St. Pelagius (Denkendorf)

Das Kloster Denkendorf war ein dem heiligen Pelagius geweihtes Stift des Ordens der Chorherren vom Heiligen Grab[1] in Denkendorf im Landkreis Esslingen. Dessen ehemalige Klosterkirche St. Pelagius ist eine um 1200 geweihte Basilika. Die heutige Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Esslingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Das Kirchengebäude ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz.

Geschichte

Die Basilika wurde im Kern um 1200 als Klosterkirche des Klosters Denkendorf errichtet. Im 13. bis 15. Jahrhundert wurde sie als Wallfahrtskirche viel besucht. Die Innenrenovierung von 1955 bis 1957 rekonstruierte auch Teile des Kirchengebäudes und Dachwerks; bei der Innenrenovierung 2012 durch die Stuttgarter Architekten Kreuz + Kreuz wurde das Lichtmanagement neu geplant und entsprechende Leuchten entworfen.

Architektur

Die Stiftskirche ist eine flachgedeckte, dreischiffige Pfeilerbasilika, die seit 1977 wieder die historisch nachgewiesene Farbfassung trägt.[2] Der gerade geschlossene Chor wurde zwischen 1230 und 1240 in die zwei östlichen Joche des Mittelschiffs eingebaut. Er ist innen mit einem Kreuzrippengewölbe überspannt. Um 1220 wurde im Westen vor dem Kirchturm in Längsrichtung ein dreischiffiger, quer mit einem Walmdach bedeckter Anbau mit zwei Jochen angefügt, hinter dessen Portal sich die wuchtige Vorhalle befindet. Die unteren fünf Geschosse des Kirchturms stammen vom frühromanischen Vorgängerbau, die oberen beherbergen die Turmuhr und den Glockenstuhl. Darauf sitzt ein mit einer Laterne bekrönter Turmhelm, von Heinrich Schickhardt 1634 (nach einem Turmbrand 1633) mit der auch bei zahlreichen anderen seiner Bauten[3] charakteristisch geschwungenen Turmdachform versehen, an der sich die in der Spätrenaissance noch gültigen Merkmale von Harmonie und Vollkommenheit ablesen lassen.[4]

Ausstattung

Die Stirnwand über dem gotischen Triumphbogen ist mit den Resten eines Weltgerichts-Freskos gestaltet, in der Mitte mit der Majestas Domini. Im Triumphbogen hängt ein Kreuz mit einem gotischen Kruzifixus. Zur Ausstattung gehörte früher ein Flügelaltar von 1515, dessen Schrein jetzt aufgeklappt links im Chor an der Wand befestigt ist, im Mittelteil mit einer Kreuzigungsszene, links und rechts mit je einer Kreuzwegstation bemalt. Die Kanzel mit Schnitzwerk aus dem Jahr 1518[5] ist am vierten der fünf südlichen Pfeiler von Westen aufgestellt,[6][7] an der Grenze zum höhergelegenen Ostteil über der Krypta. Im Chor stehen noch einige Teile des historischen Chorgestühls, mit Relief- und Flachschnitzerei verziert. Im Jahre 1957 wurden die zwei Fenster im flachen Chorschluss vom Stuttgarter Glaskünstler Adolf Valentin Saile mit Glasgemälden versehen: Abendmahl, Kreuzigung und Auferstehung. In der Rosette ist das Opferlamm mit der Siegeszeichen zu sehen, umgeben von zwölf Engeln.

Immanuel Preuß schuf 2006 mit der Stuttgarter Glasmalereiwerkstatt Saile in der Kirche das Altarkreuz aus blauem Glas, durchsichtig für den Blick auf die Chorfenster, und den Leuchter, Ambo und Kanzelaufsatz aus Alabaster. Das Metall-Altarkreuz in der Krypta schuf Ingrid Seddig.

Sonstiges

St. Pelagius ist neben der 1971 von Architekt Werner Schulze-Ardey errichteten Auferstehungskirche mit Gemeindezentrum die ältere der beiden evangelischen Ortskirchen und wird für Gottesdienste und Kulturveranstaltungen genutzt. Die nördlich der Stiftskirche gelegene spätgotische Friedhofskirche besitzt unter anderem eine bemalte Holzdecke. Die umgebaute Zehntscheuer des ehemaligen Klosters dient heute als Gemeinderaum.

