Stamata Revithi

Stamata Revithi (griechisch Σταμάτα Ρεβίθη, * 1866; † nach 1896) war eine griechische Langstreckenläuferin, die versuchte, am Marathonlauf der ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 teilzunehmen, obwohl diese Spiele Frauen nicht offenstanden.

Biografie

Revithi stammte von der Kykladeninsel Syros[1], lebte aber 1896 in Piräus. Sie soll eine mittellose Witwe mit einem Kind gewesen sein, die auf dem Weg zur Arbeitssuche von Piräus nach Athen regelmäßig weite Strecken zu Fuß ging. In der Hoffnung, durch die Medienaufmerksamkeit eine gute Arbeit zu finden, soll sie sich spontan entschlossen haben, am Marathonlauf der Olympischen Spiele 1896 teilzunehmen, obwohl Frauen die Teilnahme verwehrt war.

Vor dem Wettkampf befand sie sich mit den anderen Athleten am Startpunkt im Ort Marathon, wo man sie jedoch nicht zum Lauf zuließ und sich über sie lustig machte und ihre Fähigkeit, als Frau den Marathon zu laufen, anzweifelte. Sie soll daraufhin gekontert haben, dass die griechischen Männer bei den Olympischen Spielen bis dahin auch noch nicht gegen die siegreichen Amerikaner gewonnen hätten. Revithi ließ sich trotz des Ausschlusses nicht von ihrem Vorhaben abbringen und lief einen Tag nach dem Marathon der Männer, am 11. April 1896 (julianischer Kalender 30.3.) die Marathon-Strecke, damals rund 40 km[2], in fünf Stunden und 30 Minuten. Ihre Laufzeit wurde von mehreren Zeugen schriftlich bestätigt. Ihr wurde allerdings in Athen nicht gestattet, in das Kallimarmaro Stadion einzulaufen, den offiziellen Endpunkt des olympischen Marathons der Männer, den ihr Landsmann Spyridon Louis am Vortag gewonnen hatte.[1] Revithi gilt mit ihrem Lauf als erste Frau, die in der Neuzeit die Marathon-Strecke bei den Olympischen Spielen lief.[3] Für Frauen wurde der Marathon-Wettbewerb erst bei den Olympischen Sommerspielen 1984 eingeführt.[4]

Revithis Spuren verlieren sich nach ihrem Lauf; über ihr weiteres Leben ist nichts bekannt.

Erstmals erwähnt wurde ihre Leistung im Women`s Athletic Yearbook 1975, allerdings heißt sie dort „Melpomeni“.[5] Manche Quellen weisen darauf hin, dass es sich um zwei unterschiedliche Frauen handelte, die den Marathon 1896 liefen: „Melpomeni“, die vor dem offiziellen Wettkampf die Strecke in einer Zeit von vier Stunden und 30 Minuten geschafft haben soll[6], und Stamata Revithi, die einen Tag nach dem olympischen Männer-Marathon allein lief und eine Stunde länger brauchte.[7] Jedoch wird in mehr Quellen davon ausgegangen, dass es sich um einen Doppelnamen ein und derselben Person, nämlich Stamata Melpomeni Revithi, handeln muss.[1][5][7]

Einzelnachweise

  1. a b c jenny.gr: Ολυμπιακοί Αγώνες 1896: Η Συριανή «μαχήτρια» που έτρεξε στον Μαραθώνιο ενάντια στους κανόνες. In: https://www.syrostoday.gr/. 7. April 2021, abgerufen am 17. Januar 2026 (griechisch).
  2. Jörg Wenig, Irina Strohecker: Die Geschichte des Marathons. In: runnersworld.de. 18. Februar 2025, abgerufen am 17. Januar 2026.
  3. Αγγελική Κοσμοπούλου: Γυναικείοι άθλοι. In: https://www.athensvoice.gr. 23. Oktober 2016, abgerufen am 17. Januar 2026 (griechisch).
  4. Marathonlauf. In: Olympia-Lexikon.de. Archiviert vom Original am 26. Mai 2022; abgerufen am 28. Juli 2022.
  5. a b Marco Della Croce: Stamáta Revíthi. In: Storie di Sport. Archiviert vom Original am 1. Dezember 2024; abgerufen am 27. Juli 2022 (italienisch).
  6. Échos. In: Le Libéral. 4. April 1896, S. 2 (retronews.fr [abgerufen am 17. Januar 2026]): „Bientôt auront lieu en Grèce les Jeux olympiques [...] Mais le plus curieux, c’est qu’une femme du Pirée a déclaré qu’elle prendrait part à la course. Le comité ayant refusé de l’inscrire parmi les concurrents, elle s’est rendue à Marathon et s’est mise à courir vers Athènes. Elle a fait le trajet en quatre heures et demie. (übersetzt: Bald werden in Griechenland die Olympischen Spiele stattfinden […] Doch das Kurioseste ist, dass eine Frau aus Piräus erklärt hat, sie werde am Lauf teilnehmen. Da das Komitee sich weigerte, sie unter den Teilnehmern einzuschreiben, begab sie sich nach Marathon und begann, in Richtung Athen zu laufen. Sie legte die Strecke in viereinhalb Stunden zurück.)“
  7. a b Athanasios Tarasouleas: Stamata Revithi, "Alias Melpomeni". In: Olympic review : official publication of the Olympic Movement, (= Olympic review). Band XXVI, Nr. 17, 1997, S. 53–55. (olympics.com [abgerufen am 27. Juli 2022]).