Standortübungsplatz Aachen-Brand
Der Standortübungsplatz Aachen-Brand (Namensvariation: Standortübungsplatz Brander Wald) ist ein militärisches Übungsgelände der Bundeswehr im Osten der Stadt Aachen in Nordrhein-Westfalen. Er wurde 1937 eingerichtet und befindet sich im Stadtteil Aachen-Brand sowie teilweise auf dem Gebiet der Stadt Stolberg im Rheinland.
Der Übungsplatz dient der militärischen Ausbildung von Soldaten, überwiegend der übungsplatznahen Kasernen aus den Standorten Aachen und Eschweiler. Auch zivilen Organisationen wie dem Technischen Hilfswerks, dem Deutschen Roten Kreuz und den Feuerwehren nutzen den Platz zu Ausbildungszwecken. Schießübungen mit scharfer Munition finden dort nicht statt.
Lage
Der Standortübungsplatz liegt im Brander Wald zwischen Aachen-Brand und Stolberg-Münsterbusch. Er umfasst eine Fläche von rund 225 Hektar und ist Teil eines zusammenhängenden Waldgebietes, das zu den größeren Naturschutzflächen im Aachener Stadtgebiet zählt. Aufgrund seiner Lage überschneidet sich der militärische Nutzungsbereich mit mehreren geschützten Biotopen.
Geschichte
Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 und der Besetzung der entmilitarisierten linken Rheinseite durch deutsche Truppen im Jahr 1936 wurde Aachen zur Garnisonstadt. Die Wehrmacht ließ die Lützowkaserne, die Gallwitz-Kaserne und die Theodor-Körner-Kaserne erbauen und erwarb darüber hinaus das Verwaltungsgebäude der Fa. Waggonfabrik Goossens, Lochner & Co. an der Eckener Straße. Ein Jahr später übergab die Gemeinde Brand der Wehrmacht rund 225 Ha aus ihrem Waldareal zwecks Einrichtung eines notwendig gewordenen Standortübungsplatzes, wozu auch noch ein Schießplatz am Rande des Übungsgeländes gehörte.[1] In den Jahren 1939/1940 wurden vor allem auf Münsterbuscher Seite des Übungsplatzes zusätzlich noch Panzersperren und Bunkeranlagen errichtet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Platz zeitweise von den Truppen der belgischen Streitkräfte aus Aachen und Eschweiler genutzt (Belgisches Militär in Aachen 1945–1992), bevor er 1956 an die Bundeswehr überging, wobei die Nutzung im Laufe der Zeit an moderne Ausbildungsanforderungen angepasst wurde.
Darüber hinaus wurde zwischen 1983 und 1993 ein Teil des Geländes von dem MSC-Grenzland 1982 e. V. für den Trial-Sport angelegt und genutzt.[2]
Nutzung
Der Standortübungsplatz wird für militärische Ausbildung ohne scharfen Schuss verwendet. Dazu zählen unter anderem:
- Orientierung und Geländedienst
- Ausbildung von Infanterieeinheiten
- Übungen zur Gefahrenabwehr und Katastrophenhilfe
- Ausbildung von Reservisten
- Kraftfahrübungen mit Rad- bzw. Kettenfahrzeugen
Darüber hinaus nutzen zivile Hilfsorganisationen das Gelände für realitätsnahe Übungen, etwa zur Rettung und Versorgung von Verletzten oder zur technischen Hilfeleistung.
Anlagen und Relikte
Im Gelände befinden sich noch zahlreiche militärhistorische Relikte, darunter:
- Überreste von vierzügigen Höckerlinien und 12 Westwallbunkern, darunter sechs des Regelbautyps 10, zwei MG-Schartenstände, ein Doppel-Gruppenunterstand Regelbau 11 und drei Pak-Schartenstände Regelbauten 20.
- ehemalige Panzerfahrzeuge aus der Zeit des Kalten Krieges, die als Übungsobjekte dienen, darunter drei M47 Patton und ein M41 Walker Bulldog
- Geländestrukturen früherer militärischer Nutzung
Diese Objekte stehen teilweise unter Denkmalschutz.
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M47 Patton
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M41 Walter Bulldog
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Panzersperren
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THW-Übungsanlage
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ehem. Trial-Gelände
Naturschutz
Große Teile des Standortübungsplatzes liegen im Naturschutz- und FFH-Gebiet Brander Wald sowie kleinere Bereiche im Naturschutzgebiet Münsterbusch zwischen Hamm und Haumühle. Auf seinem östlichen Teil in Richtung Stolberg-Münsterbusch wurden Spuren römischen Bergbaus (Pingenfelder) gefunden. Die militärische Nutzung hat in Teilen dazu beigetragen, die Fläche von intensiver forstlicher oder landwirtschaftlicher Nutzung freizuhalten, wodurch sich wertvolle Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten konnten.
Öffentlichkeit
Während militärischer Übungen ist das Betreten des Geländes untersagt und wird mit roten Fahnen an den Zugangswegen markiert. Außerhalb der Übungszeiten ist der Wald teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich. Besucher müssen dabei auf den ausgewiesenen Wegen bleiben und die Sicherheitskennzeichnungen beachten.[3]
Zuständigkeiten
Das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum (BwDLZ) Aachen ist für die Liegenschaftsverwaltung, das Geländemanagement sowie den Umwelt- und Naturschutz auf dem Gelände zuständig.[4] Die militärische Betreuung des Platzes untersteht dem Standortältesten Aachen. Der aktuelle Standortälteste der Bundeswehr in Aachen ist Oberstleutnant Matthias Paar, der das Amt im September 2025 von Oberst Klaus Gerhard Engel übernahm und die wichtige Schnittstelle zwischen Bundeswehr und zivilen Behörden darstellt.[5]
Weblinks
- Standortübungsplatz Brander Wald zwischen Brand und Münsterbusch, auf KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digitales, abgerufen am 22. Dezember 2025
- Panzerwracks im Brander Wald, Fotostrecke auf erkunde-deutschland.de
- Militärübungsplatz Aachen/Brander Wald, auf lost-places-360.de
Einzelnachweise
- ↑ Freunder Heideweg, Kurzbeschreibung auf buergerverein-brand.de
- ↑ Homepage MSC Grenzland
- ↑ Sarah Lena Gombert: Bundeswehr plant mehr Übungseinsätze auf Aachener Gebiet, in: Aachener Zeitung vom 27. Mai 2019.
- ↑ Dienstleistungszentrum Aachen, Informationen zur Dienststelle auf bundeswehr.de
- ↑ Übergabe des Bereichs Technik/Logistik der TSH und der Dienstgeschäfte des Standortältesten Aachen, Pressemitteilung auf blauer-bund.de vom 30. September 2025
Koordinaten: 50° 45′ 44,7″ N, 6° 11′ 28,4″ O