Straßenbahn Verona
Straßenbahn Verona
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| Triebwagen unter den Portoni della Bra | |
| Basisinformationen | |
| Staat | Italien |
| Stadt | Verona |
| Eröffnung | 1884 |
| Elektrifizierung | ab 1908 |
| Stilllegung | 1951 |
| Betreiber | SAER (1935–1951) Società Anonima del Tram di Verona (1884–1937) |
| Infrastruktur | |
| Streckenlänge | 13,407 km (zweigleisig) + 9,963 km (eingleisig, Stand 1935) |
| Spurweite | 1435 mm (Normalspur) |
| Netzplan (1908/1909) | |
Die Straßenbahn Verona bildete zwischen 1884 und 1951 das Rückgrat des städtischen Nahverkehrs der norditalienischen Stadt Verona. Das Netz umfasste zwei Linien mit mehreren gemeinsam genutzten Abschnitten und verband zentrale Punkte der Stadt, darunter Borgo Trento, die Bahnhöfe Porta Nuova und Porta Vescovo sowie die Endpunkte der damaligen Überlandstraßenbahnen und der Bahn Verona–Caprino/Garda.
Geschichte
Die erste Linie wurde 1884 von der Società dei Tramways di Verona als Pferdebahn zwischen Porta Nuova und Porta Vescovo eröffnet.[1]
Die Aktienmehrheit der späteren Società Anonima del Tram di Verona lag bei der belgischen Compagnie Italo-Bélge des Tramways électriques de Vérona (Ville)-Société anonime mit Sitz in Brüssel, vertreten durch Giovanni Franchini-Stappo sowie Saint Gilles und David Pels.[2]
Am 11. Juli 1906 schloss die belgische Gesellschaft mit der Stadt Verona einen Vertrag über Bau und Betrieb einer elektrischen Straßenbahn. Die Fahrzeuge wurden von Siemens geliefert.[1]
Am 22. Februar 1908 wurde die erste elektrische Linie eröffnet, die weitgehend dem Verlauf der früheren Pferdebahn folgte. Es wurde Normalspur mit 550 V Gleichstrom verwendet. Am 30. März 1908 kam eine zweite Linie hinzu, ebenfalls eingleisig und im Abschnitt zwischen Castelvecchio und Piazza delle Erbe gemeinsam mit der ersten Linie geführt.[1]
Am 22. November 1914 wurde das Netz nach Norden bis Avesa verlängert, damals noch eine eigenständige Gemeinde.[3]
Die städtische und die Provinzverwaltung taten sich mit dem Betrieb der heterogenen Bahn- und Straßenbahnlinien schwer, was zu Defiziten führte.[4] 1935 wurde daher die Società Anonima Esercizi Riuniti (SAER) mit dem Betrieb der städtischen Straßenbahn, der Überlandlinien und der Bahn nach Caprino/Garda betraut.[1]
Da das städtische Straßenbahnnetz seit Jahren defizitär war, fiel 1937 die Entscheidung für die Umstellung auf ein O-Bus-System.[5] 1951 wurde der Betrieb der verbliebenen Linien eingestellt, die letzten Überlandstrecken folgten 1957.[1] 1955 wurde die Azienda Municipalizzata Trasporti (AMT) gegründet.[6]
Strecken
Die erste Linie führte von Porta Nuova nach Porta Vescovo über Piazza Bra und Piazza delle Erbe und umfasste 24 Haltestellen.[2] Im Osten bestand Anschluss an die Überlandstraßenbahn nach San Bonifacio. Im Unterschied zur Pferdebahn wurde ab 1908 über die heutige Via Roma und Castelvecchio gefahren.
