Stiller (Film)
| Film | |
| Titel | Stiller |
|---|---|
| Produktionsland | Schweiz, Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
| Länge | 99 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Stefan Haupt |
| Drehbuch | Stefan Haupt, Alexander Buresch |
| Produktion | Tobias Walker, Anne Walser, Philipp Worm |
| Musik | David Hohl, Richard Ruzicka |
| Kamera | Michael Hammon |
| Schnitt | Franziska Koeppel |
| Besetzung | |
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Stiller (internationaler englischsprachiger Titel I’m Not Stiller) ist ein Filmdrama von Stefan Haupt. Bei der schweizerisch-deutschen Koproduktion handelt es sich um eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Max Frisch. Der Film mit Paula Beer, Albrecht Schuch, Sven Schelker, Marie Leuenberger, Max Simonischek und Stefan Kurt in den Hauptrollen feierte im Juni 2025 beim Filmfest München seine Premiere. Mitte Oktober 2025 kam er in die Schweizer Kinos und startete Ende Oktober 2025 in Deutschland.
Handlung
In den 1950er Jahren. Während einer Zugreise durch die Schweiz wird ein US-Amerikaner, der einen auf den Namen James Larkin White ausgestellten Pass besitzt, an der Grenze festgenommen. Man glaubt, er sei der vor sieben Jahren verschwundene Bildhauer Anatol Stiller, der wegen seiner Verwicklung in eine dubiose politische Affäre gesucht wird. White beharrt darauf, nicht Stiller zu sein. Um ihn zu überführen, bittet die Staatsanwaltschaft Stillers Frau Julika um Hilfe, doch auch sie kann ihn nicht eindeutig identifizieren.[3]
Literarische Vorlage
Der Film basiert auf dem Roman Stiller von Max Frisch, der 1954 im Suhrkamp-Verlag erschien, in 34 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft wurde. Stiller brachte Frisch den Durchbruch als Romanschriftsteller.[3] Der Ich-Erzähler des Buchs, der sich James Larkin White nennt, wird verhaftet, weil man in ihm den verschollenen Bildhauer Anatol Stiller wiederzuerkennen glaubt. Auch sein Pflichtverteidiger Dr. Bohnenblust versucht, ihm mit allen Mitteln zu beweisen, dass er der ist, der er nicht sein will. In dieser Situation wird ausgerechnet der Staatsanwalt zu Whites engstem Vertrauten und bald zu einem Freund. Staatsanwalt Rolf ist mit Stillers früherer Existenz verknüpft. Seine Frau Sibylle war es, mit der Stiller eine Affäre hatte, woran die junge Ehe beinahe zerbrochen war. Die Balletttänzerin Julika hatte mit Stiller eine schwierige Ehe geführt.
Frisch nimmt in Stiller in Zitaten Bezug auf Einflüsse aus Kultur und Literatur sowie auf seine Reiseerfahrungen in Mexiko und den USA. Der echte James Larkin White war ein US-amerikanischer Cowboy und Höhlenforscher, der als Erster die Carlsbad Caverns erforschte. Frisch hörte bei einem Besuch dieser im Oktober 1951 von ihm und übernahm seinen Namen als Ich-Erzähler seiner Geschichte. Auch in Jim White’s Own Story hat er dessen Geschichte übernommen.
Produktion
Filmstab und Besetzung
„Was mich an dem Roman bis heute fasziniert, sind seine Fragen nach Identität, nach Selbst- und Fremdwahrnehmung. Die sind heute so aktuell wie damals.“
Regie führte der Schweizer Stefan Haupt, der gemeinsam mit Alexander Buresch auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete. Stiller ist Haupts siebter Spielfilm. Der Regisseur äußerte sich zu Frischs Vorlage, dessen Roman fasziniere wegen der Fragen nach Identität und nach Selbst- und Fremdwahrnehmung bis heute: „Junge Leute kennen Frisch oft gar nicht mehr. Dennoch bin ich überzeugt, dass der Film auch ohne Kenntnis des Romans funktioniert.“[4] Haupt und Buresch verdichteten bei ihrer Arbeit die Erzählstruktur aus der Romanvorlage. Eine zentrale Idee sei es gewesen, die Hauptfigur doppelt zu besetzen und sowohl White, der Mann, der behauptet, nicht Stiller zu sein, als auch in Rückblenden den echten, jungen Stiller zu zeigen: „Diese Doppelung ist unsere filmische Antwort auf die Fragen nach der Identität im Roman“, so Haupt.[4]
Albrecht Schuch spielt den an der Grenze festgenommenen US-Amerikaner James Larkin White, Paula Beer Stillers Frau Julika und der Schweizer Theater- und Filmschauspieler Sven Schelker den jungen Anatol Stiller. Schuch und Beer standen bereits für die Fernsehserie Bad Banks gemeinsam vor der Kamera.[4] Mit Schelker arbeitete Haupt bereits für Der Kreis zusammen.[4] Bekannt ist er außerdem aus Hauptrollen in Filmen wie Goliath von Dominik Locher und Nebenrollen in Filmen wie Das Verschwinden des Josef Mengele von Kirill Serebrennikow. Der Schweizer Schauspieler Max Simonischek ist in der Rolle von Staatsanwalt Rolf zu sehen. In seinem Film Zwingli hatte Haupt mit ihm die Hauptrolle besetzt. Gabriel Raab spielt Dr. Bretscher und Marius Ahrendt den Gefängniswärter Knobel.[5] In weiteren Rollen sind Marie Leuenberger und Stefan Kurt zu sehen. Letzterer spielt Whites Pflichtverteidiger Dr. Bohnenblust. Das Casting übernahm Simone Bär.[4]
Filmförderung und Dreharbeiten
Der Film erhielt vom Deutschen Filmförderfonds eine Produktionsförderung in Höhe von rund 628.000 Euro, vom FilmFernsehFonds Bayern in Höhe von 750.000 Euro, von der Filmförderungsanstalt in Höhe von 350.000 Euro und von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg in Höhe von 80.000 Euro.
