Stadt Jaroslaws
Als Stadt Jaroslaws (ukrainisch Ярославів город Jaroslawiw horod, russisch Город Ярослава Gorod Jaroslawa) wird jener Teil des Alten Kiews bezeichnet, der unter der Herrschaft Jaroslaws des Weisen (Herrschaftszeit 1016–1054) entstand.[1]
Übersetzung
Die ursprüngliche Bedeutung des altrussischen Wortes gorod ist Stadtmauer, siehe Grad (Ortsname). In der Sekundärbedeutung bezeichnete es auch die von einer Stadtmauer umgebene Fläche und entwickelte sich zum modernen Wort für Stadt. In den altrussischen Chroniken kann es sich jedoch auf seine Primärbedeutung, die Stadtmauer beziehen.
Geschichte
Der Beginn des Baus wird auf das Jahr 1037 datiert. In der Nestorchronik heißt es:
«В лето 6545 (1037 г.) с заложи Ярослав город великий Киев, у него же града суть Златая врата; заложи же и церковь святые Софья, митрополью, и посемь церковь на Золотых воротах Богородица»
„Im Sommer 6545 (1037) ließ Jaroslaw die große Stadtmauer um Kiew anlegen, wo auch in dieser Mauer das Goldene Tor ist; er errichtete auch die Kirche der Heiligen Sophia, der Metropole, und errichtete auf dem Goldenen Tor die Kirche der Muttergottes“
Bis zu diesem Zeitpunkt war das Gelände, auf dem sich heute die Sophienkathedrale befindet, ein Feld außerhalb der Stadt und ebenso wie das Gebiet des späteren Podol unbesiedelt.[2]
Die Stadt Jaroslaws war im heutigen Schewtschenko-Rajon gelegen und nahm eine Fläche von annähernd 60 Hektar ein. Ihre Grenzen verlaufen ungefähr vom Goldenen Tor entlang des heutigen Jaroslaw-Wall über den Lwiwer Platz und in der anderen Richtung vom Goldenen Tor zum heutigen Majdan Nesaleschnosti und von dort über die heutige Kostjelnaja-Straße und über den Wladimirhügel bis zum heutigen Michaelplatz, wo sich die Stadt Wladimirs anschloss. Die Grenzen der Stadt Jaroslaws decken sich praktisch mit denen der Schutzzone „Sophienkathedrale“ des UNESCO-Welterbes.
Geschützt wurde die Stadt von einem umlaufenden, 12 Meter tiefen Wassergraben und Wällen mit einer Gesamtlänge von 3,5 km. Die Wälle waren an der Basis bis zu 30 m tief und erreichten mit den hölzernen Palisaden eine Höhe von bis zu 16 m. Die Stadt Jaroslaws grenzte an die Stadt Wladimirs und die Stadt Swajtopokolks an. Die Befestigungsanlagen waren miteinander verbunden, aber die einzelnen Städte waren durch Wälle voneinander getrennt. Der Verkehr zwischen der Stadt Jaroslaws und der Stadt Wladimirs erfolgte durch das Sophientor. Hauptzugang zur Stadt war das Goldene Tor, eine weiteres Tor, das Ljadski-Tor befand sich ungefähr am heutigen Maidan Nesaleschnosti. Im Zentrum der Stadt lag die Sophienkathedrale. In ihrer unmittelbaren Nähe entstanden weitere Klöster und Kirchen, wie die Irenen- und die Georgskirche, aber auch Paläste der Oberschicht der Rus. Mit der Stadterweiterung versiebenfachte sich die Fläche Kiews.[3]
Nach dem Sturm des Alten Kiew unter Batu Khan während der Mongolischen Invasion der Rus wurde die Stadt Jaroslawels größtenteils zerstört, zahlreiche Kirchen und Profanbauten nachfolgend von den Mongolen und Polen geplündert und abgetragen. Die Wälle blieben jedoch noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stellenweise erhalten. In den 1930er Jahren wurde von den bis dahin erhalten gebliebenen Kirchengebäuden im Zuge der geplanten Neugestaltung des Alten Kiews die Georgskirche abgerissen. Noch vorhanden sind lediglich die Sophienkathedrale, wenn auch stark verändert, und Reste des Goldenen Tores. Letzteres wurde in den 1980er Jahren rekonstruiert.
Literatur
- Михаил Константинович Каргер: Киев и монгольское завоевание. In: Советская археология. Band XI. Москва / Leningrad 1949, S. 55–102 (russisch, archaeolog.ru [PDF]).
- Пётр Петрович Толочко: До історії будівництва «города Ярослава» та Софії Київської. In: Археологія. Band XXII. Наукова думка, Київ 1969, S. 196–202 (ukrainisch, kiev.ua).
- Михаил Юлианович Брайчевский: Раскопки в «городе Ярослава». In: Археологические открытия 1971 года. Наука, Москва 1972, S. 390–392 (russisch, archive.org).
- Ярослав Евгеньевич Боровский: Археологічні дослідження в «городі» Ярослава. In: Археологічні дослідження стародавнього Києва. Наукова думка, Київ 1976, S. 86–107 (ukrainisch, org.ua [PDF]).
- В. М. Рычка: Город Ярослава: символическое содержание летописного образа. In: Ярослав Мудрый и его эпоха. Индрик, Москва 2008, S. 153–166 (russisch, org.ua [PDF]).
- Михайло Ієвлев, Аркадій Козловський: Забудова центральної частини «міста Ярослава» поблизу Софійського собору в ХІ ст. In: Ruthenica. Band VIII. Київ 2009, S. 138–150 (ukrainisch, org.ua [PDF]).
- Сергей Иванович Климовский: Где, когда и почему возник Киев. Стилос, Киев 2012, ISBN 978-966-2399-18-9 (russisch).
- Владимир Юрьевич Коваль: Укрепления «города Ярослава» в Киеве. Археологические следы архитектурного решения. In: Архитектурное наследство. Nr. 74. Москва 2021, S. 5–15.
- Г. Ю. Івакін: Місто Ярослава. In: Енциклопедія історії України. Band 6. Наукова думка, Київ 2009, ISBN 978-966-00-1028-1, S. 754 (ukrainisch, ungültige ISBN).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ М. А. Сагайдак: Великий город Ярослава. Наукова думка, Киев 1982 (russisch).
- ↑ М. Н. Тихомиров: Древнерусские города. 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. Государственное издательство политической литературы, Москва 1956 (russisch, russiancity.ru).
- ↑ Петро Толочко: Стародавній Київ. Наукова думка, Київ 1966 (ukrainisch, org.ua [PDF]).