Stiftskirche St. Pankratius (Backnang)

Die Stiftskirche St. Pankratius ist eine evangelische Kirche in Backnang im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg.

Sie war ursprünglich Bestandteil des zu Beginn des 12. Jahrhunderts gegründeten Augustiner-Chorherrenstifts und dient seit der Reformation als Hauptkirche der evangelischen Kirchengemeinde in Backnang.

Geschichte

Die Stiftskirche St. Pancratius in Backnang war ursprünglich Bestandteil des vor 1116 von Hermann II., Markgraf von Verona und Baden, und seiner Frau Judith von Backnang auf dem Backnanger Burgberg gegründeten Augustiner-Chorherrenstifts.[1] 1116 bestätigte Papst Paschalis I. die Gründung. Die Stiftskirche St. Pankratius war von 1123 bis 1243 Grablege der mit den Zähringern verwandten Markgrafen von Baden.

1235 wurde das Stift in eine Fehde zwischen Markgraf Hermann V. und den Herren von Neuffen verwickelt. Während der Auseinandersetzung wurde das Stift durch Heinrich von Neuffen verwüstet und verbrannt. Markgräfin Irmengard überführte daher 1243 die sterblichen Überreste ihres Mannes nach Lichtental in das dortige Zisterzienserinnenkloster.

1297 wurde Backnang württembergisch, 1535 wurde das Stift aufgehoben.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die romanische Apsis abgetragen und durch einen großen spätgotischen Chor mit weit gespanntem Sternnetzgewölbe ersetzt. Dabei wurde das Fußbodenniveau des Chors tiefer gelegt, wodurch die Krypta aufgegeben wurde. Nördlich des Chors entstand ein zweigeschossiger Anbau für Sakristei und Bibliothek. Zwischen den beiden Türmen wurde ein Lettner mit Empore eingezogen, und die Kirche erhielt eine erste Orgel.[2]

Spätestens ab 1537 wurde die Stiftskirche, mit Unterbrechungen zwischen 1548 und 1552 sowie 1635 und 1648, für evangelische Gottesdienste genutzt. Nach der Reformation wurden im Inneren Emporen eingezogen, und 1577 verband ein Fachwerkaufbau mit Dachreiter die beiden Türme.[2]

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Backnang am 23. Juli 1693 von französischen Truppen geplündert und gebrandschatzt. Dabei brannte die Stiftskirche bis auf den Chor ab. Von der gotischen Ausstattung blieben nur zwei Schränke erhalten. Der Chor, dessen Gewölbe stehen geblieben waren, diente zunächst als Notkirche. 1694 wurde über dem Chor wieder ein Dachstuhl errichtet. Das Langhaus musste wegen der Brandschäden vollständig abgetragen und wurde bis 1697 durch einen stützenfreien Saalbau ersetzt, der dem evangelischen Gottesdienst besser entsprach.

1702 wurde die Orgel auf die Empore im Chor verlegt.

Im Jahr 1895 wurde die Kirche durch Heinrich Dolmetsch restauriert und neogotisch umgestaltet. Dabei erhielt der Chor eine neue Orgel des Ludwigsburger Orgelbauers Eberhard Friedrich Walcker. Äußerlich wurde das Kirchenschiff 1913/14 durch Theodor Dolmetsch und Felix Schuster in Jugendstilformen neu gestaltet.[2]

1929 legten die Architekten Werner Klatte und Richard Weigle die Krypta wieder frei, vertieften sie und rekonstruierten sie in neuer Form. Seitdem befinden sich dort die Überreste der badischen Markgrafenfamilie.

1973 erfolgte eine Erneuerung des Außenbaus, und zwischen 2015 und 2021 wurde die Kirche umfassend generalsaniert.

Architektur und Ausstattung

Die ehemalige Stiftskirche auf dem Backnanger Burgberg prägt bis heute das Stadtbild.

