Steinenberg (Rudersberg)

Steinenberg (Rudersberg)
Gemeinde Rudersberg
Koordinaten: 48° 52′ N, 9° 33′ O
Eingemeindung: 1. Oktober 1972
Postleitzahl: 73635
Vorwahl: 07183
Lage von Steinenberg (blau) in der Gemeinde Rudersberg
Ansicht aus dem 17. Jahrhundert

Steinenberg ist ein Dorf und seit 1972 ein Ortsteil der Gemeinde Rudersberg im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Der Ort liegt vollständig im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald und ist mit seinen ca. 1.680 Einwohnern der drittgrößte Ortsteil der Gemeinde Rudersberg.[1]

Geografie

Die Ortschaft Steinenberg liegt circa 4 km südlich von Rudersberg, umgeben von Obstbaumgürteln am Fuße des Welzheimer Waldes in einem Seitental des Wieslauftals an den Bächen Tannbach und Geißgurgelbach.

Etwa 1,7 km nordnordöstlich von der Dorfmitte liegt im Wald der Berghofsee.

Geschichte

Steinenberg war schon früh Sitz einer Pfarrei, zu der das gesamte Umland gehörte. 1234 wurde die Kirche mit Genehmigung des Augsburger Bischofs Siboto dem Kloster Adelberg inkorporiert, was die erste urkundliche Erwähnung Steinenbergs darstellt. Bischof Hartmann gestattete 1268 dem Kloster, die Pfarrei mit Kloster-Geistlichen zu besetzen. Bis zur Reformation gab es an der Kirche in Steinenberg neben dem Pfarrer noch einen Frühmesser und einen Kaplan.[2]

Steinenberg gehörte wenigstens teilweise zu der Mitte 13. Jahrhundert an Württemberg gefallenen Herrschaft Waldenstein. Zu nicht bekannter Zeit kam Steinenberg zum Kloster Adelberg, das 1524 alle Hoheitsrechte hatte und hier eines der beiden Gerichte seines Steinenberger Quartiers unterhielt. Bis 1807 war Steinenberg Sitz eines Unteramtes des Kloster-Oberamtes Adelberg, aus dem 1819 die Gemeindebezirke Steinenberg, Buhlbronn, Asperglen und Vorderweißbuch gebildet wurden. Bis 1856 gehörte Miedelsbach zum Steinenberger Gemeindebezirk. 1807 kam Steinenberg zum Oberamt Schorndorf und 1938 dann zum Landkreis Waiblingen.[3]

Am 3. September 1810 brannte die Zehent-Scheune mit dem Fruchtkasten ab.[2]

Steinenberg wurde früher ’s Bohnadäle (Bohnentälchen) oder Bohnagäu (Bohnen-Gau) genannt.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten Ortserweiterungen besonders im Südwesten. Neue Wohnsiedlungen wurden in den Bezirken Hummelsäcker (1955), Eichberg-Eichhalden, Freibadweg, Obersteinenberger Straße, Braite, Fehlhansengärten (1960/70) sowie Haldenäcker (1971/72) angelegt.[3]

Nachdem zunächst eine Eingemeindung von Steinenberg nach Schorndorf diskutiert wurde[5], vereinigten sich zum 1. Oktober 1972 die Altgemeinden Rudersberg und Steinenberg zur neuen Gemeinde Rudersberg, wobei die Weiler Obersteinenberg und Steinbruck der Stadt Welzheim zugeordnet wurden.[6]

Während des Hochwassers in Süddeutschland konnten in der Nacht auf den 3. Juni 2024 aufgrund von extremem Starkregen der Boden und die Kanalisation die Niederschläge nicht mehr aufnehmen, was zum Abfluss des Regenwassers in den Ortskern hinein führte und schwere Schäden anrichtete.[7][8]

Politik

In Steinenberg gibt es einen Ortschaftsrat. Der Ortsvorsteher arbeitet ehrenamtlich.[9]

Bürgermeister und Ortsvorsteher seit 1933

  • 1933–1944 BM Emil Hartung (*18.03.1905), ab April 1933 Ortsgruppenleiter der NSDAP
  • 1944–1945 Stellv. BM Karl Ehmann
  • 1945–1954 BM Gotthilf (Jakob) Bayh[10]
  • 1954–1972 BM Gerhard Kontermann (gem. mit Asperglen)
  • 1973–1979 OV Paul Breitenbücher
  • 1979–1989 OV Erwin Munz
  • 1989–2009 OV Werner Betz
  • 2009–2019 OV Irmgard Nagel
  • 2019–2024 OV Wilfried Hägele
  • seit 2024 OV Kathrin Breitenbücher

Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten

Bildung

Seit 1598 gibt es in Steinenberg eine Grundschule,[11] die von 1951 bis 2021 den Namen August-Lämmle-Schule trug, da August Lämmle von 1906 bis 1910 als Lehrer in Steinenberg tätig war.[12] Dieser Name wurde durch Beschluss des Ortschafts- und Gemeinderates 2021 in Grundschule Steinenberg geändert.[13] Grund hierfür war ein Gutachten, welches von der Stadt Leonberg in Auftrag gegeben und der Gemeinde Rudersberg vom Schulamt übermittelt wurde. In diesem Gutachten wurde auf neue Erkenntnisse zur Person August Lämmles und seiner Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus verwiesen, welche zu der Einschätzung führten, dass eine Benennung der Schule nach ihm als „sehr schwierig“ einzustufen sei.[14] Das jetzige Schulhaus wurde 1960 erbaut.

