Straßenbahn Brașov
Straßenbahn Brașov
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|---|---|
| Basisinformationen | |
| Staat | Rumänien |
| Stadt | Brașov |
| Eröffnung | 1892 |
| Stilllegung | 17. November 2006 |
| Betreiber | RATBV |
| Infrastruktur | |
| Streckenlänge | 8,2 km |
| Spurweite | 1435 mm (Normalspur) |
| Betrieb | |
| Linien | 1 |
Die Straßenbahn Brașov war ein Straßenbahnsystem in der rumänischen Stadt Brașov. Es bestand aus zwei klar getrennten Entwicklungsphasen einer Dampftramway (1892–1960) und einem elektrischen Straßenbahnbetrieb (1987–2006).
Dampfstraßenbahn (1892–1960)
Die Stadt Brașov lag bis Ende 1918 in Österreich-Ungarn und zwar im Nordosten des Königreiches Ungarn. Auf ungarisch hieß die Stadt Brassó, auf deutsch Kronstadt.
1882 berichtete der Pester Lloyd, dem Grafen Julius Schweinitz[Anm 1] wäre die Konzession für die Vornahme von Vorarbeiten für eine Straßenbahnlinie in Kronstadt erteilt worden.[1] Das Neuigkeits-Welt-Blatt berichtete fast wortgleich.[2] In der gleichen Zeitung war 1885 zu lesen, dass die Vorkonzession an Josef Wiedermann erteilt worden war[3], Die Presse berichtete gleichlautend.[4]
Die 17 Kilometer lange Strecke wurde zwischen 1891 und 1892 errichtet und im Jahr 1892 eröffnet. Sie verband Bartolomeu (Brașovechi) mit Satulung, heute Teil der Stadt Săcele.
Beim Bau der Strecke musste 1891 die Zolltor-Pforte am Eingang in die historische Altstadt abgetragen werden, da die Dampflokomotiven nicht darunter hindurch passten. Die Strecke begann an der Station Bartolomeu-Bahnhof, führte über die Straße Lungă zum Piața Sfatului und weiter über die Straße Vămii (heute Mureșenilor) zur Station Promenadă bei der Stadtverwaltung. Von dort aus verlief sie über Blumăna weiter Richtung Baciu, Turcheș, Cernatu bis nach Satulung.[5]
Außerhalb des Stadtgebiets fungierte die Strecke wie eine Lokalbahn mit Bahnhöfen; in der Stadt verkehrte sie straßenbahnähnlich. Die Geschwindigkeit war auf 10 km/h im Stadtgebiet und 20 km/h außerhalb begrenzt. An Markttagen durften Züge im Stadtgebiet erst nach 15:00 Uhr verkehren. Die Dampfpfeife durfte nur im Notfall verwendet werden, ansonsten wurde mit einer Glocke gewarnt.[6]
Dieser erste Straßenbahnbetrieb in Brașov, Brassó Városi Vasút rt (Kronstädter Stadtbahn AG) war die erste mechanisierte Straßenbahn auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens. Neben der Personenbeförderung wurden auch Güterwagen transportiert. Die Bahn erschloss zahlreiche Industriebetriebe im Osten der Stadt und führte zu umfangreichen Stadtentwicklungsmaßnahmen.[7]
In Jahr 1903 wurden von Ganz in Budapest zwei dreiachsige Dampftriebwagen geliefert.
Die Fahrzeuge wurden später gelb lackiert – daher die Bezeichnung „gelbe Tram“. Parallel zum Dampfbetrieb verkehrten auch benzol- bzw. dieselbetriebene Triebwagen.
in der Illustrierten Kronen-Zeitung konnte man im Jahr 1907 eine Meldung über einen Verkehrsunfall mit einem Motorwagen lesen.[8] Im Jahr 1908 veröffentliche Das Vaterland einen Kurzbericht über ein Dynamit-Attentat auf die Straßenbahn.[9]
Ein Beschluss zur Umstellung auf elektrischen Bereich wurde 1909 in Elektrotechnik und Maschinenbau erwähnt.[10] – die Umstellung fand aber nie statt. Im Jahr 1932 wurde einer der Dampftriebwagen auf Dieselantrieb umgebaut.
Zwischen 1922 und 1938 wurde die Strecke mehrfach verkürzt. Ab 1932 begann der kommunale Autobusbetrieb, der rasch beliebt wurde. Der verbliebene Lokalbahnabschnitt wurde noch bis 1960, vor allem für Pendler zur Industriezone, genutzt und dann eingestellt.[6]
Elektrische Straßenbahn (1987–2006)
Der zweite Brașover Straßenbahnbetrieb wurde am 23. August 1987 eröffnet. Er bestand aus einer einzigen, inklusive Betriebsstrecke zum Depot, 8,2 Kilometer langen, zweigleisigen und durchgehend im Straßenraum verlegten Strecke. Diese wurde von der 6,86 Kilometer langen Durchmesserlinie 101 befahren, die das ehemalige Rulmentul-Werk über die Innenstadt mit dem Bulevardul Saturn verband und dabei – je nach Fahrtrichtung – 14 beziehungsweise 15 Haltestellen bediente.
