Stefan Schmalz

Stefan Schmalz (* 1979 in Fulda)[1] ist ein deutscher Soziologe, Politikwissenschaftler und Streikforscher.[2] Seit 2025 ist er Professor für Arbeits- und Wirtschaftssoziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seine Forschungsschwerpunkte sind insbesondere die Arbeits- und Industriesoziologie, die Politische Ökonomie sowie die Globale Soziologie und Entwicklungsforschung.

Leben

Stefan Schmalz studierte an der Philipps-Universität Marburg Politikwissenschaft sowie Soziologie und Informatik[3]. Nach seinem Diplom promovierte er im Jahr 2007 in Marburg mit einer Arbeit zur Außenwirtschaftspolitik der Regierung Luiz Inácio „Lula“ da Silva. Brasilien zwischen relativer Autonomie, neuer Abhängigkeit und internationaler Kooperation bei Frank Deppe und Dieter Boris. Nach der Promotion war Schmalz bis 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Kassel sowie zwischen 2010 und 2020 Akademischer Rat am Institut für Soziologie der Friedrich Schiller-Universität Jena. 2015 erfolgte die Habilitation mit einer Arbeit über die Machtverschiebungen im Weltsystem: Der Aufstieg Chinas im Kontext der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008. Zwischen 2021 und 2025 leitete Schmalz die Heisenberg-Forschungsgruppe „Soziologie der Globalisierung“ sowie das Projekt „JRT02 Kampf oder Konvergenz der Kapitalismen“ im Rahmen des SFB 294 an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt. Zwischen 2014 und 2021 vertrat er mehrfach verschiedene Professuren u. a. an der Freien Universität Berlin und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit dem Sommersemester 2025 ist Stefan Schmalz ordentlicher Universitätsprofessor für Arbeits- und Wirtschaftssoziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er gehört zum Redaktionsbeirat der PROKLA.

Forschungsschwerpunkte

Schmalz’ Forschung konzentriert sich auf die Transformation von Arbeit und Kapital im globalen Kapitalismus. Seine Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Arbeitssoziologie, Globalisierungsforschung und politischer Ökonomie.

Machtressourcenansatz

Gemeinsam mit Klaus Dörre entwickelte Schmalz den sogenannten Jenaer Machtressourcenansatz, ein theoretisches Framework zur Analyse gewerkschaftlichen Handlungsvermögens. Der Ansatz unterscheidet vier zentrale Machtressourcen von Gewerkschaften: strukturelle Macht (Position im Produktionsprozess und am Arbeitsmarkt), Organisationsmacht (Mitgliederzahl, Finanzen, Mobilisierungsfähigkeit), institutionelle Macht (rechtliche Regelungen, Tarifverträge, Mitbestimmung) und gesellschaftliche Macht (Diskurshoheit, gesellschaftliche Legitimität, Bündnispartner). Der Machtressourcenansatz wurde international rezipiert und bildet die theoretische Grundlage der Labor Revitalization Studies.

China und transnationale Arbeitsbeziehungen

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der vergleichenden Analyse von Arbeitsbeziehungen in China und Deutschland. Schmalz erforscht Arbeitskonflikte und Streikbewegungen in China. Zudem untersucht er chinesische Direktinvestitionen in Deutschland und Europa und deren Auswirkungen auf Mitbestimmung und Tarifbindung. So analysiert er De- und Re-Globalisierungsprozesse sowie Konflikte um die Internationalisierung chinesischer Unternehmen.

Soziale Konflikte in Lateinamerika

Schmalz forscht darüber hinaus zur politischen Ökonomie Lateinamerikas mit Schwerpunkt auf Extraktivismus und sozialen Konflikten. Seine Lateinamerika-Forschung verbindet dabei theoriegeleitete Debatten über Regulation und politische Opportunitätsstrukturen mit empirischen Fallstudien zu sozialen Bewegungen, Agrar- und Bergbaukonflikten sowie transnationalen Solidaritätsnetzwerken in Bolivien, Brasilien und Chile. Zusammenfassend analysieren seine Arbeiten die Widersprüche post-neoliberaler Entwicklungsstrategien in Lateinamerika, die Rolle von Staat, Wirtschaft und sozialen Bewegungen beim Wandel extraktivistischer Regime sowie Chancen und Grenzen alternativer Entwicklungsmodelle.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Monographien

  • Machtverschiebungen im Weltsystem. Der Aufstieg Chinas und die große Krise. Campus, Frankfurt/New York 2018 (zugleich Habilitationsschrift).
  • Brasilien in der Weltwirtschaft. Die Regierung Lula und die neue Süd-Süd-Kooperation. Westfälisches Dampfboot, Münster 2008 (zugleich Dissertationsschrift).

Herausgeberschaften

  • Abgehängt im Aufschwung. Demografie, Arbeit und rechter Protest in Ostdeutschland (mit Sarah Hinz, Ingo Singe, Anne Hasenohr). Campus, Frankfurt/New York 2021.
  • Extraktivismus: Lateinamerika nach dem Rohstoffboom (mit Martín Ramírez). Oekom, München 2019.
  • Confronting Crisis and Precariousness: Organized Labour and Social Unrest in the European Union (mit Brandon Sommer). Rowman & Littlefield, Lanham 2019.
  • Streikrepublik Deutschland? Erneuerung der Gewerkschaften in Ost und West (mit Klaus Dörre, Thomas Goes, Marcel Thiel). Campus, Frankfurt/New York 2016.
  • Auf dem Sprung? Transformation und Krise in Brasilien, Indien und China (mit Matthias Ebenau). Dietz, Berlin 2011.

Einzelnachweise

  1. Stefan Schmalz. In: blaetter.de. Abgerufen am 18. Oktober 2025.
  2. Prof. Dr. Stefan Schmalz. Abgerufen am 17. Oktober 2025.
  3. Prof. Dr. Stefan Schmalz. Abgerufen am 17. Oktober 2025.