Straßenbahn Novi Sad
Straßenbahn Novi Sad
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|---|---|
| Triebwagen 30, geliefert 1911 von Ganz & Co | |
| Basisinformationen | |
| Stadt | Novi Sad |
| Eröffnung | 30. September 1911 |
| Stilllegung | 1958 |
| Infrastruktur | |
| Spurweite | 1435 mm (Normalspur) |
| Betrieb | |
| Linien | weiße, blaue und grüne Linie |
Die Straßenbahn Novi Sad war das Straßenbahnsystem der Stadt Novi Sad in Serbien. Sie war vom 30. September 1911 bis 1958 in Betrieb. Für die Zukunft gibt es Pläne, ein neues Straßenbahnnetz zu errichten, dessen Fertigstellung für 2030 vorgesehen ist.
Geschichte
Bis 1919 gehörte die Region, in der die Stadt Novi Sad liegt, zu Österreich-Ungarn, namentlich zum Königreich Ungarn. Demgemäß benennen historische Unterlagen die Stadt als Újvidék (ungarisch) oder Neusatz (deutsch).
Mit der Entwicklung Novi Sads wuchs der Bedarf an öffentlichen Verkehrsmitteln. Bereits 1868 wurden erste Pläne für den Personenverkehr mit Pferdewagen präsentiert. Mit zunehmender Stadtgröße begann die Idee eines elektrischen Straßenbahnsystems Gestalt anzunehmen.[1]
Im Jahr 1894 brachte die Zeitschrift für Elektrotechnik einen Artikel über die „Projektirte Strassenbahn“ in Újvidék. Erwähnt wurde, dass die Stadtverwaltung „der Bauunternehmung Winternitz & Comp. die Bewilligung zum Bau und Betrieb eine der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt umfassenden Straßenbahn ertheilt“. Ausgeschlossen war „die Anwendung von Pferdebetrieb“.[2]
In der Wiener Zeitung erschien im Jahr 1909 ein Artikel, in dem erwähnt wurde, dass die Aktiengesellschaft für elektrische und Verkehrs-Unternehmungen in Újvidék eine elektrische Bahn- und Beleuchtungsanlage errichte.[3]
Ein lokales Elektrizitätswerk nahm 1910 die Stromversorgung auf – eine Voraussetzung für die Einführung der elektrischen Straßenbahn. Die ersten Straßenbahnen fuhren im folgenden Jahr. Als Spurweite wurde Normalspur gewählt.
Die Zeitschrift für Elektrotechnik und Maschinenbau erwähnte im Jahr 1913, dass bereits im ersten Betriebsjahr eine Dividende von viereinhalb Prozent ausgeschüttet werden konnte.[4]
Die Zeitschrift des österreichischen Ingenieur-Vereines berichtete im Jahr 1916 über die Erteilung einer Vorkonzession für eine Schmalspurbahn, die an die Újvidéker elektrische Straßenbahn angeschlossen werden sollte.[5] Gleichartige Artikel erschienen im Jahr 1917 in der Zeitschrift Die Wasserwirtschaft[6] sowie in der Wiener Bauindustrie-Zeitung[7].
In den 1930er Jahren kaufte die Stadt drei Omnibusse, die mit den Straßenbahnen um Fahrgäste konkurrierten. Während des Zweiten Weltkriegs wurde 1944 ein Kraftwerk bombardiert, wodurch der Straßenbahnbetrieb unterbrochen wurde. Am 25. Mai 1945 wurde er wieder aufgenommen.
Die Straßenbahn fuhr bis 1958, als sie komplett durch Omnibusse ersetzt wurde. Anschließend wurden Gleise und die Einrichtungen für die Stromversorgung abgebaut.[1]
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Straßenbahn nahe dem Freiheitsplatz (1942)
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Straßenbahn nahe dem Freiheitsplatz (1942)
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Straßenbahn nahe dem Museum der Vojvodina
Linien
Es gab zwei Linien:[8]
- Weiße Linie, später Linie 1: von der Futoška Kapija (Tor) über die Temerin-Straße, vorbei am Vladičanski Dvor, durch das Stadtzentrum, zur Jodna Banja bis zum städtischen Krankenhaus, das den Endpunkt darstellte. Eine zusätzliche Blaue Linie verlief entlang dieses Abschnitts von Kupatila nach Čenej.
