Stefan Rohdewald
Stefan Rohdewald (* 1972 in Zug) ist ein Schweizer Historiker.
Leben
Von 1992 bis 1998 studierte er osteuropäische Geschichte, slawische Literaturwissenschaft, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (Universität Zürich). Von 1998 bis 2001 war er wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte des Historischen Seminars in Zürich (Mehrere längere Sprach-, Bibliotheks- und Archivaufenthalte in Lwiw, Sankt Petersburg, Minsk, Sofia und Belgrad). Nach der Dissertation (1998–2004) "„Vom Polacker Venedig“. Kollektives Handeln sozialer Gruppen in einer Stadt zwischen Ost- und Mitteleuropa (Mittelalter, Frühe Neuzeit, 19. Jh. bis 1914) bei Carsten Goehrke und Hans-Jörg Gilomen, Zürich (summa cum laude) war er von 2002 bis 2003 Stipendiat der Max-Planck-Gesellschaft als Mitglied der International Max Planck Research School (IMPRS) für vergleichende europäische Rechtsgeschichte des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte und der Goethe-Universität. Von 2003 bis 2008 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte Osteuropas und seiner Kulturen an der Universität Passau. Von 2008 bis 2012 war er Akademischer Rat in Passau. Nach der Habilitation 2012 an der Universität Passau „Himmlisches Serbien“, der „bulgarische“ und der „makedonische Gott“. (Trans-)Nationale religiöse Erinnerungsfiguren der orthodoxen Südslaven bis 1944 nahm er 2013 den Ruf an die JLU Gießen (Südosteuropäische Geschichte) an. Seit 2020 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Ost- und Südosteuropäische Geschichte an der Universität Leipzig.
Seine Forschung befasst sich mit Verflechtungen zwischen Osteuropa und dem Nahen Osten, insbesondere mit trans- und interimperialen Beziehungen. Weitere Schwerpunkte liegen auf Erinnerungsdiskursen und Transkonfessionalität sowie stadt-, regional-, wissens- und technikhistorischen Themen einschließlich der Kommunikations-, Sport- und Wissenschaftsgeschichte. Von 2017 bis 2023 war Stefan Rohdewald Sprecher des DFG Schwerpunktprogrammes Transottomanica: East European-Ottoman-Persian mobility dynamics (Koordination Albrecht Fuess und Stephan Conermann).[1] Über Interviews, Vorträge und Publikationen verknüpft sein Lehrstuhl historische Prozesse mit aktuellen Debatten und ordnet den russischen Krieg gegen die Ukraine historisch ein.[2]
Schriften (Auswahl)
Monographien
- „Vom Polocker Venedig“. Kollektives Handeln sozialer Gruppen einer Stadt zwischen Ost- und Mitteleuropa. (Mittelalter, frühe Neuzeit, 19. Jh. bis 1914). Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08696-X. (Erschienen in Übersetzung Pra Polackuju Venecyju. Kalektyŭnyja dzejanni sacyjal'nych hrup horada pamiž Uschodnjaj i Cėntral'naj Eŭropai (Sjarėdnjavečča, ranni Novy Čas, XIX st.- da 1914 h.). Minsk 2020. [1])
- Götter der Nationen. Religiöse Erinnerungsfiguren in Serbien, Bulgarien und Makedonien bis 1944. Köln 2014, ISBN 3-412-22244-5. (Erschienen in Übersetzung Sacralizing the Nation through Remembrance of Medieval Religious Figures in Serbia, Bulgaria and Macedonia. In: East Central and Eastern Europe in the Middle Ages, 450-1450. Band 85/1,2. Leiden 2022, ISBN 978-90-04-51630-4.)
- Mehr als Feind oder Freund. Überregionale Kommunikation im (süd)östlichen Europa von den Osmanen bis zum Kalten Krieg. Berlin 2016, ISBN 3-428-15026-0.
Herausgeberschaft
- als Herausgeber mit Joachim Bahlcke und Thomas Wünsch: Religiöse Erinnerungsorte in Ostmitteleuropa. Konstitution und Konkurrenz im nationen- und epochenübergreifenden Zugriff. Berlin 2013, ISBN 978-3-05-005658-6.
- als Herausgeber mit Stephan Conermann und Albrecht Fuess: Transottomanica – Osteuropäisch-osmanisch-persische Mobilitätsdynamiken. Perspektiven und Forschungsstand. Göttingen 2019, ISBN 3-8471-0886-7.
- als Herausgeber mit Ninja Bumann, Kerstin S. Jobst und Stefan Troebst: Handbook on the History and Culture of the Black Sea Region. Berlin 2025, ISBN 3-11-072311-5.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ DFG Priority Programme Transottomanica. Abgerufen am 23. November 2025.
- ↑ Universität Leipzig: Aktuelles zum Krieg Russlands gegen die Ukraine. Abgerufen am 23. November 2025.