Stadtmuseum Wittenberge
| Daten | |
|---|---|
| Ort | 19322 Wittenberge |
| Art |
Stadtgeschichte, Industriegeschichte
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| Eröffnung | 1971 |
| Besucheranzahl (jährlich) | ca. 7500 |
| Betreiber |
Kulturbetrieb der Stadt Wittenberge
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| Leitung |
Marcel Steller
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| Website | |
| ISIL | DE-MUS-830217 |
Das Stadtmuseum Wittenberge ist ein lokalgeschichtliches Museum in der Stadt Wittenberge im Landkreis Prignitz im Nordwesten Brandenburgs. Es befindet sich in einem historischen Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das „Alte Burg“ genannt wird.
Museumsgeschichte
Hervorgegangen ist das Museum aus dem 1971 gegründeten sozialistischen Arbeiter- und Industriemuseum. Aus diesem wurde nach der Wiedervereinigung von 1990 und einer grundlegenden Gebäudesanierung das Stadtmuseum Wittenberge. Heute zählen auch die Ausstellungen im Steintor und im Uhrenturm der ehemaligen Nähmaschinenfabrik zum Stadtmuseum Wittenberge.
Das erste Museum in der Stadt war bereits in den 1920er-Jahren durch den ehemaligen Verein für Heimatschutz im Steintor eingerichtet worden. Es wurde jedoch in der jungen DDR aufgelöst.
Gebäudegeschichte
1669 errichtete Adam Gans aus der adeligen Familie derer zu Putlitz für seine Familie etwas außerhalb der Stadt den Fachwerkbau „Weißes Schloss“, der heute „Alte Burg“ genannt wird. Im 18. Jahrhundert wurde das Gebäude zwangsversteigert und nach mehreren Besitzwechseln wurde es 1876 zur Gärtnerei. Ab 1907 fiel das Fachwerkhaus an die Stadt Wittenberge, die hier eine Töchterschule einrichtete. Die Nationalsozialisten machten daraus ein Heim des Bundes Deutscher Mädel. Die Wohnhäuser der Putlitzstraße wurden 1912 gebaut. Dafür wurde der Burgberg abgetragen und der Burggarten eingeebnet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in dem Gebäude zunächst Flüchtlinge untergebracht, ab 1951 zog ein Altenheim ein. Das Gebäude wurde saniert und steht inzwischen unter Denkmalschutz.[1]
Museumsangebote
Dauerausstellungen
Das Museum verfügt über thematisch und chronologisch gegliederte Ausstellungsräume, die sich überwiegend mit der Stadt- und Industriegeschichte seit dem 19. Jahrhundert befassen. Der Schwerpunkt liegt in der Geschichte des ehemaligen Nähmaschinenwerks. Rauminszenierungen (Großdioramen) stellen Alltagssituationen von 1900 bis 1980 nach, wobei der Fokus auf der DDR liegt (Wohnstube um 1900, Schule in der Kaiserzeit, Küche aus dem Dritten Reich, Wohnstuben der 1950er- und 1970er-Jahre, DDR-Betriebskantine, Fließbandproduktion). Mit dem Museumskonzept von 2022 werden die Dauerausstellungen schrittweise modernisiert. Die von der Bevölkerung gewünschten Themen werden seit 2023 verstärkt umgesetzt. Dazu zählen die Elbe als Natur- und Wirtschaftsraum, Mittelalter, Frühneuzeit, der Zweite Weltkrieg und die Industrie.
Sonderausstellungen
Das Stadtmuseum verfügt über Sonderausstellungsflächen, die für Wechselschauen im Bereich Stadt- und Regionalgeschichte, Kunst und aktuelle gesellschaftliche Themen genutzt werden, darunter teils in experimentellen Formaten. Es werden auch Schülerausstellungen umgesetzt. Ein Fokus liegt auf multisensorisch erlebbaren Ausstellungen, deren Inhalte zielgruppenübergreifend erfasst werden. 2025 zeigte das Museum einmalig in Deutschland eine barfuß und hybrid erlebbare Schau, die über die Geschichte von Straßen(belägen) Auskunft gab.
Die Dauerausstellung des Uhrenturms und einige vergangene Sonderausstellungen sind auf der Website des Museums zugänglich.
Veranstaltungen
Es werden breit gefächerte Themen in unregelmäßigen Veranstaltungsformaten umgesetzt (oft in Kooperation), darunter Lesungen, Vorträge und ein jährliches Sommerfest. Das neben dem Steintor befindliche Torwächterhaus wird hierfür regelmäßig genutzt.
Kulturvermittlung
Im Museum wird eine Vermittlung für Kinder und Erwachsene angeboten. Dazu zählen neben festen und flexibel buchbaren Angeboten in der klassischen Museumspädagogik für Kinder und Jugendliche auch Workshops, Veranstaltungen und Themenführungen für diverse Zielgruppen. Das Museum richtet Programme für Kindergeburtstage aus und publiziert niedrigschwellig Themen zur Stadtgeschichte, darunter bei Facebook.
Sammlung
Das Museum verfügt über eine umfangreich Sammlung mit rund 60.000 Objekten. Der Altbestand des Heimatvereins aus den 1920er-Jahren umfasst überwiegend Objekte aus der bäuerlichen Alltagskultur. Da bis 2022 kein Sammlungskonzept existierte, verfügt das Museum über einen sehr großen stadt-unspezifischen Bestand. Dazu zählen insbesondere Elektrogeräte, DDR-Alltagsgegenstände und Industrieprodukte wie Nähmaschinen, die nicht im Wittenberger Werk hergestellt wurden. Die notwendige Schärfung des Sammlungsprofils auf die Wittenberger Stadt- und Industriegeschichte wird seit der Verabschiedung des Museums- und Sammlungskonzeptes seit 2023 umgesetzt.
