Stillhütchen
Stillhütchen (auch Brusthütchen oder Brustschild von engl. nipple shield) werden in verschiedener Form seit Jahrhunderten zur Unterstützung beim Stillen verwendet. Sie werden vor dem Anlegen des Babys auf die Mamillen gesetzt und bedecken meist sowohl die Brustwarze als auch den Hof vollständig. Gründe können Stillprobleme durch überreizte oder flache / nach innen gerichtete Mamillen sein.[1] Bis zur Entwicklung von Kunststoffen wie Silikon wurden Brusthütchen z. B. aus Tierhäuten, Wachs, Metallen, Glas, Holz oder Elfenbein hergestellt; Naturstoffe kommen heute aus hygienischen Gründen kaum noch zum Einsatz. Insbesondere Stillhütchen aus Blei (siehe Bilderleiste) werden aufgrund der Gefahr von Bleivergiftungen nicht mehr verwendet. Heute bestehen Stillhütchen je nach Anwendungszweck meist aus Silikon oder Silber.
Verwendet werden Brusthütchen aus verschiedenen Gründen:
- Manche Mütter haben kleine, flache oder nach innen gerichtete Mamillen, die das Saugen erschweren können. Ein Brustschild kann als Überbrückung dienen, bis sich in vielen Fällen die Mamille durch den Unterdruck beim Saugen noch etwas nach außen wölbt.
- Sehr kleine, schwache oder erkrankte Neugeborene können anfangs besondere Schwierigkeiten beim Saugen haben. Ein Stillhütchen kann das Stillen erleichertern und Entmutigung des Säuglings verhindern, bis etwas Kraft aufgebaut wurde.
- Neugeborene, die nach der Geburt erst einmal mit der Flasche (zu)gefüttert werden mussten, gewöhnen sich oft an den Saugkopf der Flasche. Brusthütchen aus Silikon sind den Milchflaschen sehr ähnlich und können den Übergang (zurück) zum Stillen erleichtern.
- Stillen kann schmerzhaft sein. Bei stillassoziierten Schmerzen und rissiger Haut oder Wundbildung an den Mamillen kann die Nutzung eines solchen Brustschildes gegebenenfalls das Weiterstillen ermöglichen, während die Wunden geschützt weiter heilen können. Zu diesem Zweck werden häufig auch Silberhütchen mit hohem Feinsilbergehalt verwendet, da reines Silber eine antimikrobielle Wirkung aufweist und das Metall zudem kühlend und dadurch schmerz- und jucklindernd wirkt. Silberhütchen haben jedoch anders als Silikonstillhütchen meist keinen Milchdurchlass und werden daher meist bis kurz vor und unmittelbar nach dem Stillen auf die Mamille gelegt, auch um weitere Reibung unter der Kleidung zu verringern.
- In manchen Kontexten werden Daten zur konsumierten Milchmenge benötigt. Die Nutzung bestimmter Stillhütchen kann die Messung vereinfachen.
Aus medizinischer Sicht wird die Verwendung von Brusthütchen meist nicht oder nur als temporäre Lösung empfohlen, da sie zu einer ungünstigen Saugtechnik und zu verminderter Milchproduktion führen kann. Bei flachen oder invertierten Mamillen wird stattdessen das kurze Anpumpen vor dem Stillen oder das Anlegen eines kalten Waschlappens vor dem Stillen empfohlen.[1] Vor Beginn einer Schwangerschaft kann mittels einer Niplette durch Unterdruck nichtinvasiv eine Korrektur der Brustwarzen herbeigeführt werden. Während der Schwangerschaft und nach der Geburt kann ein ähnlicher Effekt durch Milchpumpen oder das Saugen des Neugeborenen erzeugt werden.
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Stillhütchen aus Sterlingsilber, Elfenbein und Glas.
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Stillhütchen aus Blei (links) und Glas (rechts) von vor 1900.
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Stillhütchen aus Silikon
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Silikonhütchen wird vor dem Anbringen umgestülpt
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Anbringen eines Silikonhütchens
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Mamille mit angelegtem Silikonhütchen
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Neugeborenes tastet nach der bedeckten Mamille
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Neugeborenes beginnt zu saugen