Stefan Schlick
Stefan Schlick (auch Stephan Schlik bzw. Stephan Schlick oder Steffan Schlick, tschechisch Štěpán Šlik, * 24. Dezember 1487 in Schlackenwerth; † 1526 in der Schlacht bei Mohács), Graf zu Passaun, Herr zu Weißkirchen, Elbogen und Schlackenwerth, war ein böhmischer Adliger und Montanunternehmer. Darüber hinaus besaß er ein Münzrecht und ließ große Stückzahlen der Joachimsthaler Guldengroschen prägen, die später namengebend für Taler und Dollar wurden.
Leben und Wirken
Stefan entstammte dem einflussreichen böhmischen Adelsgeschlecht Schlick. Er war der älteste Sohn von Graf Kaspar Schlick II. und Gräfin Elisabeth von Gutenstein. Kaspar Schlick I., Kanzler des Heiligen Römischen Reichs und Begründer des Geschlechts, war sein Großonkel. 1515 trat er das Erbe seines Vaters an.
Noch im gleichen Jahr wurde nahe der kleinen Siedlung Konradsgrün, Silber gefunden. Dieses Gebiet gehörte zum Teil zu seiner Herrschaft Schlackenwerth. Grundeigentümer waren auch die von Haslau. Erst am 13. Juni 1517 einigten sich die Schlicks und Andreas von Haslau. Schlick zahlten 2000 Gulden Abfindung an die von Haslau. Stefan Schlick beteiligte sich erst 1518 am Bergbau. Im März 1518 mutete er eine Fundgrube und zwei Maaßen am Schottenberg. Als die Gruben 1516 bereits 516 Taler Ausbeute lieferten, besuchten auf Initiative des Bergvoigtes von Buchholz, Max Pusch, er, sowie Heinrich von Könneritz, Graf Alexander von Leisnig, Caspar von Mergental und Ilgen Bäuerlein Konradsgrün um das Vorkommen zu begutachteten. Nach dem Tod des ersten Berghauptmanns, Caspar Sachs, am 9. September 1517, übernahm Heinrich von Könneritz ab dem 6. Januar 1518 dieses Amt. Mit der schnellen Entwicklung des Bergbaus wurde ein eigenes Bergamt notwendig. Als Bergmeister wurde im August 1518 Wolf Sturtz aus Annaberg berufen. Albrecht von Schreibersdorf, der zwischen 1512 und 1523 in der Münzstätte Annaberg die Klappmützentaler prägte, kam 1523.[1] Peter Hettersberger, der von 1519 bis 1523 Zehntner war und durch Unterschlagungen 1522/1523 einen Knappenaufstand auslöste, kam aus Dresden.[2]
Die Ausbeute stieg schnell: 1517 11.997 Taler, 1518 61.530 Taler, 1519 92.416 Taler und 1520 bereits 136.611 Taler.[3] Das Berggeschrei lockte Bergleute in Scharen aus Sachsen über die durchlässige Grenze nach Böhmen. War deren Ansiedlung anfangs noch ungeordnet, konnten ab 1517 Hofstätten verteilt werden, auf denen schließlich 1.200 Häuser in das enge Tal gebaut wurden. Ebenfalls 1517 ließ Schlick durch Johann Münnich in kurzer Bauzeit Schloss bzw. Burg Freudenstein zum Schutz der Siedlung, der Bergwerke sowie die Unterbringung der Bergbeamten erbauen. Da die sächsischen Bergleute auf ihre Gewohnheitsrechte pochten, die sich von denen des böhmischen Bergrechts unterschieden, erließ er am 8. August 1518 eine eigene Bergordnung mit 106 Artikeln. Diese Schlicksche Bergordnung lehnte sich stark an die Annaberger Bergordnung von 1509 an, was nicht verwundert, da Könneritz bereits an dieser mitgearbeitet hatte. Diese Bergordnung floss auch in spätere böhmische Bergordnungen ein und führte zu einer Angleichung von sächsischem und böhmischem Bergrecht.[4]
Im selben Jahr konnte er mit den Rittern von Haslau auf Gfäll, die von den Schlicks mit dem Gebiet belehnt waren, einen Vergleich schließen. Nun endlich konnte er Privilegien vergeben, die die weitere Entwicklung der Siedlung vorantrieben. Diese erhielt um 1519 den Namen „Sankt Joachimsthal“ (nach Sankt Joachim), so benannt in Analogie zu Sankt Annaberg (nach Sankt Anna). Schließlich wurde der Ort am 6. Januar 1520 durch einen Majestätsbrief von König Ludwig II. zur „freien Bergstadt“ erhoben.
Darüber hinaus zog er fremdes Kapital hinzu, das die Nürnberger Patrizier Jakob Welser und Hans Nützel für Investitionen und Löhne bereitstellten. Dieses ließen sie sich mit dem erzeugten Silber vergüten („Silberkauf“), das allerdings unter Marktwert verrechnet wurde. Auf diese Weise machte Schlick nur geringe Gewinne. Deshalb bemühte sich Stefan Schlick ab 1519 um das dem König zustehende Münzrecht. Dieses erhielt er als erster Münzberechtigter zusammen mit seinen Brüdern im April 1520 durch einen Landtagsbeschluss, allerdings mit dem Hinweis, dass es jederzeit widerrufen werden könne. Dies hing auch damit zusammen, dass die Herrschaft Schlackenwerth lediglich Pfandlehen war.
