Straßburger Tanzwut
Die Straßburger Tanzwut war ein Fall von Tanzwut, der von Juli 1518 bis in den August in Straßburg und Umgebung auftrat. Angeblich fingen viele hundert Menschen grundlos zu tanzen an. Viele von ihnen tanzten bis zur Erschöpfung. Die Tanzwütigen versuchte man mit der Anrufung der Heiligen Veit und Antonius zu beruhigen. Der heilige Veit gilt als Schutzpatron der Tänzer, der auch bei Krämpfen oder Veitstanz angerufen wird, er wird auch mit der Heilung von Epilepsie, Tollwut oder Schlangenbissen in Verbindung gebracht. Der Eremit Antonius ist der Schutzpatron für Menschen mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Choreomanien wurden nach diesen Heiligen auch Veitstanz oder Antoniusfeuer genannt.
Zuerst ließ man die Menschen in Straßburg zunächst bis zur Erschöpfung weitertanzen. Die städtische Obrigkeit baute den Tanzwütigen sogar eine Bühne und ließ Musik für sie spielen, ohne dass dies geholfen habe. Nach mehreren Todesfällen pilgerte man mit den Betroffenen zu einem Schrein des Heiligen Vitus im elsässischen Zabern. Nach einer Messe, in der die Tanzwütigen spezielle Schuhe tragen mussten, habe das Phänomen aufgehört. „An den Schuhen war unten und oben ein creutz mit Balsam aus Salböl gemacht und mit weywasser besprengt in St. Veits namen, das halff ihn’ vast allen“, so der elsässische Ingenieur, Kartograph und Baumeister Daniel Specklin in seiner Chronik.[1]
Als mögliche Erklärungen werden neurologische Erkrankungen wie Chorea Huntington oder eine Vergiftung mit Mutterkorn diskutiert.[2][3] Der Mutterkorn-Pilz ist hochgiftig und befällt Getreide wie Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Dinkel. Vergiftungen traten zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert oft als Begleiterscheinung von Hungersnöten auf, während derer die ärmere Bevölkerung ungereinigtes Getreide essen musste. Auch der Biss einer Wolfsspinne wird als Ursache diskutiert. Man glaubte damals außerdem, dass das Gift durch Tanzen schneller aus dem Körper verschwinden würde. Aus diesem Glauben entwickelte sich Anfang des 17. Jahrhunderts schließlich auch die Tarantella, die beim Stich einer Tarantel zum Einsatz kam. Eine überzeugende Erklärung dieses Massenphänomens gibt es aber nicht.
Paracelsus besuchte Straßburg 1526 und entwickelte die Theorie, dass eine „Frau Troffea“ mit dem Tanz begonnen habe, um ihren Ehemann in Verlegenheit zu bringen.[4] Der französische Historiker Georges Bischoff wies nach, dass er „Frau Troffea“ erfunden hatte.[5]
Literatur
- John Waller: A Time to Dance, a Time to Die. The Extraordinary Story of the Dancing Plague of 1518, Icon Books, 2008.
Einzelnachweise
- ↑ Insa Germerott: Tanzen bis zum Tod: Die Straßburger Tanzwut von 1518 vom 21. März 2025.
- ↑ Andrea Westhoff: Vor 500 Jahren: In Straßburg bricht eine Tanzwut aus Deutschlandfunk, 9. Juli 2018.
- ↑ Florian Welle: Der unheimliche Drehwurm sueddeutsche.de, 10. März 2018.
- ↑ Ned Pennant-Rea: The Dancing Plague of 1518. In: The Public Domain Review. 10. Juli 2018, abgerufen am 31. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Martin Halter: Historische Tanzwut: Der innere Kitzel des Hopsens und Zappelns. In: faz.net. 18. November 2018, archiviert vom am 19. November 2018; abgerufen am 31. Oktober 2025.