Stadtkirche Walsrode

Die Stadtkirche Walsrode mit dem Patrozinium „St. Johannes der Täufer“ ist eine Evangelisch-lutherische Kirche in Walsrode.

Geschichte

Die St.-Johannis-der-Täufer-Kirche ist ein großes helles Kirchengebäude im klassizistischen Stil, das in den Jahren 1848–50 durch den Konsistorialbaumeister Ludwig Hellner errichtet wurde und fast unverändert bis heute erhalten ist.[1]

Es gab mindestens drei Vorgängerkirchen, die im 10., 12. und 15. Jahrhundert erbaut wurden. Älter als das Kirchenschiff sind der Turm (1786) und die Marienglocke (1437).[2] Unmittelbar an der Südwand grenzt die kleinere Klosterkirche an, die durch eine Tür und gemeinsame Fenster verbunden sind.

Einzelne Gebäudeteile und Kunstgegenstände sind aus den Vorgängerkirchen erhalten und damit älter als die jetzige Kirche.[1]

Ausstattung

Im Altarraum finden sich das Walsroder Kruzifix, entstanden um 1500 aus der Schule des Holzschnitzers Hans Brüggemann, und Holzskulpturen der vier Evangelisten, die vermutlich von Cord Heinrich Bartels, Celle, um 1702 geschaffen wurden.[2] Im Altarraum wird auch die Kurfürstenbibel (von 1768) gezeigt. Sie stammt vom Buchbindermeister Georg Heinrich Wächter aus Hannover, der sie als sein Meisterstück neu einband und sie anlässlich seiner Hochzeit 1843 mit Johanna Marie Luise Meyer in Walsrode der Gemeinde schenkte.

An der Wand zum Turm befinden sich die Epitaphe von Gabriel Meyer und Rudophus Lodemann. Gabriel Meyer wurde 1608 in Walsrode geboren. Er übernahm 1640 das Pastorenamt in Walsrode und verstarb 1679. Er war der Nachfolger der drei Pastoren aus der Kelp-Familie. Superintendent Rudolphus Lodemann wurde 1639 in Celle geboren. Er kam 1680 als Nachfolger von Gabriel Meyer nach Walsrode und verstarb 1714. Durch seine Aufzeichnungen ist manches über die Walsroder Kirchengemeinde bekannt.[2]

Orgel

Eduard Meyer aus Hannover baute 1849 für die Stadtkirche eine Orgel, die über 26 Register auf zwei Manualen und Pedal verfügte. 1917 mussten die Prospektpfeifen zu Kriegszwecken abgeliefert werden. 1930 und 1954 erfolgten Dispositionsänderungen durch P. Furtwängler & Hammer. Martin Haspelmath restaurierte die größte erhaltene Meyer-Orgel 1972–1974 wieder auf ihren ursprünglichen Zustand. Die Gebrüder Hillebrand führten 2004–2005 eine weitere Restaurierung durch, bauten ein Cornett ein und erneuerten die Pedalkoppel und den Tremulanten. Die Disposition ist konservativ konzipiert und lautet wie folgt:[3]

I Hauptwerk CD–f3
01. Principal (Prospekt) 0 08′ 0 (n)
02. Principal (ab c0) 16′
03. Bourdon[A 1] 16′
04. Quintatön 08′
05. Rohrflöte 08′
06. Octave 04′
07. Gemshorn 04′
08. Quinte 03′
09. Octave 02′
10. Mixtur IV 02′
11. Trompete 08′ (n)
II Unterwerk CD–f3
12. Principal (Prospekt) 08′ (n)
13. Hohlflöte[A 1] 08′
14. Gambe[A 2] 08′
15. Gedact[A 3] 08′
16. Octave 04′
17. Spitzflöte 04′
18. Waldflöte 02′
19. Cornett II–IV 2230 (n)
Pedal C–f1
20. Violon[A 1] 16′
21. Subbass[A 1] 16′
22. Octavbass[A 1] 0 08′
23. Bourdon[A 1] 08′
24. Octavbass 04′
25. Posaune[A 4] 16′ 0 (n)
26. Trompete 08′ (n)
  • Koppeln: II/I, I/P
  • Tremulant
  • Anmerkungen
(n) = nachträgliches Register
  1. a b c d e f Holz.
  2. trichterförmig.
  3. Holz/Metall.
  4. Holzbecher.

Glocken

Die älteste Glocke, die Maria, stammt von 1437. Die zweite Glocke wurde 1942 zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Schon 1947 erhielt die Kirche eine neue Glocke, allerdings nicht aus Bronze, sondern aus Eisen. Diese Glocke war Ende des 20. Jahrhunderts abgängig und drohte herunterzufallen. Daraufhin wurde vom Kirchenvorstand mithilfe vieler Spender bei der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe eine neue Glocke in Auftrag gegeben. Ihre Inschrift lautet:

„Gott, schenk uns Zeit aus deiner Ewigkeit – Zeit zum Glauben, Zeit zum Hoffen, Zeit zum Lieben.“

[2]

Vor dem 1. Advent 2012 wurde die rostige Eisenglocke abgenommen, sie steht nun hinter der Kirche. Auch die rostigen Turmschlagglocken aus der Laterne wurden abgenommen. Die neue Glocke wurde geschmückt und einmal durch die Innenstadt gefahren, danach in den Turm gebracht.

Dank einiger großzügiger Spender konnten 2013 auch zwei neue bronzene Turmschlagglocken gegossen und in die Laterne aufgezogen werden.

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b Denkmalatlas Niedersachsen. Abgerufen am 16. Januar 2026.
  2. a b c d Kirchengemeindelexikon. Abgerufen am 16. Januar 2026.
  3. Informationen zur Orgel auf der Website der Kirchengemeinde
Commons: Stadtkirche Walsrode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 51′ 39,3″ N, 9° 35′ 47,1″ O