Stephanuskirche (Alfdorf)
Die Stephanuskirche in Alfdorf ist eine nach dem Erzmärtyrer Stephanus benannte evangelische Quersaalkirche im barocken Stil.
Baugeschichte
1297 wird eine Kapelle in Alfdorf erwähnt, die zur Pfarrei Lorch gehört. Ab 1349 wird eine Frühmesse in Alfdorf erwähnt.[1]
Weil die alte Kirche einsturzgefährdet war, wurde auf Beschluss und Kosten des Freiherrn Gottfried Freiherr vom Holtz in den Jahren 1774 bis 1776 durch den Barockbaumeister Johann Michael Keller den Jüngeren ein Neubau errichtet. Vorbild war die Aalener Stadtkirche, die ebenfalls von Keller erbaut wurde. Beide Kirchen können nach neuestem Forschungsstand jedoch nicht mehr als frühe und seltene Beispiele württembergischer Querkirchen eingestuft werden.[2] Johann Kellers Originalbauplan ist verschollen; im Staatsarchiv Ludwigsburg befinden sich noch 22 Entwürfe aus dem 18. Jahrhundert, von denen jedoch keiner zur Ausführung kam.
Die Kirche wurde am 13. Oktober 1776 mit einem vierstündigen Gottesdienst eingeweiht, für den eine eigene Kantate komponiert wurde.[3.1]
In den Jahren 1957 und 2015 wurde sie renoviert.
Architektur
Auffallend ist der gelbleuchtende Kirchturm. Für die Gegend selten ist das „Zwiebeldach“. Das untere Mauerwerk des Turms stammt aus der Zeit um 1500.
Die Besonderheit liegt jedoch in der Raumgestaltung. Es ist eine Quersaalkirche mit Altar, Kanzel und Taufstein an der Längsseite so, dass die Anordnung der Sitzplätze immer einen Halbkreis beschreibt. Die Rokokostuckdecke verleiht dem Raum eine gute Akustik.
Ausstattung
Das Marmorkruzifix der Kirche stammt aus dem Jahr 1688 und stand bereits in der Vorgängerkirche. Es wurde vom Stuttgarter Hofbildhauer Benjamin Grünewald angefertigt. Der Taufstein wurde in der Erbauungszeit der Kirche von dem Alfdorfer Steinbildhauer Josef Wagner gefertigt.[4] Die Kanzel wurde im Jahr 1776 von Baumeister Johann Michael Keller entworfen, vom örtlichen Schreiner in Holz ausgeführt und von Stukkator Laurentius Huber aus Neresheim mit ornamentalem und figürlichem Stuck versehen. Die Farbfassung stammt von Johann Michael Grösse aus Hüttlingen und wurde erst 1779/80 aufgebracht.[3.2]
Im früheren Gebetsraum der Patronatsfamilie vom Holtz befindet sich ein Ofen mit gusseisernen Platten aus dem Jahr 1721. Er wurde im Hüttenwerk Königsbronn hergestellt und zeigt neben dem Wappen eine allegorische Darstellung des Glaubens.
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Taufstein
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Gussofen von 1721
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Patronatsloge
Wandgemälde
An der Nordseite, hinter der Kanzel und dem Altar, ist ein großes Wandgemälde vorhanden. Dieses Gefallenen- und Vermisstendenkmal wurde 1951 vom Kirchenmaler Rudolf Schäfer in der Casein-Secco-Technik entworfen und ausgeführt. Es zeigt links Abraham und Isaak, rechts die Darstellung Jesu im Tempel. Somit sind die beiden Menschen rechts und links der Kanzel im vorweggenommenen Schmerz um ihre Söhne verbunden. Darüber stehen das Lamm und der Regenbogen als Zeichen des Bundes mit Gott und des Friedens. 2014/15 wurde das Gemälde restauriert.
