Stadtkirche Marlow
Die Stadtkirche Marlow wurde im 13. Jahrhundert im historischen Stadtkern von Marlow im Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern errichtet. Die Kirchgemeinde gehört zur Propstei Rostock im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.
Geschichte
Marlow ist 1179 erstmals urkundlich erwähnt worden. Um 1215/1250 wurde mit dem Bau der Stadtkirche begonnen, die Joche wohl kurz nach 1244 erhöht und eingewölbt und in der gleichen Zeit mit dem Bau des Chors begonnen. Die Kirchweihe fand wahrscheinlich im Jahr 1244 statt; ein Ziegelstein in der oberen südlichen Außenwand der Kirche trägt diese Jahreszahl. Aus dem Jahr 1248 ist für Marlow die Benennung eines ersten Geistlichen bekannt. Der Kirchturm stammt aus dem 15. Jahrhundert; die Anbauten aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert fanden zahlreiche Restaurierungsarbeiten statt, bei denen unter anderem die Fenster und das Westportal erneuert wurden.
Architektur
Die Stadtkirche ist eine Backsteinkirche aus der Zeit des Übergangs von der Romanik zur Gotik mit einem basikalen Langhaus aus zwei Jochen und einem gotischen Gewölbe in westfälischer Prägung. Die beiden Seitenschiffe wurden zu einem nicht bekannten Zeitpunkt abgebrochen. Die rundbogigen, teils vermauerten Arkadenöffnungen zu den geplanten und nicht ausgeführten[1] oder früher vorhandenen Seitenschiffen sind erkennbar. Über den Rundbogen befinden sich paarweise die rundbogenförmigen Obergaden-Fenster.
Das Gewölbe besteht aus frühgotischen Hängekuppeln. Die tragenden Pfeiler weisen schon die für die Gotik typischen Dienste auf. Die Kuppelgewölbe des Kirchenschiffs haben vier bzw. fünf Rippen und jeweils einen ringförmigen Schlussstein. Die beiden Joche trennt ein breiter, hochansteigender, gotischer Gurtbogen.
Im quadratischen, wenig eingezogenen und längsrechteckigen Chor ist das frühgotische Kuppelgewölbe mit seinen acht Rippen mit dem ringförmigen Schlussstein noch erhalten (vergleiche auch mit der Stadtkirche Bad Sülze). Die Reste von Malereien aus dem 13. Jahrhundert zeigen Fabelwesen.
Die an allen drei Seiten in Dreiergruppen angeordneten Fenster haben einen deutlich höheren Mittelteil.
Das Äußere ist besonders am Chor reich gestaltet: Die Oberfenster-Leibungen werden durch die Rundwülste und Ecklisenen geprägt. Unter dem Gesims befindet sich ein Fries als so genanntes „Deutsches Band“.
Der quadratische, wuchtige und gedrungene Turm in der Breite des Mittelschiffs mit einem blendengegliederten Glockengeschoss wird durch einen achtseitigen Turmhelm (Bischofsmütze) abgeschlossen.
Ausstattung
Auf dem im Stil der Spätrenaissance gefertigten Altaraufsatz befindet sich ein Kreuzigungsbild (1851) von Gaston Lenthe. Es ist in eine dreiteilige Altarwand eingefasst, dessen seitliche Durchgänge mit durchbrochenen Maßwerkrosetten verziert sind. Die Kanzel an der Südseite der Kirche stammt ebenfalls der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und wurde wahrscheinlich von den Familien von der Lühe und von Hahn gestiftet. Der Korb ist mit gewundenen Ecksäulen und Akanthus verziert sowie mit einer marmorierenden Bemalung versehen. Die achteckige, hölzerne Taufe ist mit aufgelegen Ornamenten verziert.
Die Orgel wurde 1839 von Ludwig Quosig gebaut und stand ursprünglich über dem Altar. Um 1900 wurde ein zweites Manual eingebaut. 1984 wurde sie auf die Westempore umgesetzt. 1988 baute Wolfgang Nußbücker neue Trakturen, neue Windladen und einen neuen Spieltisch, 1993 erneuerte er das zweite Manual komplett. Die Orgel hat 17 Register.[2] Das Prospekt ist im neugotischen Stil gehalten.
Die weitere neugotische Holzausstattung stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zur Kirchenausstattung gehört außerdem das Bildnis eines Pastos, der zwischen 1660 und 1700 in Marlow tätig war. Er ist mit unvollständigen Hexametern verziert, die in lateinischer Schrift gehalten sind.
Im Turm hängen drei Glocken aus dem 20. Jahrhundert.
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Mecklenburg; Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1980.
- Marianne Mehling (Hrsg.): Knaurs Kulturführer Mecklenburg-Vorpommern, Droemer Knaur, München 1991, ISBN 3-426-26490-0.
- Friedrich Schlie: Kunst- und Geschichtsdenkmäler Mecklenburgs, 1899.
- Arbeitsgemeinschaft für pommersche Kirchengeschichte e. V.: Offene Kirchen I – Von der Recknitz bis zum Strelasund, Thomas Helms Verlag, Schwerin, 2. Auflage, 2006, ISBN 3-935749-66-X, S. 8 und 9.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Schlie: Kunst- und Geschichtsdenkmäler Mecklenburgs, 1899
- ↑ Orgel in Marlow ( des vom 3. Oktober 2019 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Mecklenburgisches Orgelmuseum Malchow, mit Beschreibung, Geschichte und Foto
Koordinaten: 54° 9′ 14,9″ N, 12° 34′ 18″ O