Die Dreharbeiten fanden von Ende Oktober 2023 bis Mitte Dezember 2023 im Schweizer Davos, in Zürich, in München, im bayrischen Nördlingen und der nahegelegenen Gemeinde Penzing statt.[3] Dem Regisseur war es wichtig, Zürcher Schauplätze wie das Grossmünster, den Lindenhof und das Zürichhorn am See zu zeigen.[4] Als Kameramann fungierte Michael Hammon, mit dem Haupt bereits für Zwingli zusammenarbeitete.
Filmmusik und Veröffentlichung
Die Originalmusik stammt von David Hohl, ergänzt durch Kompositionen von Richard Ruzicka.[6] Das Soundtrack-Album wurde im Oktober 2025 von SAD Records veröffentlicht.[7]
Der erste Trailer wurde Ende Mai 2025 vorgestellt.[8] Die Premiere des Films fand am 30. Juni 2025 beim Filmfest München statt.[9][10] Ende September, Anfang Oktober 2025 wurde er beim Zurich Film Festival gezeigt.[11] Der Kinostart in der Schweiz war am 16. Oktober 2025, in Deutschland am 30. Oktober 2025.[12]
Rezeption
Kritiken und Besucherzahlen
Simon Eberhard schreibt in seiner Kritik für outnow.ch, man solle bei Stiller keinen Thriller erwarten, vielmehr gehe es in Frischs Buch wie auch in diesem Drama um die Frage nach der eigenen Identität. Gezwungenermassen müsse der Film dabei den vielschichtigen und komplexen Gesellschaftsroman massiv an Komplexität reduzieren. Stefan Haupt habe dieses Problem gelöst, indem er gnadenlos entschlackt und die Handlung auf die Basisgeschichte rund um Anatol Stiller und seinen mutmasslichen Doppelgänger reduziert. Der Vorteil dieser Reduktion aufs Wesentliche sei, dass der Film in dieser auf eine publikumsfreundliche Länge von 100 Minuten heruntergedampften Form auch all jene abholt, die die literarische Vorlage nicht kennen. Der Nachteil hingegen sei, dass viele reizvolle Nebenaspekte des Romans verlorengehen. Ähnliches gelte für die Nebenfiguren. Paula Beer gebe ihre Julika Stiller zwar überzeugend, deren Figurenzeichnung bleibe allerdings eher oberflächlich. Noch schlimmer habe es Max Simonischek als Staatsanwalt erwischt, der im Buch eine wichtige Nebenfigur mit einer eigenen Storyline ist, im Film jedoch nicht mehr als ein Stichwortgeber. Ein Ärgernis sei auch das abrupte Ende, das nicht nur von jenem aus dem Buch abweicht, sondern die Geschichte richtiggehend abwürgt.[13]
In den deutschen Kinos verzeichnet der Film 102.438 Besucher.[14]
Auszeichnungen
- Nominierung im Wettbewerb Cinecopro[9]
Literatur
- Max Frisch: Stiller: Roman (= Suhrkamp Taschenbuch. Nr. 105). 48. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973, ISBN 978-3-518-36605-9 (Erstausgabe: 1954).
Weblinks
- Stiller bei IMDb
- Stiller bei crew united
- Stiller im Programm des Filmfest München
- AscotElite: STILLER - Trailer Schweiz auf YouTube
Einzelnachweise
- ↑ Freigabebescheinigung für Stiller. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüfnummer: 265778).
- ↑ Alterskennzeichnung für Stiller. Jugendmedienkommission.
- ↑ a b c Drehbeginn der starbesetzten Max Frisch-Verfilmung 'Stiller'. In: studiocanal.de, 6. November 2023.
- ↑ a b c d e f g Chris Schinke: Stefan Haupt: „Ich lasse mich von realen Atmosphären inspirieren“. In: Blickpunkt:Film, 26. Juni 2025.
- ↑ Stiller. In: filmstarts.de, abgerufen am 31. Oktober 2025
- ↑ Stiller. In: davidhohl.ch. Abgerufen am 21. Juni 2025.
- ↑ 'I’m Not Stiller' Soundtrack Released. In: filmmusicreporter.com, 20. Oktober 2025.
- ↑ Chris Schelb: Nach dem Meisterwerk von Max Frisch: Erster Trailer zum Thriller-Drama «Stiller». In: outnow.ch, 26. Mai 2025.
- ↑ a b Damian Sprenger: "Stiller" und "Zweitland" prägen Fokus auf Alpennationen beim Filmfest München. In: Blickpunkt:Film, 22. Mai 2025.
- ↑ Ein komplexes Spiel der Identitäten nach Max Frischs Romanklassiker. In: Filmfest München, abgerufen am 31. Oktober 2025
- ↑ Stiller. In: zff.com. Abgerufen am 12. September 2025.
- ↑ Stiller. In: swissfilms.ch. Abgerufen am 19. Januar 2025.
- ↑ Simon Eberhard: Filmkritik: Das Leben des Anderen. In: outnow.ch, 29. September 2025.
- ↑ Top 100 Deutschland 2025. In: insidekino.com. Abgerufen am 31. Dezember 2025.