Orgel
1674/75 wurde eine neue Orgel in der Vorgängerkirche errichtet.[3.3] Am 25. Oktober 1774 wurde ein Vertrag mit dem Orgelmacher Joseph Allgeyer von Wasseralfingen unterzeichnet, nach dem dieser die in Eigenleistung aus der alten Kirche ausgebaute alte Orgel um ein Register, und zwar um ein Prinzipal mit 8 Fuß und mit Zinnpfeifen, erweitern sollte. Außerdem sollte er das ganze Werk um einen halben Ton tiefer stimmen, drei neue Windladen und „das Walzen-Brett nebst ... Pedal mit 2 Oktaven“ neu fertigen.[3.4]
Diese aus der Vorgängerkirche übernommene und erweiterte Orgel befand sich am Ende des 19. Jahrhunderts in einem mangelhaften Zustand. 1881 wurde durch die Orgelbaufirma Link eine neue Orgel mit 15 Registern auf zwei Manualen und Pedal und einem Prospekt im Neorenaissance-Stil eingebaut, die von Link ursprünglich für die Württembergische Landes-Gewerbe-Ausstellung in Stuttgart von 1881 gebaut worden war.[3.5]
1917 mussten die Prospektpfeifen aus Zinn als Metallspende abgeliefert werden und wurden bis 1922 in Zink ersetzt.
1966 baute der Orgelbauer Kurt Oesterle ein neues Instrument in das historische Gehäuse von 1881 ein. Dieses wurde 1994/96 von der Orgelbauwerkstatt Scharfe (Ebersbach/Fils) überarbeitet. Dabei wurden auch zwei Zungenregister der ehemaligen Sauer-Orgel der Staatsoper Unter den Linden in Berlin eingebaut. Heute verfügt die Orgel über 28 Register.[4]
Glocken
| Jahr | Glockengießer | Gewicht | Durchmesser | Schlagton | Inschrift |
|---|---|---|---|---|---|
| vermutl. vor 1300 | unbekannt | 375 kg | 85,5 cm | h' | Namen der vier Evangelisten |
| 1500 | Bernhart Lachamann, Heilbronn | 1200 kg | 128 cm | e' | osanna+heis+ich+in+vnser+frav en+er+levt+ich+bernhart+lacha man+gos+mich+1500 |
| 1605 | Johannes Miller, Esslingen | 1500 kg | 133 cm | d' | Zu der Ehre Gotes leit ich |
| 1956 | Bachert, Kochendorf | 756 kg | 106,5 cm | g' | Wappen der vom Holtz. Auf der Rückseite: An Gottes Segen / ist alles gelegen. |
Patronat
Das Kirchenpatronat lag von 1628 bis 1992 bei der Familie vom Holtz. Es wurde im ganzen Bereich der Evangelischen Landeskirche in Württemberg im Jahre 1992 aufgehoben.[5]
Literatur
- Adolf Schahl (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises, Band 1 + 2; in: Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg – Hg. vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg; München/Berlin 1983, S. 80–98
- Gerhard Faigle: Stephanuskirche Alfdorf (Kleine Kunstführer Nr. 2385). Schnell und Steiner, Regensburg 1999, ISBN 3-7954-6216-9.
- Günther Memmert: Die Stadtkirche in Aalen und die Stephanuskirche in Alfdorf. Zum Typus der protestantischen Quersaalkirche im schwäbischen Barock. Dissertation, Universität Stuttgart, 2010. doi:10.18419/opus-5361
Weblinks
- Stephanuskirche Alfdorf – Evangelische Kirchengemeinde Alfdorf
- St. Stephanus-Kirche – Gemeinde Alfdorf
Einzelnachweise
- ↑ Beschreibung des Oberamts Welzheim/Kapitel B 2 – Wikisource. Abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche - Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen; Ubstadt 2025, besonders S. 253, 264 und 254, 265 - ISBN 978-3-95505-592-9
- ↑ Günther Memmert: Die Stadtkirche in Aalen und die Stephanuskirche in Alfdorf. Zum Typus der protestantischen Quersaalkirche im schwäbischen Barock. Dissertation, Universität Stuttgart. 2010, doi:10.18419/opus-5361.
- ↑ a b Stephanuskirche Alfdorf | Evangelische Kirchengemeinde Welzheimer Wald. Abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ Andreas Weiss: Kirchenrecht der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und ausgewählter evangelischer Freikirchen. Ein Vergleich; Tübingen 2012, S. 34, Anmerkung 242
Koordinaten: 48° 50′ 35,5″ N, 9° 43′ 17,5″ O