Vermutlich bereits 1519 hat Schlick im Schloss erste Probeprägungen vornehmen lassen. Nach Erteilung des Münzrechts beauftragte er Könneritz mit dem Ankauf eines Hauses zum Ausbau als Münze. Nach dem Vorbild der Münzprägungen in Tirol und Sachsen ließ er vor allem ganze Guldengroschen prägen. Anm. 1 Allerdings war er damit ungleich erfolgreicher. Das lag einerseits daran, dass die Vorgaben für den Silbergehalt penibel eingehalten wurden. So ließ er auf der zweimal jährlich stattfindenden Leipziger Messe Münzprobationen durchführen. Überdies förderte Schlick bewusst die Verbreitung, handelte er doch mit den kursächsischen Herrschern aus, dass die Guldengroschen auch in Sachsen verbreitet werden. Hierzu musste er zusagen, dass der Münzmeister sächsischer Untertan ist.[3] Es wurde berechnet, dass in den 9 Jahren von 1519 bis 1528 etwa 2,2 Millionen Joachimsthaler geprägt wurden.
In den wenigen Jahren seiner Herrschaft gab es unruhige Zeiten in der aufstrebenden Metropole, die mit 18.000 Einwohnern bald zweitgrößte Stadt Böhmens war. Aufstände in den Jahren 1517, 1522/1523 und 1525 konnte er immer wieder durch Verhandlungen und Zugeständnisse beilegen. Der letzte Aufstand war eingebettet in den Deutschen Bauernkrieg, der zwar weitere Bergstädte heimsuchte, Joachimsthal aber am stärksten traf.[5] Schloss Freudenstein, das Rathaus und die Münze wurden geplündert. Schließlich konnte auch dieser Aufstand beigelegt werden, zumal wenige Tage vorher Müntzer in der Schlacht bei Frankenhausen unterlag. Strafmaßnahmen setzte Schlick kaum um, auch um das Kapital zu schützen. Stattdessen wurde die Bergordnung von 1518 um einige Zusätze erweitert und 1525 in den Druck gegeben.
Aber nicht nur auf Joachimsthal erstreckten sich seine Aktivitäten. 1523 kaufte er den Herren von Hertenberg das Recht auf den Bleizehnten für 270 Gulden ab[6] und legte durch Bergfreiheiten die Grundlage für die spätere Bergstadt Bleistadt (Oloví). 1524 unterstützte er Herzog Heinrich den Jüngeren bei seinen Bemühungen, den Bergbau im Oberharz wiederzubeleben, indem er seinen ehemaligen Bergmeister Wolf Sturtz dorthin empfahl.
Wie viele Schlicks stand auch Stefan der seit 1517 umgehenden Reformation aufgeschlossen gegenüber. Bereits vor der Stadtwerdung kaufte er dem Dechant von Falkenau an der Eger das Patronatsrecht ab und übertrug dieses auf die Stadtgemeinde.[7]
Schlick war seit 1521 mit Margaretha Pflug von Rabenstein verheiratet. Sie hatten einen Sohn, den Kalixtiner Moritz, mit dem die Schlackenwerther Linie 1578 ausstarb, sowie eine Tochter Sybila.[8] 1526 zog Stefan zusammen mit seinem Bruder Heinrich und zahlreichen Bergleuten an der Seite von König Ludwig II. in den Kampf gegen das osmanische Heer unter Süleyman dem Prächtigen. Nach der vernichtenden Niederlage in der Schlacht bei Mohács am 29. August 1526 verlieren sich seine Spuren. Nach Johannes Mathesius soll er nach Armenien verkauft worden sein.[9] Nachforschungen seiner Familie, die 1527 zwei Boten nach Konstantinopel entsandte, blieben ergebnislos. Bis 1528 galt er noch als Haupt der Familie, Mitbesitzer der Familiengüter und erster Münzberechtigter. Die Münzen trugen weiterhin seinen Namen. Schließlich wurde er aber für tot erklärt. Der 1527 inthronisierte König Ferdinand I. nutzte diese Gelegenheit und ließ sich auf dem Landtag zu Budweis 1528 das Münzrecht als ein dem König gehörendes Regal wieder zuerkennen. Wegen der Verdienste von Stefan Schlick kam es im selben Jahr noch zu einem Vergleich mit den Erben. Diese durften weiter münzen, aber nur mit königlichem Wappen und Namen, wie in anderen königlichen Münzstätten auch.
Damit endete die relativ kurze Zeit der Joachimstaler, die oft auch Schlick(en)taler genannt werden. Diese war derart erfolgreich, dass der Name auf den Reichstaler und den Taler übertragen wurde. Auch ausländische Währungen leiten sich hiervon ab, wie der Dollar, der Jefimok in zaristischen Russland sowie der Tolar in Slowenien.