Der Betrieb wurde am 17. November 2006 eingestellt und durch die Trolleybus-Linie 8 ersetzt.[11]
Linien
Dampfstraßenbahn (1892–1960)
- 1892–1922: Bartolomeu – Piața Sfatului – Promenadă – Fabrica Schiel – Noua – Dârste – Baciu – Turcheș – Cernatu – Satulung
- 1922–1933: Bartolomeu – Promenadă – Fabrica Schiel – Noua – Dârste – Baciu – Turcheș – Cernatu – Satulung
- 1933–1938: Promenadă – Fabrica Schiel – Noua – Dârste – Baciu – Turcheș – Cernatu – Satulung
- 1938–1960: Fabrica Schiel (Strungul) – Noua – Dârste – Baciu – Turcheș – Cernatu – Satulung
Elektrische Straßenbahn (1987–2006)
- 101: Rulmentul – Strada 13 Decembrie – Bulevardul Gării – Bulevardul Alexandru Vlahută – Bulevardul Saturn
Fahrzeuge
| Hersteller | Typ | Herkunft | Einsatzjahre | Anzahl | Betriebsnummern | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Uzina de Reparații Atelierele Centrale | V3A | – | 1987–2006 | 16 | 1–8, 13–20 | |
| Uzina de Reparații Atelierele Centrale | V2A | – | 1988–2006 | 4 | 9–12 | |
| Waggonfabrik Josef Rathgeber | M5.65 + m5.65 | Straßenbahn München | 1997–2003 | 12 | 21–32 | |
| Waggonfabrik Uerdingen | M | Straßenbahn Frankfurt am Main | 2000–2006 | 10 | 33–42 | |
| ČKD Tatra | T4D | Straßenbahn Leipzig | 2002–2006 | 12 | 43–54 | |
| ČKD Tatra | B4D | Straßenbahn Leipzig | 2002–2006 | 6 | 1, 3, 4, 6, 11, 12 |
Literatur
- Martin Harák: Straßenbahnen der k.u.k. Donaumonarchie. bahnmedien.at, Wien 2015, ISBN 978-3-9503304-9-6.
- Hilohi, Gruia; Daneș, Alexandru; Andras, Jonas: Calea ferată suburbană Brașov – Satulung. Brassó-Hosszúfalusi Kózúti Vasút. Brașov 2019, 282 S.
Weblinks
- Lokstatistik von Josef Pospichal/Brassó - Haromszek (BHHEV)
- Lokstatistik von Josef Pospichal/Brașov, Fahrzeuge aus dem Ausland
- Offizielle Website von RATBV
Anmerkungen
- ↑ Es handelte sich dabei um Julius Graf Schweinitz und Krain, siehe https://www.digital.wienbibliothek.at/name/view/5384540
Einzelnachweise
- ↑ ANNO, Pester Lloyd, 1882-09-02, Seite 10. Abgerufen am 1. Dezember 2025.
- ↑ ANNO, Neuigkeits-Welt-Blatt (Provinz-Ausgabe/Land-Ausgabe), 1882-09-08. Abgerufen am 1. Dezember 2025.
- ↑ ANNO, Neuigkeits-Welt-Blatt (Provinz-Ausgabe/Land-Ausgabe), 1885-08-23, Seite 15. Abgerufen am 1. Dezember 2025.
- ↑ ANNO, Die Presse, 1885-09-08, Seite 5. Abgerufen am 1. Dezember 2025.
- ↑ Șuluțiu, Octav: Brașov, Fundația pentru Literatură și Artă „Regele Carol II“, Bukarest 1937, S. 129.
- ↑ a b Daniel Ionașcu: Cărăbuș, primul tramvai mecanizat din România. Libertatea, 2. Juni 2021, abgerufen am 3. Dezember 2025 (rumänisch).
- ↑ studio4web.ro: Cale ferată în Piața Sfatului din Brașov (Galerie FOTO). Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 6. Juni 2021; abgerufen am 1. Dezember 2025.
- ↑ ANNO, Illustrierte Kronen Zeitung, 1907-08-07, Seite 8. Abgerufen am 1. Dezember 2025.
- ↑ ANNO, Das Vaterland, 1908-09-03, Seite 18. Abgerufen am 1. Dezember 2025.
- ↑ ÖNB-ANNO - Elektrotechnik und Maschinenbau. Abgerufen am 1. Dezember 2025.
- ↑ REGIA AUTONOMA DE TRANSPORT BRASOV. Istoric. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 13. August 2013; abgerufen am 1. Dezember 2025 (rumänisch).