Die Volkshochschule Schorndorf betreibt eine Außenstelle in Steinenberg.

Sport

Die SF Steinenberg aus dem Jahr 1978 haben rund 650 Mitglieder (2008) und teilt sich in die Abteilungen Tanzen, Tischtennis, Taekwondo, Volleyball, Turnen und Darts. Ebenfalls können verschiedene Bewegungssportarten und Gymnastik in Anspruch genommen werden.

In Steinenberg gibt es seit 1937 ein Freibad am nördlichen Ortsrand am Geißgurgelbach, das eines der ersten Freibäder in der Umgebung war.[15]

Evangelische Petruskirche und Altes Pfarrhaus (Schlössle)

Die evangelische Petruskirche steht auf einer ummauerten Anhöhe und wurde 1707/08 anstelle eines spätgotischen Vorgängerbaus aus dem 16. Jahrhundert[3] errichtet und am 24. August 1708 eingeweiht.[2] 1784 wurde sie erweitert. 1978 wurde die Holzdecke erneuert.[16]

In Steinenberg befindet sich eines der ältesten Pfarrhäuser Württembergs,[17] das auch als „Schlössle Steinenberg“ bezeichnet wird. Das stattliche Fachwerkhaus wurde im 15. Jahrhundert vom Prämonstratenserstift Adelberg errichtet und diente nach der Reformation bis in die 1970er Jahre als evangelisches Pfarrhaus. Nachdem 1985 das Regierungspräsidium Stuttgart nach mehrjährigen Querelen bereits eine Abbruchgenehmigung für das im Eigentum der Evangelischen Kirchengemeinde stehende historische Gebäude erteilt hatte, bildete sich unter der Regie des Ortschaftsrats eine örtliche Bürgerinitiative für die Erhaltung des alten Gebäudes.[18] Das Pfarrhaus konnte mit kommunaler Unterstützung denkmalgerecht saniert werden und wird heute von kirchlichen und kommunalen Gruppen vielfältig genutzt.

Auf dem Kirchplatz finden in unregelmäßigen Abständen Freilichttheateraufführungen einer Laientheatergruppe statt.[19]

In Steinenberg befindet sich am östlichen Ortsrand ein Friedhof.

Persönlichkeiten

  • Martin Krauß (1490–1554), evangelischer Pfarrer, wirkte in Steinenberg.[20]
  • Martin Crusius (1526–1607), deutscher Altphilologe, Historiker, Chronist, aufgewachsen in Steinenberg.[20]
  • Ludwig Palmer (1856–1931), deutscher Schriftsteller, wirkte als Musiker und Chorleiter beim Musikverein Steinenberg.
  • August Lämmle (1876–1962), Studienrat und schwäbischer Mundartdichter, Lehrer in Steinenberg von 1906 bis 1910.
Commons: Steinenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Gemeinde Rudersberg | Steinenberg |. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  2. a b c Beschreibung des Oberamts Schorndorf/Kapitel B 22 – Wikisource. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  3. a b c Steinenberg - Altgemeinde~Teilort - Detailseite - LEO-BW. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  4. Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN, Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart 1990, ISBN 3-12-258290-2, S. 209.
  5. Keine Liebesheirat: Wie Rudersberg und Steinenberg vor 50 Jahren zusammenfanden - Nachrichten aus Rudersberg - Zeitungsverlag Waiblingen. 1. Oktober 2022, abgerufen am 8. Januar 2026.
  6. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 540–544
  7. Flutschäden beseitigt: Freibad Steinenberg öffnet ab Donnerstag (25.07.) wieder - Nachrichten aus Rudersberg - Zeitungsverlag Waiblingen. 24. Juli 2024, abgerufen am 8. Januar 2026.
  8. Pfarrhaus Steinenberg: Nach dem Hochwasser zum zweiten Mal fertig saniert - Nachrichten aus Rudersberg - Zeitungsverlag Waiblingen. 23. Juni 2025, abgerufen am 8. Januar 2026.
  9. Hauptsatzung der Gemeinde Rudersberg vom 29. Juni 1987, zuletzt geändert am 3. November 2016 (PDF)
  10. Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN, Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart 1990, ISBN 3-12-258290-2, S. 209.
  11. Über uns – Grundschule Steinenberg. Abgerufen am 8. Januar 2026 (Schweizer Hochdeutsch).
  12. Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN, Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart 1990, ISBN 3-12-258290-2, S. 209.
  13. August-Lämmle-Schule in Steinenberg bekommt einen neuen Namen - Nachrichten aus Rudersberg - Zeitungsverlag Waiblingen. 22. April 2021, abgerufen am 8. Januar 2026.
  14. Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN, Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart 1990, ISBN 3-12-258290-2, S. 209.
  15. https://www.landfrauen-rudersberg.de/?pagefunc=showArticle&article_id=470769. Abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
  16. kirchbau.de - Datenblatt einzelne Kirche. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  17. Gemeinde Rudersberg | Altes Pfarrhaus Steinenberg |. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  18. Gemeinde Rudersberg | Kirchplatz & Petruskirche |. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  19. Freilichttheater Steinenberg nach vier Jahren Pause wieder zurück auf der Bühne - Nachrichten aus Rudersberg - Zeitungsverlag Waiblingen. 29. April 2023, abgerufen am 8. Januar 2026.
  20. a b Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN, Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart 1990, ISBN 3-12-258290-2, S. 209.