Stockschleuder
Eine Stockschleuder (lat. fustibalus) oder Stabschleuder ist eine Wurfwaffe. Sie besteht aus einer Schleuderschlinge die zur Vergrößerung der Reichweite an einem Schleuderstab angeschlagen ist.
Beschreibung
Die Stockschleuder bestand aus einem etwa 1,25 bis 1,5 Meter langen Stock mit einer Schleuder an dem einen Ende.[1] Diese wurde mit einem Lederriemen mit der Hand festgehalten und erst beim Schleudern des Geschosses losgelassen, wodurch die Stockschleuder eine größere Reichweite und Durchschlagskraft als die Funda besaß. Andere Schleudern besitzen am oberen Ende des Stabes einen flachen Haken, in dem das lose Ende der Schleuder eingehängt wird und der die Schlinge in der optimalen Phase im Schwung auslöst. Mit der Stockschleuder konnten Steine oder Wurfpfeile mit einem Gewicht von etwa 400 Gramm über 200 Meter geworfen werden.[2] Mit Stabschleudern konnten auch Granaten, Brandballen oder Sturmtöpfe auf Gegner geworfen werden.[3]
Geschichte
Die Stockschleuder, auf Lateinisch fustibalus, kam während der Römischen Kaiserzeit auf. Soldaten, die mit der Stockschleuder ausgerüstet waren, hießen fustibalor (Stockschleuderwerfer).[4] Diese Waffe wurde in Europa über die Spätantike bis in das Mittelalter verwendet.[5] Beispiele für Stockschleudern finden sich in spätmittelalterlichen Handschriften wie Konrad Kyesers Bellifortis oder ähnlichen kriegstechnischen Handschriften weiterer Autoren.[6][7][8]
Siehe auch
Literatur
- Peter Connolly: Die römische Armee. Tessloff-Verlag, ISBN 3-7886-0180-9.
- Renaud Beffeyte: Les machines de guerre au Moyen Age. Editions Ouest-France, S. 23. (franz.)
Weblinks
- Stabschleuder & Stockschleuder auf Steinschleudern
- Schleuder auf Michael von Auenberg
Einzelnachweise
- ↑ Meyers-Fustibălus. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 6, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 805.
- ↑ Kelly DeVries, Robert Douglas Smith: Medieval military technology. University of Toronto Press, 2012, ISBN 978-1-4426-0497-1, S. 3.
- ↑ Wendelin Boeheim: Handbuch der Waffenkunde. Seemann, Leipzig 1890, Die Schleuder, S. 385–388 (uni-heidelberg.de).
- ↑ Peter Connolly: Die römische Armee. Tessloff-Verlag, ISBN 3-7886-0180-9, S. 23.
- ↑ Renaud Beffeyte: Les machines de guerre au Moyen Age. Editions Ouest-France, S. 23.
- ↑ Kriegstechnik (Bilderhandschrift). S. 105v (Zentralbibliothek Zürich [abgerufen am 30. September 2024] um 1420-1440).
- ↑ sog. Weimarer Ingenieurkunst- und Wunderbuch. S. 267r (Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar – 1440–1520).
- ↑ Franz Helm, Georg Fronsberg: Ein Buch zusamen gezogenn, ausser viellen Probierttenn Kúnsten, vnd Erfarungen, wie,… S. 50r (Badische Landesbibliothek Karlsruhe – 16. Jahrhundert; Ganzseitige kolorierte Zeichnung: Sturmkrug, Sturmtopf, Brandsatzschleudern, Feuerkugeln etc.).