Straßenbahn Boulogne-sur-Mer

Die Straßenbahn Boulogne-sur-Mer war die Straßenbahn der französischen Stadt Boulogne-sur-Mer.

Pferdebahn

Eine erste Pferdebahnlinie wurde in Boulogne am 28. Juni 1879 eröffnet. Sie führte vom Coin-Menteur zum Casino im Norden und wurde von der Compagnie anglo-française de tramways betrieben. Bald kam eine zweite Linie zu den Schlachthöfen im Süden der Stadt hinzu, eine dritte und vierte wurden jedoch nicht verwirklicht. Mangels Rentabilität des regelspurigen kleinen Netzes musste die Gesellschaft am 21. März 1881 Insolvenz anmelden. Im Juli 1881 wurde der Betrieb von der Compagnie générale des railways à voie étroite übernommen, die Édouard Louis Joseph Empain gegründet hatte.

Elektrischer Betrieb

Empain rief später die Société anonyme des Tramways de Boulogne-sur-Mer in Leben, die 1896 eine Konzession für 60 Jahre erhielt und die Rechte des bisherigen Betriebs übernehmen konnte. Die neue Gesellschaft spurte die vorhandenen Gleise auf Meterspur um und unternahm deren Elektrifizierung. Es wurden fünf Linien eingerichtet, zu denen nach der Jahrhundertwende zwei weitere hinzukamen. Sie begannen jeweils an der Place Dalton im Zentrum der Stadt.

  • Linie 1: Place Dalton – Casino (eröffnet am 15. März 1898)
  • Linie 2: Place Dalton – Bréquerecque (bis Casino auf den Gleisen der Linie 1)
  • Linie 3: Place Dalton – Chatillon (Verbindung zur Bahn nach Le Portel)
  • Linie 4: Place Dalton – Mont-Neuf-d’Outreau
  • Linie 5: Place Dalton – Le Dernier-Sou
  • Linie 6: Place Dalton – Wimereux (bis Casino auf den Gleisen der Linie 1)
  • Linie 7: Place Dalton – Saint-Martin (bis Le Dernier-Sou auf den Gleisen der Linie 5)

Zudem wurden im Pachtverhältnis zwei Strecken nach Le Portel (ab Place Dalton) sowie nach Pont-de-Briques und Hardelot (ab Casino) betrieben.

Die 40 Trieb- und 36 Beiwagen des Stadtnetzes waren 1,90 m breit und maximal 3,20 m hoch. Sie wiesen zunächst offene Plattformen auf, die später frontseitig geschlossen wurden. Für die Strecke nach Le Portel stellten die Chemins de fer économiques du Nord (CEN) im Jahr 1900 vier elektrische Triebwagen, sechs Beiwagen und einen Halbgepäckwagen zur Verfügung.

Zwischenkriegszeit

Die wirtschaftlichen Probleme der in Société des tramways électriques de Boulogne-sur-Mer (TEB) umbenannten Betreibergesellschaft in der Zwischenkriegszeit führten zum finanziellen Eingreifen der Stadt. Die Strecke vom Casino über das Zentrum nach Pont-de-Briques wurde von der TEB übernommen; wegen der starken Konkurrenz der Autobusse aufgegeben wurden jene nach Le Portel (1940) und Wimereux.

Zweiter Weltkrieg

Die Mobilmachung des Jahres 1939 führte zur vorübergehenden Einstellung des Betriebs. Große Schäden richteten 1940 die Bombardierungen durch die deutsche Luftwaffe an. Während der Deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg wurde bald darauf, hauptsächlich für den Bedarf der Besatzer, der Betrieb wieder aufgenommen.

Infolge schwerer Schäden durch die Luftangriffe der Alliierten ruhte ab Juni 1944 der Straßenbahnverkehr erneut, zumal am 16. des Monats der Betriebshof durch Bomben zerstört wurde.

Nachkriegszeit und Ende

Nach der Befreiung Frankreichs von der nationalsozialistischen Besatzung gingen nur die Strecken nach Pont-de-Briques und Saint-Martin wieder in Betrieb. Erstere wurde bis 1950 befahren; mit der Einstellung der Linie nach Saint-Martin endete am 9. Juli 1951 der Straßenbahnbetrieb.[1]

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Einzelnachweise

  1. Boulogne-sur-Mer bei amtuir.org, abgerufen am 9. Dezember 2025