Die ältesten Bauteile stammen von der romanischen Kirche des 12. Jahrhunderts, die als Zentrum des Augustiner-Chorherrenstifts errichtet wurde. Es handelte sich ursprünglich um eine dreischiffige Basilika ohne Querschiff mit vermutlich flach gedeckten Decken. An das Mittelschiff schloss sich ein Chor an, während die Seitenschiffe in kleinen Kapellen endeten, über denen sich die beiden Türme erhoben. Die Kapellen besaßen kleine, außen nicht sichtbare Apsiden. Vermutlich hatte der Hauptchor eine große Apsis. Unter ihm befand sich eine Krypta, die stark überarbeitet erhalten blieb. Auch die beiden Türme mit ihren charakteristischen Rundbogenarkaden stammen aus dieser Zeit.[2]

Der spätgotische Chor aus dem frühen 16. Jahrhundert mit seinem weit gespannten Sternnetzgewölbe entspricht in seiner Länge dem Hauptschiff. Der nördlich angefügte zweigeschossige Anbau diente Sakristei und Bibliothek.

Glocken

Zur Stiftskirche gehören auch fünf Kirchenglocken, die 1950 von der Stuttgarter Glockengießerei Kurtz gegossen wurden. Außer der kleinsten, der Vaterunser-Glocke, hängen sie aber, da ein Kirchturm fehlt, nicht in der Kirche, sondern im benachbarten Stadtturm. Obwohl die Glocken klanglich harmonieren, wird die Vaterunserglocke im romanischen Nordgiebel der Kirche meist nur solistisch geläutet.[3]

Glocke Name Gewicht Schlagton
1 Totenglocke 1630 kg d′
2 Zwölfuhrglocke 940 kg f′
3 Abendglocke 660 kg g′
4 Taufglocke 400 kg b′
5 Vaterunser-Glocke 270 kg c″

Vor der Kirche ist eine historische Kirchenglocke von 1739 aufgestellt.

Orgeln

Die Stiftskirche verfügt über eine über 500-jährige Orgeltradition. Die erste Orgel wurde um 1500 im Chor aufgestellt und stand dort bis 1601. Sie hatte vermutlich höchstens acht Register und wurde mehrfach repariert, unter anderem 1561/62 durch Paul Liebleben aus Heilbronn und 1584/85 durch Sixt Mayer.

1601 wurde die zweite Orgel von Marx Günzer errichtet. Sie war zunächst als Schwalbennestorgel auf einer kleinen Empore an der Nordseite des Chors angelegt und wurde im Laufe der Jahre mehrfach gestimmt und repariert. 1693 wurde die Orgel beim Stadtbrand zerstört.

Nach fast zehn Jahren ohne Orgel baute Johann Michael Schmahl 1702 eine neue Orgel mit 12 Registern, die über Jahrzehnte mehrfach repariert und verändert wurde. 1895 wurde dieses Instrument abgebaut und durch eine romantisch-pneumatische Orgel der Firma Eberhard Friedrich Walcker mit 30 Registern ersetzt, die 1929 auf die Westempore versetzt wurde.

Die heutige Orgel stammt aus dem Jahr 1958, erbaut von der Werkstätte Friedrich Weigle. Sie verfügt über 45 Register auf drei Manualen und Pedal, wobei ein Teil der Pfeifen der Vorgängerorgel wiederverwendet wurde.[4] 2007 erfolgte eine umfassende Restaurierung durch die Firma Lenter, bei der die Orgel gereinigt, technisch überholt und neu intoniert wurde.[5]

1998 wurde zusätzlich noch eine Truhenorgel des Orgelbauers Michael Kreisz (Schwäbisch Gmünd) mit sechs Registern und geteilten Schleifen angeschafft.[4] Die Disposition: Holzprinzipal 8', Rohrgedeckt 8', Rohrflöte 4', Nasat 223', Oktave 2', Terz 135'.

Commons: Stiftskirche, Backnang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Stiftskirche St. Pancratius Backnang. Abgerufen am 31. Oktober 2025.
  2. a b c d Torsten Kracke: Stadtrundgang. Abgerufen am 31. Oktober 2025.
  3. Backnang, Die Glocken der Stiftskirche St. Pankratius auf youtube.com
  4. a b www.Musik-Medienhaus.de: Das Portal der Königin. Abgerufen am 31. Oktober 2025.
  5. Orgelgeschichte. Abgerufen am 31. Oktober 2025.

Koordinaten: 48° 56′ 44″ N, 9° 25′ 56″ O