Ste-Libaire (La Broque)

Katholische Kirche Sainte-Libaire
Basisdaten
Konfession Römisch-katholisch
Ort La Broque, Frankreich
Diözese Erzbistum Straßburg
Patrozinium Libaria von Grand
Baugeschichte
Architekt François‑Eugène Grijolot (Neubau des Schiffs 1869, neoklassisch)
Adeline Hébert‑Stevens (Glasfenster und Christus Rex in Keramik, 1961)
Daniel Zinglé (Restaurierung des Turms, 1984)
Bauzeit 1736–1869
Baubeschreibung
Baustil Barock, Neoklassizismus
Koordinaten 48° 28′ 16,3″ N, 7° 12′ 50,7″ O
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Die Kirche Sainte-Libaire ist die Pfarrkirche der römisch-katholischen Gemeinde von La Broque im Département Bas-Rhin (Region Grand Est). Sie ist der heiligen Libaire, einer Märtyrerin aus Lothringen des 4. Jahrhunderts, geweiht und gehört zu den bedeutendsten Sakralbauten im Bruche-Tal. Ihr schlanker Kirchturm, weithin sichtbar, prägt das Ortsbild.

Lage

Die Kirche befindet sich im Ortszentrum an der Rue du Général-de-Gaulle, auf einem von einer Sandsteinmauer umschlossenen Grundstück. In unmittelbarer Nähe liegt der Platz Sainte-Libaire sowie der begrünte Friedhof mit alten Grabdenkmälern.[1]

Patrozinium

Die Kirchenpatronin Libaria von Grand (franz. Sainte Libaire), eine Schwester des hl. Elophe, wurde 362 in Grand unter Julian Apostata enthauptet. Seit dem 15. Jahrhundert in der Grafschaft Salm verehrt, gilt sie als Fürsprecherin gegen Unwetter und Nervenkrankheiten. Eine polychrome Statue befindet sich am linken Seitenaltar.[2] Reliquien werden in Grand aufbewahrt, ein Teil wurde 1852 nach La Broque übertragen.[3] Ihr Festtag ist der 8. Oktober.

Geschichte

Ein Benediktinerpriorat namens Vicpodi cella, gegründet vom Abt Vicpode von Senones, ist um 800 in Vipucelle belegt.[1][4] Dieses ehemalige Priorat befand sich zwar nicht am Standort der heutigen Kirche, markiert aber den frühesten bekannten religiösen Bezugspunkt in La Broque.

Nach den Quellen von Dom Calmet wurde von 1736 bis 1737 das Turm‑Portal erneuert.[1] 1827 wurde der Chor neu gebaut und 1869 das Kirchenschiff nach Plänen von François‑Eugène Grijolot erneuert und Chor und Saal mit Spiegeldecken versehen.[1] 1917 wurden die Glocken durch deutsche Besatzungstruppen beschlagnahmt.[5] 1923 wurden als Ersatz zwei neue Glocken eingeweiht, die „Sainte Libaire“ und die „Marie‑France“.[5] Von 1929 bis 1930 wurde die Orgel durch Joseph Rinckenbach restauriert und erweitert[6], 1953 wurde die Orgel durch Alfred Kern überholt. Von 1960 bis 1961 wurde die Kirche generalsaniert.[7] 1984 wurde der Turm saniert, und die Kirche erhielt einen vergoldeten Hahn und ein Kreuz auf der Turmspitze.[8] 1994 fand eine vollständige Innenrestaurierung statt.

Architektur und Ausstattung

Die Kirche ist ein verputzter Saalbau mit sechs Jochen und einem Chor mit Fünfachtelschluss. Saal und Chor sind mit Spiegelgewölben abgeschlossen. Der in die Westfassade integrierte Kirchturm aus Sandsteinquadern wird bekrönt von einem mit Schiefer gedeckten Knickhelm. Im Turm öffnet sich ein barockes Rundbogenportal mit der Inschrift HIC EST DOMUS DEI im Tympanon. An den Chor ist die Sakristei angebaut.[1]

Die Kirche ist mit einer Reihe von Kunstwerken ausgestattet, die im Inventar Palissy eingetragen sind.[1] Dazu zählen die Kanzel (IM67015411)[9], die Orgel von Rinckenbach und Wetzel (IM67015408)[10], die Statue der heiligen Libaire (IM67015417)[11], die Glocke von Fourno (IM67015409)[12], die beiden Seitenaltäre (IM67015415)[13] sowie die zehn Glasfenster aus dem 19. Jahrhundert.[14]

Die zehn Fenster aus dem Jahr 1869 in Grisaille sind mit Heiligenmedaillons ausgestattet, die aus den Werkstätten Maréchal und Champigneulle aus Metz stammen.[15] 1961 wurden die Chorfenster durch Fenster mit den Symbolen der vier Evangelisten ersetzt, die von Adeline Hébert-Stevens (1917–1998) geschaffen wurden.

