung an 5 Liedern (50.000 Verkäufe) (Goldene Schallplatte)
1987 Dyo dyo Mitwirkung an 7 Liedern
1987 Kratise me Mitwirkung an 2 Liedern
1987 Oi Megalyteres Epitichies Tou
1987 O laos tragoudi thelei 50.000 Verkäufe (Goldene Schallplatte)
1987 Zontani ichografisi apo to Panathinaiko Stadio me ton Christo Nikolopoulo. Symmetechoun episis: Giorgos Dalaras, Eleni Vitali, Haroula Alexiou, Glykeria, Leonidas Velis Mitwirkung an 2 Liedern
1988 Ego o xenos 150.000 Verkäufe (Platin-Schallplatte)
1989 Nomizeis 100.000 Verkäufe (Platin-Schallplatte)

Veröffentlichungen nach dem Tod

Jahr Veröffentlichung Weitere Informationen
1990 Poios Allos 130.000 Verkäufe (Platin-Schallplatte)
1990 30 Chronia Epitichies 2 CDs (200.000 Verkäufe) (Platin-Schallplatte)
1990 Mega Souxe
1991 I Ellada tou Steliou kai tou Stratou
1991 Sta xenychtadika tis agkalia sou Mitwirkung an 2 Liedern
1991 Ta Laika
1991 Tragoudia gia tous filous tou
1993 Ta Zeibekika tou Grigori kai tou Stratou
1994 Apo tous thisavrous ton 45 strofón
1994 Ta Oraia tou Dionysiou
1995 Axechastes Epitichies No 2
1996 Tragoudia apo tis 45 strofes 1
1996 Ta Spania
1997 Axechasta tragoudia
1997 Tragoudia apo tis 45 strofes 2
1997 Ta tragoudia pou agapisame
1998 Agapis vasana
1998 Tragoudia apo tis 45 strofes 3
2000 Akou vre file
2000 Tragoudia apo tis 45 strofes 4
2000 Oi Megalyteres Epitichies tou
2000 Proti Ektelesi Mitwirkung an 3 Liedern
2001 Tragoudia apo tis 45 strofes 5
2002 Oi Megalyteres Epitichies tou No 2
2002 Ta Authentika (4 CDs)
2003 Vrechei fotia sti strata mou (2 CDs)
2004 T’ agkathia tis kardias
2004 Tis nychtas to Minore
2005 O stenagmos mou
2005 Ta tragoudia tou Stratou (2 CDs)
2006 14 Megala Tragoudia
2006 14 Megala Tragoudia No 2
2006 Gia Panda Live stin Ameriki (2 CDs)
2006 Anthologia - 1934-1990 (4 CDs)
2007 Enas Diskos I Zoi tou (6 CDs)
2007 Tragoudaei Mimi Plessa (2 CDs)
2007 Tragoudaei Taki Souka (2 CDs)
2008 Vrechei fotia sti strata mou (4 CDs)
2008 Chrysi Diskothiki
2009 Afieroma sto Strato
2009 Live Ichografiseis (2 CDs)
2009 Ntokoumenta
2009 O Laos Tragoudi Thelei (6 CDs)
2012 O Laos Tragoudi Thelei Best of (4 CDs)

Einzelnachweise

  1. «Στράτος Διονυσίου - Βάρδος Λαϊκός και Σαλονικιόʙ̩ς»: Μια αποκαλυπτική βιογραφία. In: ProtoThema. 12. Mai 2021, abgerufen am 11. Mai 2023 (griechisch).
  2. Σαν Σήμερα .gr: Στράτος Διονυσίου. In: Σαν Σήμερα .gr. Abgerufen am 11. Mai 2023 (griechisch).
  3. Ελένη Κεφαλληνού: Βιογραφία - Στράτος Διονυσίου. In: tralala.gr. 11. Mai 2020, abgerufen am 11. Mai 2023 (griechisch).
  4. Βίκυ Μιχαλονάκου: Στράτος Διονυσίου. Κάκτος, Αθήνα 2002, ISBN 978-960-382-459-6.
  5. Πάρε ό,τι θέλεις… ΠΑΟΚτσή!
  6. Άρθρο 16 Νομοθετικού Διατάγματος 743/1970 (ΦΕΚ Α΄ 263/1970)
  7. Στράτος Διονυσίου: Η περιπέτεια, που οδήγησε στη φυλακή τον μεγάλο λαϊκό τραγουδιστή στη δεκαετία του ’70. In: LiFO. 9. Dezember 2023, abgerufen am 26. Oktober 2024 (griechisch).
  8. Ο Στράτος Διονυσίου στη φυλακή! In: ΜΗΧΑΝΗ ΤΟΥ ΧΡΟΝΟΥ. 7. November 2022, abgerufen am 1. April 2023 (griechisch).
  9. Σ. Διονυσίου: 25 χρόνια χωρίς τον μεγάλο ΠΑΟΚτσή. In: Metrosport. Abgerufen am 5. März 2021 (griechisch).
  10. Στρ. Διονυσίου: «Μια ζωή ΠΑΟΚ». In: Thessnews. Ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 5. März 2021 (griechisch).@1@2Vorlage:Toter Link/www.thessnews.gr (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
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