Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung in Bayern

Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung in Bayern

Rechtsform Behörde
Gründung 12. März 1946[1]
Sitz München, Deutschland
Leitung Carolin Kerschbaumer, Präsidentin[2]
Mitarbeiterzahl 1.000 (2024)
Umsatz 1,313 Mrd. EUR (Spieleinsätze Lotto Bayern 2024)
129,56 Mio. EUR (Bruttospielertrag Spielbanken Bayern 2024)
Branche Glücksspiel
Website https://www.slsv-bayern.de
Stand: 2025

Die Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung (SLSV) ist ein Wirtschaftsunternehmen des Freistaates Bayern und rechtlich im Geschäftsbereich des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat angesiedelt. Unter ihrem Dach vereint sie die Geschäftsfelder Lotto Bayern, Lotto Akademie und Spielbanken Bayern. Ihr Produktangebot umfasst Lotterien, Lose und Casinospiele. Sie betreibt die neun Bayerischen Spielbanken an den Standorten Bad Wiessee, Feuchtwangen, Garmisch-Partenkirchen, Bad Reichenhall, Bad Füssing, Bad Kötzting, Bad Steben, Bad Kissingen und Lindau. Zudem betreibt die SLSV das erste staatliche Online-Casino in Deutschland.

Geschichte

Bayern führte als erstes „deutsches“ Land das Lotto durch Generalmandat des Kurfürsten Karl Albrecht am 27. April 1735 ein. Unter Kurfürst Maximilian III. Joseph wurde es 1773 verstaatlicht[3] und 1807 auf das ganze Königreich Bayern ausgedehnt.[4] Von 1861 bis 1911 war die Einrichtung des staatlichen Lottos aufgehoben, da man sich laut eines zeitgenössischen Berichts der Passauer Zeitung, über dessen „verderbliche Wirkung“ einig sei. Auch die Bayrische Akademie der Wissenschaft warnte in einer Stellungnahme vor den negativen Auswirkungen des Lottos[5]. 1911 schloss sich Bayern der Königlich-Preußischen Staatslotterie an, die in diesem Zusammenhang ihren Namen zur Königlich Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie änderte.[6][7]

Am 12. März 1946 wurde per Verordnung mit Zustimmung der amerikanischen Militärregierung die „Bayerische Staatslotterie“ als staatliche Einrichtung ohne eigene Rechtspersönlichkeit im Geschäftsbereich des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen errichtet. Einige Tage zuvor, am 27. Februar 1946, hatte die Staatliche Lotterieverwaltung ihre Tätigkeit aufgenommen. Am 12. März 1946 startete der Vertrieb von Losen unter der Bezeichnung „Bayerische Wiederaufbau-Lotterie“.[8] Am 15./16. Mai 1948 führte Bayern das staatlich organisierte Bayerische Fußball-Toto ein. In Bayern fand die erste Ziehung von Lotto 6aus49 am Sonntag, 13. November 1955, im Ziehungssaal der Staatlichen Lotterieverwaltung in München statt. Seit dem 3. Juli 2013 finden die Ziehungen der Lottozahlen nicht mehr im Fernsehen, sondern nur noch live im Internet statt.[9] Anfang der 1950er-Jahre beschloss der Bayerische Landtag, zunächst drei Spielbanken unter privater Konzession zuzulassen. Im Sommer 1955 eröffnete in Bad Reichenhall die erste Spielbank, gefolgt von den Häusern in Garmisch-Partenkirchen und Bad Kissingen. 1957 kam Bad Wiessee hinzu. 1961 übernahm der Freistaat Bayern alle vier Spielbanken.

In Bayern ist der Bayerische Naturschutzfonds ein Empfänger der Zweckerträge der 1970 gegründeten Glücksspirale. 1976 wurde die Zusatzlotterie „Spiel 77“ eingeführt, 1992 folgte „Super 6“.

1990 übernahm der Freistaat Bayern das bis dahin private Casino in Lindau. Mit dem neuen Spielbankgesetz wurden 1995 weitere Casino-Standorte in Bad Kötzting, Bad Füssing, Feuchtwangen und Bad Steben beschlossen. Somit gibt es in jedem der sieben bayerischen Regierungsbezirke eine Spielbank, im bevölkerungsreichen Oberbayern drei. Alle Spielbanken haben neben ihrem Spielangebot auch ihre Restaurants und Bars sowie Event-Bühnen mit Kulturangeboten etabliert.

Die Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung zählte im März 2012 zu den Gründungsmitgliedern der europaweiten Lotterie Eurojackpot. Seit Januar 2013 ist sie das vom Deutschen Lotto- und Totoblock beauftragte Unternehmen für die Lotterie Glücksspirale.

Im Juli 2013 öffnete die Lotto-Akademie am Nelson-Mandela-Platz in Nürnberg, die Seminare zum Betrieb eines Einzelhandels anbietet. Anfang März 2014 ging zusätzlich die Kundenservicestelle in Nürnberg in Betrieb, die sich im selben Gebäude befindet.[10]

Seit 2019 sind u. a. die Marken LottoBayern und Spielbanken Bayern unter dem Dach der Staatlichen Lotterie- und Spielbankverwaltung vereint. Im April 2024 startete das Online-Casino-Spielportal www.spielbanken-bayern-online.de, das erste staatliche, legale Online-Spielangebot in Deutschland.

