St. Trinitatis und St. Nikolaus (Kaub)

Die Simultankirche St. Trinitatis und St. Nikolaus ist ein Kirchengebäude in Kaub im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz. Unter einem gemeinsamen Dach vereint das Gebäude die evangelische Kirche St. Trinitatis und die katholische Kirche St. Nikolaus. Das Gebäude ist als Kulturdenkmal in das Nachrichtliche Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Rhein-Lahn-Kreis[1] eingetragen und gilt als bedeutendes Beispiel für die Simultankirchen in Rheinland-Pfalz.

Lage

Die Kirche befindet sich im historischen Stadtkern von Kaub, unweit des Rheinufers. Sie gehört auf evangelischer Seite zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und zum Bistum Limburg auf katholischer Seite.

Geschichte

Kaub war ursprünglich eine Filiale der Pfarrei Weisel und besaß bereits im 12. Jahrhundert ein romanische Wehrkirche, von der heute noch der mächtige Turm erhalten ist. Diese war seit alters her der Heiligen Dreifaltigkeit (St. Trinitas) geweiht, der Chorraum hingegen stand unter dem Patronat von St. Nikolaus, dem Schutzpatron der Schiffer. Um 1340/50 erfolgte eine Erweiterung der Kirche, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Erhebung Kaubs zur eigenständigen Pfarrei. Im 15. Jahrhundert erfolgte eine umfangreiche Kirchenerweiterung nach Nordosten im gotischen Stil. Mit der Einführung der Reformation in der Kurpfalz 1545/46 wurde die Kirche protestantisch. Nach dem Regierungsantritt der katholischen Linie Pfalz-Neuburg im Jahr 1685 wurde 1686 wieder eine katholische Pfarrei gegründet. Ab 1687 nutzten Katholiken und Protestanten die Kirche nach dem Pfälzischen Kirchensimultaneum gemeinsam, bis 1707 der spätgotische Chorbereich vermauert und der katholischen Gemeinde überlassen wurde, während das Langhaus der evangelischen Gemeinde vorbehalten blieb. In den Jahren 1769 bis 1772 wurde der alte katholische Chorbau abgebrochen und durch einen barocken Neubau nach Plänen des Bau- und Werkmeisters Rodenbach ersetzt.

Architektur

Der Baukomplex der Simultankirche vereint zwei architektonisch unterschiedliche, aber miteinander verbundene Kirchenräume. Der evangelische Teil (St. Trinitatis) befindet sich im rechten Gebäudeteil und geht im Kern auf das 12. Jahrhundert zurück. Der Bau zeigt romanische und gotische Elemente, darunter ein spitzbogiges Portal mit spätgotischem Beschlagwerk. Der etwa 27 Meter hohe Turm war ursprünglich Teil der Stadtbefestigung.

Der katholische Teil (St. Nikolaus) im linken Gebäudeteil wurde 1772 als spätbarocker Neubau errichtet. Ein zierlicher Dachreiter mit 2 Glocken krönte das neue Gebäudeteil. 1904 wurde der Dachreiter vergrößert und mit einer dritten Glocke ausgestattet. Der Saalbau besitzt einen nahezu quadratischen Grundriss mit vier zu drei Achsen. 1953/54 wurde der Saalraum um einen Chor mit darunterliegender Sakristei nach Osten hin verlängert. Zur gleichen Zeit zeigte der Dachreiter Statikprobleme auf und die Glocken durften nicht mehr geläutet werden. Ein separater Betonglockenstuhl im Hang oberhalb der Kirche beherbergt seitdem die Glocken der katholischen Gemeinde.

Ausstattung

Im evangelischen Kirchenraum befinden sich ein Epitaph von 1553 sowie ein Gedenkstein der Familie Lehrius aus dem Jahr 1722. Der geschnitzte klassizistische Kanzelkorb über dem Altar entstand um 1800. Eine Tafel unterhalb der Kanzel erinnert an die Vereidigung der Kauber Schiffer beim Rheinübergang Feldmarschall Blüchers und seiner Truppen in der Silvesternacht 1813/14. Über der Kanzel erhebt sich die Orgel von Orgelbauer Eberhard Friedrich Walcker aus dem Jahre 1879. 1977 fertigte der Württemberger Künstler Rolf Bodenseh einen Taufstein aus brasilianischem Granit. Bemerkenswert ist ein alter Opferstock, der heute nicht mehr in Gebrauch ist sowie die Kirchenfenster mit Symbolen aus dem Leben der Kauber Gemeinde (Schifffahrt, Weinbau, Bergbau). Eine mittelalterliche Holztüre zum Kirchplatz mit schmiedeeisernen Beschlägen stammt noch aus der Zeit der Gotik.

Die katholische Kirche St. Nikolaus beherbergt mehrere wertvolle sakrale Gegenstände, darunter einen Messkelch, ein Ziborium und eine Monstranz, die teilweise aus der Werkstatt des Augsburger Goldschmieds Johann Zickel stammen. Der Innenraum zeigt sich in geschlossener barocker Gestaltung mit einem Kreuzweg nach Entwürfen des Malers Januarius Zick. Auf dem Deckel des Taufsteins ist die Taufe Jesus figürlich dargestellt, auf einem großen Gemälde ist der Schutzpatron der Kirche, St. Nikolaus, zu sehen. Besonders bekannt ist eine Kopie der Cauber Madonna, eine etwa 1,30 Meter hohe Holzskulptur, deren Original aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt. Sie wurde während des Dreißigjährigen Krieges geraubt und galt lange als verschollen. Heute befindet sie sich im Hessischen Landesmuseum Kassel. Die Replik von 1998 wurde nach der Renovierung von 1997 aufgestellt.

Bedeutung

Die Simultankirche St. Trinitatis und St. Nikolaus ist ein seltenes Beispiel eines gemeinsamen Gotteshauses zweier Konfessionen. Sie spiegelt die wechselvolle religiöse Geschichte der Kurpfalz nach der Reformation wider und dokumentiert das gelebte Nebeneinander von katholischer und evangelischer Gemeinde. Ihre architektonische Verbindung macht sie zu einem kulturhistorisch einzigartigen Bauwerk am Mittelrhein.

Einzelnachweise

  1. Nachrichtliche Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Rhein-Lahn-Kreis Stand: 15. Jan. 2024, abgerufen am 19. Oktober 2025

Literatur

Commons: St. Trinitatis und St. Nikolaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 5′ 17,4″ N, 7° 45′ 45,3″ O