In der Apsis der Klosterkirche wird im Dezember die Krippe der Margarethe Schmid aufgestellt. Sie erzählt mit 76 Figuren die Geschichte vom Sündenfall bis zur Flucht nach Ägypten.

Literatur

  • Julius Baum: Die Kirchen des Baumeisters Heinrich Schickhardt; Dissertation Tübingen 1905
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. Deutscher Kunstverlag, München 1993, S. 133–134.
  • Evangelische Klosterorte in Württemberg; Magazin in der Reihe „Spuren“, hg. Ev Landeskirche in Württemberg, Ev. Oberkirchenrat; Stuttgart 2018
  • Heinrich Werner: Kloster Denkendorf - Ein Gang durch seine Bauten und seine Geschichte; 6., durchgesehene und verbesserte Auflage 2012
  • Dorothee Fauth: Das schwäbische Jerusalem; in: Ev. Gemeindeblatt für Württemberg, Nr. 8/2018, Seite 30 f
  • Zeichen des Unsichtbaren – Alte und neue Kunst in der Klosterkirche Denkendorf; hg. Ev. Kirchengemeinde Klosterkirche Denkendorf; o. J. (2007)
  • Sönke Lorenz, Oliver Auge, Sigrid Hirbodian (Hg.): Handbuch der Stiftskirchen in Baden-Württemberg; Ostfildern 2019
  • Reinhard Mauz: Die Klosterschulen in Denkendorf - Geschichte und Schüler der Klosterschulen; Koblenz 2022 - ISBN 978-3-86424-575-6
  • Dorothee Fauth: Schwäbisches Jerusalem; in: Ev. Gemeindeblatt für Württemberg, Nr. 6/2024, S. 16 f
  • Ulrike Rapp-Hirrlinger: Senf und Likör im Kloster; in: Ev. Gemeindeblatt für Württemberg, Nr. 22/2024, S. 24 f

Einzelnachweise

  1. Datenbank Klöster in Baden-Württemberg des Landesarchivs Baden-Württemberg: Stift der Chorherren vom Heiligen Grab [1]
  2. Rainer Hussendörfer: Die wiederhergestellte Farbfassung an der ehemaligen Klosterkirche Denkendorf; in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg – Nachrichtenblatt des Landesdenkmalamtes; 6. Jg., Nr. 4/1977, Stuttgart 1977, Seite 137–143
  3. mit oder ohne Laterne: 1601 Freudenstadt Torhaus, 1602 Planung Mömpelgard/Montbéliard (nicht verwirklicht), 1610 Leonberg Pomeranzengarten Eckpavillon, 1613 Urach-Seeburg, 1618 ff Vaihingen/Enz Stadtkirche und Rathaus, 1619 Göppingen Stadtkirche, 1621 Bretten-Gölshausen, 1623 Wildbad, 1627 Backnang Schloss, 1632 Laichingen, 1634 Denkendorf
  4. siehe Konstruktions- und Proportionszeichnung des Turmhelms der Denkendorfer Klosterkirche von 1976, in: Rolf Deuschle: Heinrich Schickhardt in Denkendorf; in: Un Pont. Eine Brücke; Mitteilungen 2018/2019 der Heinrich Schickhardt – Europäische Kulturstraße e.V. Nr. 18, Horbourg-Wihr, 2019, S. 6 f
  5. [2] Information zum 500. Kanzeljubiläum 2018 siehe Website der Kirchengemeinde
  6. Karl Halbauer: Predigstül - Die spätgotischen Kanzeln im württembergischen Neckargebiet bis zur Einführung der Reformation; in der Reihe: Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen, Band 132; Stuttgart 1997, S. 118–124
  7. Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche – Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen; Ubstadt 2025, S. 240, 276 – ISBN 978-3-95505-592-9.

Koordinaten: 48° 41′ 31,8″ N, 9° 18′ 55,7″ O