Geschäftsfelder und Produkte

Lotto Bayern

Ein Geschäftsfeld der Staatlichen Lotterie- und Spielbankverwaltung ist Lotto Bayern. Lotto Bayern vertreibt seine Produkte in über 3000 Lotto-Annahmestellen sowie über das Internet.[11] Dazu gehören die klassische Lotterie Lotto 6aus49 mit den Zusatzlotterien Spiel 77 und Super 6, die Lotterie Doppelte Sieben, die tägliche Zahlenlotterie Keno mit der Zusatzlotterie plus5, Eurojackpot, die Glücksspirale mit der Zusatzlotterie Sieger-Chance sowie Fußball-Toto. Außerdem bietet Lotto Bayern ein breites Sortiment an Aufreiß- und Rubbellosen.

Die aktuelle Ziehung der Lottozahlen für Lotto 6aus49 wird jeden Mittwoch um 18:25 Uhr und jeden Samstag um 19:25 Uhr als Livestream gesendet.[9] Im Rahmen der Ziehung werden auch die Gewinnzahlen der beiden Zusatzlotterien Spiel 77 und Super 6 bekanntgegeben. Wer die Live-Ziehung verpasst, kann die Sendung jederzeit über das Archiv oder den Lotto.de-YouTube-Kanal ansehen[12]. Das Ziehungsergebnis wird bei Bekanntgabe der Lottozahlen samstags gegen 19:57 Uhr im Ersten veröffentlicht. Die Lottozahlen der Mittwochsziehung werden gegen 18:54 Uhr im ZDF verkündet.

Die wöchentliche Ziehung der Gewinnzahlen für die Glücksspirale[13] und deren Zusatzlotterie Sieger-Chance findet jeden Samstag um 19:15 Uhr im Ziehungssaal in der Zentrale an der Theresienhöhe 11 in München statt. Die Ziehung ist öffentlich und findet unter behördlicher Aufsicht statt.

Personen unter 18 Jahren sind in Deutschland von der Teilnahme an Lotterien und Sportwetten generell, so auch hier ausgeschlossen. Als weitere Maßnahme zum Schutz vor Spielsucht greift die Kundenkartenpflicht bei bestimmten Produkten, die auch von erwachsenen Kunden nur gegen Vorlage ihrer Kundenkarte genutzt werden können.[14][15]

Spielbanken Bayern

Ein weiteres Geschäftsfeld der Staatlichen Lotterie- und Spielbankverwaltung sind die Spielbanken Bayern. Sie betreibt die insgesamt neun Spielbanken im Freistaat in Bad Füssing, Bad Kissingen, Bad Kötzting, Bad Reichenhall, Bad Steben, Bad Wiessee, Feuchtwangen, Garmisch-Partenkirchen und Lindau. Als einziger legaler Anbieter in Bayern dürfen sie ein Online-Casino betreiben.

Sponsoring (Auswahl)

  • Die Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung war Werbepartner für den FIS-Herren-Skiflug-Weltcup am 25./26. Januar 2025 in Oberstdorf sowie dem FIS Herren-Ski-Weltcup auf der Kandahar-Abfahrt am 2. Februar 2025 in Garmisch-Partenkirchen.
  • Seit März 2016 ist die Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung Kooperationspartner des Olympiaparks München.
  • Darüber hinaus ist sie Sponsor der SpVgg Greuther Fürth, des SSV Jahn Regensburg, des 1. FC Nürnberg, der Bamberg Baskets und der BMW Open.
  • Nach 2019 und 2022 war die Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung auch 2024 Werbepartner der Gluck-Festspiele.
Commons: Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung in Bayern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. LOTTO Bayern: ein Unternehmen mit Geschichte, auf lotto-bayern.de
  2. Anbieterkennzeichnung, auf slsv-bayern.de
  3. J. Ludwig Spyri, Johann Emanuel Grob: Schweizerische Zeitschrift für Gemeinnützigkeit: Organ der Schweizerischen gemeinnützigen Gesellschaft. Hrsg.: Société suisse d’utilité publique. Band 2, 1863, S. 201 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Reinhard Heydenreuter: Kurfürstlich-Königlich: zur Geschichte der Staatlichen Lotterien in Bayern vom 17. bis 19. Jahrhundert. Hrsg.: Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung, München 12/2024. 2024, ISBN 978-3-00-080672-8, S. 60 ff., 84.
  5. Passauer Zeitung : niederbayerische Volkszeitung. 1861,1/6 = Jg. 14 ## 10.05.1861. 10. Mai 1861, abgerufen am 30. April 2025.
  6. Richard Bauer: Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. Hrsg.: Wilhelm Volkert. C.H.Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 167 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Ihno Gebhardt, Sabine Miriam Grüsser-Sinopoli (Hrsg.): Glücksspiel in Deutschland : Ökonomie, Recht, Sucht. de Gruyter Recht, Berlin 2008, ISBN 978-3-89949-317-7, S. 506 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Reformen in Bayern, auf hdbg.de
  9. a b Lotto 6aus49: Live-Ziehung der Lottozahlen, auf lotto-bayern.de
  10. Über die Lotto-Akademie, auf lotto-akademie.de
  11. Website Lotto Bayern
  12. Lotto.de-YouTube-Kanal
  13. Aktuelle Gewinnzahlen, auf gluecksspirale.de
  14. Die Kundenkarte von Lotto Bayern. In: tz.de. Abgerufen am 10. Mai 2016.
  15. Die Lotto Bayern Kundenkarte, auf lotto-bayern.de