Zu den weiteren kunsthistorisch bedeutsamen Ausstattungsstücken zählen neben einer Reihe von Heiligenfiguren eine barocke Statue Johannes des Täufers[16], ein Beichtstuhl aus Holz, das zeitgenössische Taufbecken aus Stein sowie im Außenbereich ein stark beschädigtes Kruzifix aus Stein an der Außenwand und alte Grabplatten und Gedenktafeln.

Pfarrleben

Die Kirche ist Zentrum des religiösen Lebens im Ort und war Schauplatz der Fronleichnamsprozessionen mit reich geschmückten Altären sowie der Teilnahme des Kirchenschweizers und des „kleinen Schweizers“.[17]

Der Verein „Cercle Aloysia“ (gegründet 1921) prägte lange Zeit das Pfarrleben durch Musik und Jugendarbeit.[18]

Bedeutende Pfarrer

  • Jean-François Prêcheur (1825–1877): brachte 1852 Reliquien der hl. Libaire nach La Broque.
  • Antoine Rapp (1913–1924): Pfarrer während des Ersten Weltkriegs.
  • Antoine Halbwachs (1924–1951).
  • Lucien Friederich (1951–1974): Pfarrer bei der Konsekration 1961, organisierte Wallfahrten (z. B. nach Lisieux 1960).[7]
  • Léon Wassler (Pfarrer 1984).[8]
  • Jean Chamley (Pfarrer 1994).

Umgebung

Eine Kreuz aus Stein mit einem Kruzifixus steht auf dem Platz Sainte-Libaire nahe der Kirche.[19] Die Kirche ist von einem Friedhof mit Sandsteinmauer umgeben und enthält eine Reihe von repräsentativen Familiengräbern. Er ist seit dem 19. Jahrhundert belegt und im Inventar Mérimée verzeichnet.[1]

Commons: Ste-Libaire (La Broque) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Église paroissiale Sainte-Libaire (Memento vom 20. Januar 2025 im Internet Archive)
  2. L'Essor, Nr. 187, „Les vitraux de l'église de La Broque“, ACCS, September 2000, S. 12.
  3. L'Essor, Nr. 187, op. cit.
  4. Histoire – Ville de La Broque (Memento vom 8. September 2025 im Internet Archive)
  5. a b Essor. Tome II. L'Essor ACCS, S. 66.
  6. Les orgues de la région de Schirmeck, La Broque, Ste-Libaire, A la découverte de l’Orgue. Orgues d’Alsace abgerufen am 24. November 2025
  7. a b Consécration de l’église Sainte‑Libaire. La Broque 1961.
  8. a b Le clocher restauré. La Broque 1984.
  9. Chaire à prêcher (Memento vom 30. Oktober 2022 im Internet Archive)
  10. Orgue (Memento vom 30. Oktober 2022 im Internet Archive)
  11. Statue: Sainte Libaire (Memento vom 30. Oktober 2022 im Internet Archive)
  12. Cloche (Memento vom 30. Oktober 2022 im Internet Archive)
  13. Ensemble des deux autels secondaires (Memento vom 30. Oktober 2022 im Internet Archive)
  14. 10 verrières (Memento vom 30. Oktober 2022 im Internet Archive)
  15. Saulxures. Nr. 187. L'Essor ACCS, September 2000, S. 9–13.
  16. 2 statues: Vierge à l'Enfant, Saint Jean-Baptiste (Memento vom 30. Oktober 2022 im Internet Archive)
  17. Le suisse d'église. Nr. 148. L'Essor ACCS, S. 12–14.
  18. L'Essor, Nr. 228, „Le cercle Aloysia de La Broque“, ACCS, Dezember 2010, S. 17–18.
  19. L’Essor, Nr. 253, ACCS, März 2017, S. 3.