Steffen Lutz Matkowitz
Steffen Lutz Matkowitz (* 14. Juli 1952 in Leipzig) ist ein deutscher Kabarettist.
Leben
Steffen Lutz Matkowitz wuchs in Leipzig in der ehemaligen DDR auf. In seiner Kindheit erhielt er Unterricht in Klavier, Ballett und Artistik und besuchte die polytechnische Oberschule in Leipzig, erhielt aber wegen seines Austritts aus der FDJ keine Zulassung zum Abitur. Matkowitz wurde bereits 1976 wegen „staatsfeindlicher Zusammenrottung“ verhaftet und drei Wochen lang zur „weiteren Befragung“ täglich durch das Ministerium für Staatssicherheit abgeholt.[1] Aufgrund seiner Weigerung, 1977 an der vormilitärischen Ausbildung teilzunehmen, wurde ihm von der SED-Diktatur auch der Studienwunsch „Schauspieler“ verweigert.
1976–1978 war er Facharbeiter für Filmwiedergabetechnik an der Zentralen Betriebsschule des Lichtspielwesens und holte 1978 an der Abendschule das Abitur nach. Von 1979 bis 1983 studierte er im Fernstudium Kulturwissenschaft.
Nach seiner Ausbürgerung aus der DDR im Jahr 1986 ließ sich Matkowitz in Mettmann nieder.
Kabarettist, Berufsverbot in der DDR und Ausreise in die BRD
Kabarettist in der DDR
Im Jahr 1979 gründete er das Kabarett „Lindenauer Brettl“ und leitete es bis zur Zwangsschließung im Jahr 1983. Matkowitz wurde von Beginn an von der Stasi beobachtet und verfolgt. Bei der Einsicht der Stasiakten nach der Wende musste er feststellen, dass auch ein enger Freund und Nachbar, der mit ihm in einem Mietshaus lebte, informeller Mitarbeiter der Stasi war und ihn täglich ausspionierte.
Da die Kabarettprogramme so intelligent geschrieben waren, dass die Zensoren der SED-Diktatur oft an der Zweideutigkeit scheiterten, erteilte die DDR Matkowitz im Jahr 1983 Berufsverbot und schloss das „Lindenauer Brettl“. Die nächsten drei Jahre war Matkowitz dann arbeitslos.
Ausreise und politische Arbeit in der Bundesrepublik Deutschland
Im Jahr 1986 konnte Steffen Lutz Matkowitz auch aufgrund einer niederländischen Protestaktion ausreisen. Er wurde von der DDR ausgebürgert, musste mit seiner Frau innerhalb von 24 Stunden das Land verlassen[2] und erhielt ein Einreiseverbot, das bis zum Zusammenbruch der DDR gültig war. In der Bundesrepublik arbeitete er ab 1987 als freiberuflicher Referent für politische Stiftungen und das Gesamtdeutsche Institut. Bis zu seinem 70. Lebensjahr informierte er z. B. Oberstufenschüler während des Besuches von Gymnasien über die Diktatur in der DDR oder das stalinistische System von Zwangs- und Arbeitslagern am Beispiel des Gulags Workuta. Matkowitz konnte über das Zeitzeugenbüro für Seminare und Referate engagiert werden. Außerdem arbeitete er wieder als Kabarettist mit Gastspielen in der Bundesrepublik Deutschland sowie den Niederlanden, Belgien und Dänemark.
Neuanfang als „Leipziger Brettl“
Nach der Wende eröffnete Steffen Lutz Matkowitz das „Kabarett Leipziger Brettl“ und nahm nach 1995 den regelmäßigen Spielbetrieb wieder auf. Die Programme erfreuten sich vor allem bei westdeutschen Touristen sehr großer Beliebtheit, da die DDR-Vergangenheit humorvoll und satirisch zugleich aufbereitet wurde. Programme wie „Der politische Witz der DDR“ oder „Hammer und Sichel“ wurden mehrere hundert Mal aufgeführt. Solange es seine Gesundheit zuließ, stand Matkowitz als politischer Kabarettist auf der Bühne.
Weblinks
- Kabarett Leipziger Brettl - das Kabarett, das Matkowitz bis zu seinem Tod leitete
- https://www.zeitzeugenbuero.de/zeitzeugensuche/zeitzeuge/matkowitz-steffen-lutz - Eintrag im Zeitzeugenbüro
- https://taeglich.me/mettmann/kindheit-und-jugend-in-der-ddr/
- https://www.schaufenster-mettmann.de/die-stadt/die-ddr-war-pures-unrecht_aid-46677210 - Artikel aus "Schaufenster Mettmann"
Einzelnachweise
- ↑ Zeitzeuge Steffen Lutz Matkowitz. Abgerufen am 1. Januar 2026.
- ↑ RP ONLINE: Kabarett in der Oberstadt: Ein Rheinsachse in Mettmann. 25. Oktober 2018, abgerufen am 1. Januar 2026.