Gedenken
In Jáchymov erinnert ein 1924 errichtetes Denkmal an den Stadtgründer.[10] In Berlin-Zehlendorf wurde der Schlickweg nach dem „Begründer des böhmischen Silberbergbaus“ benannt.[11] In Karlsbad gibt es die Schlickgasse (Šlickova ulice) sowie ein Wandgemälde, das vier bedeutende Vertreter der Schlickschen Familie – darunter auch Stefan Schlick – darstellt.[12]
Vorfahren
(Quelle:[13])
| Heinrich Schlick | |||||||||||||
| Matthes Schlick Graf zu Passaun-Weißkirchen | |||||||||||||
| Constantia von Collalto | |||||||||||||
| Kaspar II. Schlick Graf zu Passaun-Weißkirchen | |||||||||||||
| Erkinger I. von Seinsheim, Freiherr von Schwarzenberg | |||||||||||||
| Kunigunde von Schwarzenberg | |||||||||||||
| Barbara von Abensberg | |||||||||||||
| Stefan Schlick Graf zu Passaun-Weißkirchen | |||||||||||||
| Burian von Gutenstein | |||||||||||||
| Elisabeth von Gutenstein | |||||||||||||
| Heinrich V. Graf von Ortenburg | |||||||||||||
| Sigunda von Ortenburg | |||||||||||||
| Elisabeth von Torring | |||||||||||||
Schriften
- Ordenung des freyen vnd löbliche[n] bergkwercks in Sant Joachimsthal. Gutknecht, Nürnberg 1518 (Digitalisat).
- Auffgerichte handlung zu notdurfft vnd foerderung des Bergwerges bneben zuuor angenomner vnd ausgegangner Ordnung/ Jnn S. Joachims Thale. Johann Schönsperger d. J., Zwickau 1525 (Digitalisat).
Anmerkungen
Literatur
- Constantin von Wurzbach: Schlik, Stephan (I.). In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 30. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1875, S. 114 f. (Digitalisat).
- A. Jäger: Die Münzprägungen der Grafen Schlick. In: Berliner Numismatische Zeitschrift. 17 und 18, 1954 (Abschrift coingallery.de [PDF]).
- Heribert Sturm: Der erzgebirgische Bergbau im 16. Jahrhundert. In: Veröffentlichungen des Collegium Carolinum. Probleme der böhmischen Geschichte. Band 16, 1964, S. 31–48 (Digitalisat).
- Klaus Kratzsch: Bergstädte des Erzgebirges – Städtebau und Kunst zur Zeit der Reformation. In: Münchner kunsthistorische Abhandlungen. Band IV. Schnell & Steiner, München / Zürich 1972, ISBN 3-7954-0453-3, S. 32–43.
Weblinks
- Stephan Schlick auf einem Gemälde. palfi.cz, abgerufen am 24. Februar 2018.
Einzelnachweise
- ↑ Siegfried Sieber: Der Joachimsthaler Aufstand 1525 in seinen Beziehungen zu Sachsen. In: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder. Band 4, Nr. 1, 1963, S. 40 (Digitalisat).
- ↑ Helmut Wilsdorf: Die Unterschlagungen des Joachimsthaler Zehntners Peter Hettersberger und ihr Zusammenhang mit dem Knappenaufstand 1522/1523. In: Freiberger Forschungshefte. D 11, 1955, S. 45–82.
- ↑ a b A. Jäger: Die Münzprägungen der Grafen Schlick. In: Berliner Numismatische Zeitschrift. 17 und 18, 1954 (Abschrift [PDF]).
- ↑ H. Sturm: Der erzgebirgische Bergbau im 16. Jahrhundert. 1964, S. 36.
- ↑ Siegfried Sieber: Die Teilnahme erzgebirgischer Bergleute am Bauernkrieg 1525. In: Freiberger Forschungshefte. D 11, 1955, S. 98.
- ↑ Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen; statistisch-topographisch dargestellt. 15. Elbogner Kreis. Friedrich Ehrlich, Prag 1847, S. 47 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
- ↑ Josef Hrdlička: Evangelische Kirchenordnungen für adelige Herrschaften in Böhmen und Mähren zwischen 1520 und 1620. In: Katrin Keller, Petr Mat’a, Martin Scheutz (Hrsg.): Adel und Religion in der frühneuzeitlichen Habsburgermonarchie. Böhlau, Wien 2017, S. 25 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Schlick. Grafen von Passaun (Bassano) und Weisskirchen. ( vom 9. Oktober 2014 im Internet Archive) genealogy.euweb.cz
- ↑ Johannes Mathesius: Sarepta Oder Bergpostill sampt der Joachimßthalischen kurtzen Chroniken. 1562, S. CXXXV (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
- ↑ Jáchymov – pomník Štěpána Šlika. In: pamatkyaprirodakarlovarska.cz. Abgerufen am 24. Februar 2018 (tschechisch).
- ↑ Schlickweg. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
- ↑ Haus von Rudolf und Hans Stanka. In: Historische Enzyklopädie der Stadt Cheb. Abgerufen am 24. Februar 2018.
- ↑ Pedigree: Stefan von SCHLIK-PASSAU. Abgerufen am 2. Februar 2020.