Zu den bedienten Punkten gehörten u. a. der ehemalige Distriktmilitärsitz, das Ospedale Fatebenefratelli, die Biblioteca del Popolo am Ponte Navi sowie die später abgebrochene Kirche S. Sebastiano.[2]
Problempunkte waren der steile Auffahrt zum Ponte Navi (häufige Entgleisungen bei Anhängerbetrieb) sowie vereiste Weichen, die durch nächtliche Leerfahrten freigehalten wurden.[2]
Die zweite Linie führte von San Zeno zur Station Porta San Giorgio, dem Endpunkt der Bahn nach Caprino/Garda. Die Linien verzweigten ab Castelvecchio in Richtung San Zeno bzw. ab Piazza delle Erbe über den späteren Ponte Nuovo, das Interrato dell’Acqua Morta und Porta San Giorgio nach Via Mameli.[2]
Am 1. März 1909 wurde eine Direktverbindung von Piazza Bra zur Rampe des Ponte Navi eröffnet, wodurch Kurs über Piazza delle Erbe entfiel.[2]
Der Betrieb erfolgte im Winter 6:30–20:30 Uhr, im Sommer 5:30–22:00 Uhr.[2]
Fahrzeuge
Die Betreiber beschafften mindestens 24 Triebwagen und 11 Beiwagen. Die elektrischen Triebwagen von Siemens trafen im Januar 1908 ein. Die Waggons besaßen 16 Quersitze mit durchgehendem Mittelgang; die Rückenlehnen ließen sich je nach Fahrtrichtung umlegen. Die Türen waren paarweise gekuppelt und schlossen automatisch. Die Wagen liefen mit Bügelabnehmern und waren gelb mit roten Zierlinien lackiert.[1]
Im Jahr 1924 wurden neue Fahrzeuge bestellt.[7]
Neues Straßenbahnsystem
Ab 17. Juli 1992 beschloss der Stadtrat von Verona die Einführung eines neuen Schienennahverkehrsmittels, vorzugsweise einer Straßenbahn. Am 24. Juli 1997 beschloss der Stadtrat konkret den Bau der sogenannten Metrotranvia.
Am 23. April 2001 gründete die AMT die Firma Sitram Srl, um den Bau der Infrastruktur zu verfolgen.
Im Jahr 2002 wurde Siemens als Generalunternehmer mit der Umsetzung eines Turnkey-Projektes beauftragt. Darin umfasst war der Bau zweier Linien sowie die Lieferung von 22 Niederflurstraßenbahnen vom Typ Combino. Der Auftragswert betrug 126 Millionen Euro, davon entfielen 62 Millionen Euro auf Leistungen von Siemens.[8]
Im Jahr 2003 löste Bürgermeister Paolo Zanotto die Sitram srl auf und delegierte die Arbeit an die AMT.
In den Folgejahren kam die Stadtverwaltung von Verona jedoch vom Bau der Straßenbahn wieder vollständig ab. Das Vorhaben wurde eingestellt.[9][10][11]
Galerie
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Pferdetramway bei der Porta Vescovo
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Ein Straßenbahnzug an der Arena
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Borgo Trento
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Corso Vittorio Emanuele
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Straßenbahn am Corso Cavour
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Eröffnung der Strecke nach Avesa
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Eröffnung der elektrischen Linie 1908
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Piazza delle Erbe
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Piazza San Zeno
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Ponte Pietra
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Porta Vescovo
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Porta Borsari
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Viale Porta Vescovo
Literatur
- Giorgio Chiericato: A tutto vapore. Ferrovie e tramvie nel Veneto dal 1866 al 1900. Edizioni Bonomo, Asiago 2013.
- Gerardo Menegazzi, Mario Peruzzi: Avanti ... ... c’è posto. Novastampa, Verona 1998.
- G. F. Viviani: Verona 1908 arriva il tram elettrico. Associazione filatelica numismatica scaligera. (Online über Yumpu)
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Tram di Verona, in: Italmodel Ferrovie, Nr. 222, Januar 1979, S. 28–30.
- ↑ a b c d e f g G. F. Viviani, Verona 1908 arriva il tram elettrico, Associazione Filatelica Numismatica Scaligera.
- ↑ AMT Verona, Storia in pillole. (Archivlink.)
- ↑ Pier Giorgio Puppini, Ferrotranvie Veronesi.
- ↑ Quando a Verona c’erano i tram, in: Mondo ferroviario, Nr. 45, März 1990, S. 10.
- ↑ Was ist der Gegenstand von AMT3 Verona • AMT3. 14. Februar 2024, abgerufen am 23. November 2025.
- ↑ A. T. V. Verona: Sezione8 - L’Azienda - Storia di Amt ed Aptv. Abgerufen am 23. November 2025 (italienisch).
- ↑ Railway Gazette International: Verona LRT turnkey awarded. Abgerufen am 23. November 2025 (englisch).
- ↑ Breve storia della tramvia e del trasporto pubblico a Verona - L'Adige di Verona. 7. Juni 2022, abgerufen am 23. November 2025 (italienisch).
- ↑ METROTRANVIA DI VERONA. Abgerufen am 23. November 2025.
- ↑ Verona 2040 Scenari strategici e progetti di trasformazione. Abgerufen am 23. November 2025 (italienisch).