2023 fand unter deutschlandweiter Beachtung ein Themenjahr statt, in dem die Zukunft von Museum und Sammlung gemeinsam mit der Bevölkerung abgestimmt wurde. In Workshops, Veranstaltungen und Ausstellungen wurden partizipativ Lösungen für bestehende Herausforderungen erarbeitet, die seither umgesetzt werden. Über 30 Expertinnen und Experten begleiten den Prozess von Objektausgliederungen und -abgaben, während Objekte zur Stadtgeschichte gezielt angenommen werden.
Forschung
Der Heimatverein Wittenberges wurde 2021 aufgelöst. Das Museum forscht gemeinsam mit dem Stadtarchiv zur lokalen und regionalen Geschichte und unterstützt und begleitet Heimatforscher. Gezielt werden Kooperationen mit regionalen Partnern sowie Hochschulen und Universitäten angestrebt. Ziel ist zum einen Themenbereiche multiperspektivisch zu erschließen und zum anderen musealen Nachwuchs, meist durch studentische Arbeiten, zu fördern. Zu den Partnern gehörten bisher unter anderem die Julius-Maximilians-Universität Würzburg, die Technische Universität Braunschweig, die Fachhochschule Potsdam, der NABU und die Deutsche Bahn.
Über offene Lizenzen wird der Zugang zu Forschungsergebnissen gewährleistet, alle Forschungsergebnisse werden nach Möglichkeit digital publiziert. Die Museumsbibliothek (rund 4000 Titel) ist als Präsenzbestand nach Anmeldung öffentlich nutzbar.
Um die Forschung zu vereinfachen, werden die Bibliotheks-, Dokument- und Sammlungsbestände nach und nach online gestellt bzw. in Datenbanksysteme integriert. Hierbei unterstützen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Museums die Arbeit.
Digitalisierung
Nach Digitalisierungsförderungen ab 2021 ist die Museumsarbeit wie das Inventarisieren und Digitalisieren von Sammlungsgut professionalisiert worden. Es werden hybride Veranstaltungen (analog und digital) gelegentlich durchgeführt. Das Sammlungsgut wird für die Website museum-digital.de online verfügbar gemacht (Stand 2025). Einige Ausstellungen sind bereits digital abrufbar, die Ausstellungen im Uhrenturm sind mit einem 360°-Rundgang digital erlebbar. Publikationen erfolgen grundsätzlich digital.
Service
Das Museum ist barrierefrei ausgebaut. Es verfügt zudem über einen Shop und ein kleines Café, über eine Fahrradreparatursäule und einen öffentlichen Bücherschrank. Ab 2026 gibt es einen Barfußpfad im Hof. Im Foyer sind touristische Informationen verfügbar. E-Bike-Akkus können geladen werden.
Das für Veranstaltungen genutzte Torwächterhaus kann stundenweise für private Veranstaltungen gemietet werden.
Trivia
- Der spätere Boxer der DDR-Nationalmannschaft Manfred Wittowski wohnte nach dem Zweiten Weltkrieg in der „Alten Burg“ und lernte auf dem durch den Krieg verwüsteten Hof das Boxen in einem selbstgebauten Ring.
- Im Volksmund heißt es, zwischen der „Alten Burg“ und dem Steintor gäbe es einen geheimen Fluchttunnel. Ein solcher existiert nicht; er wäre bei den archäologischen Ausgrabungen und Kanalisationsausschachtungen gefunden worden und hätte angesichts des hohen Grundwasserspiegels und regelmäßiger Hochwasser kein Fortbestehen haben können.
- Das Stadtmuseum Wittenberge ist Mitglied im Deutschen Museumsbund, dem Brandenburger Museumsverband, dem Förderkreis Prignitzer Museen und dem Netzwerk Industriekultur in Brandenburg.
Literatur
- Günter Rodegast, Volkwart Busat: 25 Jahre Museum der Stadt Wittenberge. Wittenberge 1996.
- Marcel Steller: Die Wende im Magazin – Mangel und Überfluss im Museum Wittenberge in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Prignitz (Uwe Czubatynski, Hg.), Bd. 23, Perleberg 2023. PDF-Datei
- Oliver Hermann: Achtung. Alter Turm! Das Steintor und seine Geschichten… Museumserweiterung in Wittenberge in: Museumsblätter. Mitteilungen des Museumsverbandes Brandenburg (02), 2003, 51.
- Museums- und Sammlungskonzept des Stadtmuseums Wittenberge, 2022. PDF-Datei
- Marcel Steller (Hrsg.): Barfuß durch Wittenberge, Wittenberge 2025. doi:10.25366/2024.91
- Marcel Steller, Susanne Müller-Bechtel (Hrsg.): Schatz oder Schrott. Hinter den Kulissen der Museumsarbeit, Wittenberge 2024. doi:10.25366/2023.205
Weblinks
https://www.wittenberge.de/verzeichnis/visitenkarte.php?mandat=50286
Einzelnachweise
- ↑ HIDAweb BLDAM Brandenburg: Suche. Abgerufen am 19. Oktober 2025.