Stefan Baretzki
Stefan Baretzki, Spitzname Belak[1] (* 24. März 1919 in Czernowitz, Bukowina; † 21. Juni 1988 in Bad Nauheim) war ein deutscher SS-Rottenführer im Konzentrationslager Auschwitz.
Leben
Baretzki wurde 1919 als Sohn eines Telefonmechanikers geboren. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er das Handwerk eines Strumpfwirkers und Nadelrichters und war nach der Ausbildung in einer Strumpffabrik beschäftigt. Als Volksdeutscher siedelte er 1940 mit seiner Schwester nach Schlesien um, wo er Beschäftigung in einer Spedition fand.
Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges war er in mehreren Umschulungslagern. Nachdem Baretzki 1942 zur Waffen-SS eingezogen worden war, fungierte er als Blockführer im KZ Auschwitz-Birkenau. Im Rahmen der Evakuierung des KZ Auschwitz-Birkenau leitete Baretzki im Januar 1945 einen Häftlingstransport in das KZ Dachau. Danach wurde er in der SS-Division „30. Januar“ eingesetzt.
Nach Kriegsende
Im Mai 1945 geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er wenige Monate später entlassen wurde. Danach war er in Plaidt als Arbeiter in einer Kohlenhandlung beschäftigt.
Im Januar 1959 wurde der hessischen Staatsanwaltschaft eine Liste übergeben, auf der Baretzki als Todesschütze verzeichnet war. Die Ermittlung seines Aufenthaltsortes zog sich über ein Jahr hin, so dass der Haftbefehl erst im April 1960 vollstreckt werden konnte. Baretzki hatte sowohl an Selektionen auf der „Rampe“, Hinrichtungen und Einzeltötungen teilgenommen als auch an der Liquidierung des Theresienstädter Familienlagers im KZ Auschwitz-Birkenau mitgewirkt.
Im ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess verurteilte ihn das Gericht im Jahr 1965 wegen Mordes beziehungsweise gemeinschaftlich begangenen Mordes zu lebenslangem Zuchthaus und zusätzlich acht Jahren Haft. Er hatte einen jüdischen Häftling totgeschlagen und weitere in einem Löschwasserteich ertränkt.[2] Baretzki machte Angaben zu den Verbrechen und belastete auch Mitangeklagte, wie Franz Lucas. So führte er am 137. Verhandlungstag vor Gericht aus:
„Wenn […] [Dr. Franz Lucas] […] sagt, daß er Leute[n] geholfen hat, […] [dann] mag [das] vielleicht sein, […] aber in Auschwitz, […] hat er [das] nicht gemacht, das habe ich auch gesagt, […] früher hat er 5.000 Menschen in einer halben Stunde in das Gas geschickt, heute will er sich als Retter dahinstellen, das stimmt nicht.“[3][Anmerkung 1]
Baretzki nahm sich im Juni 1988 in der Strafhaft das Leben.
Literatur
- Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. Auflage. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8.
- Ernst Klee: Auschwitz. Täter, Gehilfen und Opfer und was aus ihnen wurde. Ein Personenlexikon, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-10-039333-3.
- Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Auschwitz in den Augen der SS. Oświęcim 1998, ISBN 83-85047-35-2.
Weblinks
- Der 1. Frankfurter Auschwitzprozess (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Oktober 2025. Suche in Webarchiven) (PDF)
- Biografie, Portrait und Fotos von Stefan Baretzki auf auschwitz-prozess-frankfurt.de
- Thorsten Stegemann: Kleiner Mann ganz groß. In: taz.de. 27. Januar 1995.
Einzelnachweise
- ↑ Baretzki, Stefan Spitzname: Belak. In: Lexikon zur Geschichte des Ghettos Theresienstadt. Jugendbegegnung in Theresienstadt/Terezín e.V., abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Ernst Klee: Auschwitz. Täter, Gehilfen und Opfer und was aus ihnen wurde. Ein Personenlexikon. Frankfurt am Main 2013, S. 30f.
- ↑ Angeklagter Stefan Baretzki: 137. VERHANDLUNGSTAG 18.02.1965 – 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess. »Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63 – Landgericht Frankfurt am Main: 137. Verhandlungstag, 18.2.1965 – Aussage des Angeklagten Baretzki. In: Tonbandmitschnitte des Auschwitz-Prozesses (1963–1965). Fritz Bauer Institut, abgerufen am 24. November 2025.
Anmerkungen
- ↑ Der uneditierte Wortlaut der Aussage lautet: „Wenn er hier sagt, daß er Leute geholfen hat, das mag vielleicht sein, 45, hat er sich eine Rückfahrkarte besorgt, aber in Auschwitz, das hat er nicht gemacht, das habe ich auch gesagt, das habe ich auch, gesagt, dass er, früher hat er 5.000 Menschen in einer halben Stunde in das Gas geschickt, heute will er sich als Retter dahinstellen, das stimmt nicht.“