- Grüne Linie, später Linie 2: vom ehemaligen Bahnhof (heute ein lokaler Markt, Limanska pijaca) bis zum Ende der Dunavska-Straße in der Nähe der Donau.
Fahrzeuge
Der Straßenbahn Novi Sad standen anfangs 15 fabrikneue zweiachsige Triebwagen zur Verfügung, die in den Jahren 1910 und 1911 von Ganz & Co. in Budapest hergestellt wurden und die Betriebsnummern 21–35 erhielten. Ergänzt wurde diese Erstausstattung später von zwei gebrauchten Wagen der Straßenbahn Miskolc, einem der Straßenbahn Szeged sowie einer Güterlokomotive.[9]
Wiedereinführung
2011 stellte die Stadtverwaltung Novi Sads Pläne zur Wiedereinführung eines Straßenbahnnetzes vor. Erste Ideen gab es bereits 1991. Nach einer Machbarkeitsstudie sollte das Netz aus fünf sich überlappenden Linien mit insgesamt 92,5 km Länge, 47 Haltestellen und einem Depot bestehen.[10][11]
Die erste Bauphase sollte etwa 80 Millionen Euro kosten, davon 65 Millionen Euro für 25 neue Straßenbahnwagen und 15 Millionen Euro für 25,5 Kilometer Gleise. Die erste Strecke soll vom Terminal „Zapad“ bis Terminal „Liman IV“ verlaufen, vorbei am Stadtzentrum. Weitere sollen folgen, die Fertigstellung ist bis 2030 geplant.[12][13]
Nach dem Allgemeinen Stadtentwicklungsplan Novi Sads 2030 ist eine Straßenbahnlinie durch die Boulevards Jovan Dučić und Knez Miloš im Stadtviertel Bistrica vorgesehen.[14]
Erinnerungskultur
Ein historischer Straßenbahnwagen der Serie 50–52 aus dem Jahr 1928 ist erhalten geblieben und trägt nun die Nummer 13. Er wird in Novi Sad aufbewahrt, ist aber nicht öffentlich ausgestellt.[15]
In der Innenstadt befindet sich ein straßenbahnähnliches Erinnerungsobjekt – es handelt sich dabei aber um kein reales Fahrzeug, sondern um einen Holzkasten auf zwei Drehgestellen anderweitiger Herkunft.
Literatur
- Martin Harák: Straßenbahnen der k.u.k. Donaumonarchie. bahnmedien.at, Wien 2015, ISBN 978-3-9503304-9-6.
Weblinks
- Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs in Novi Sad
- Lokstatistik von Josef Pospichal/Novi Sad
- Tramways.at/Neusatz
Einzelnachweise
- ↑ a b Istorija. Archiviert vom am 10. April 2010; abgerufen am 27. November 2025.
- ↑ ÖNB-ANNO - Zeitschrift für Elektrotechnik. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ ANNO, Wiener Zeitung, 1909-08-11, Seite 13. Abgerufen am 27. November 2025.
- ↑ ÖNB-ANNO - Elektrotechnik und Maschinenbau. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ ÖNB-ANNO - Zeitschrift des österreichischen Ingenieur-Vereines. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ ÖNB-ANNO - Die Wasserwirtschaft. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ ÖNB-ANNO - Wiener Bauindustrie-Zeitung. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Javna medijska ustanova JMU Radio-televizija Vojvodine: Prohujalo vreme novosadskih tramvaja. Abgerufen am 27. November 2025 (serbisch (lateinische Schrift)).
- ↑ Lokstatistik von Josef Pospichal/Novi Sad
- ↑ Re-introducing Trams in Novi Sad, City of Novi Sad
- ↑ Serbia: Novi Sad wants tram network
- ↑ Feasibility Study on Introducing Tram in the City of Novi Sad
- ↑ Serbia: Novi Sad wants tram network
- ↑ Žarko Bogosavljević: Detaljno: Šta novi GUP znači za Novo naselje - više zgrada, manje zelenila, vrtići i tramvaji. 6. September 2022, abgerufen am 27. November 2025 (sr-Latn-RS).
- ↑ tramways.at / Neusatz